Hoeneß und Trainer Kovac Bayern beschäftigt sich mit sich selbst

Uli Hoeneß will wohl mit Niko Kovac als Trainer weitermachen beim FC Bayern.

(Foto: dpa)
  • Uli Hoeneß äußert sein Unverständnis, dass viele Beobachter die Arbeit von Trainer Niko Kovac kritisieren.
  • Er findet: Wenn ein Bayern-Coach um die Meisterschaft spielt und im Pokalfinale steht, ist vieles richtig gelaufen.
Von Christof Kneer, Bremen

Magdeburg musste dran glauben und Ingolstadt, Hannover verlor ebenso wie Bielefeld und Mönchengladbach, und im Jahr darauf traf es Erndtebrück, Schweinfurt, Heidenheim, Mainz, Schalke und den FC Bayern. All diese Mannschaften hatten im DFB-Pokal keine Chance gegen die Mannschaft des Trainers Niko Kovac, die damals noch Eintracht Frankfurt hieß, und diese furchterregende Kovac-Serie hat offenbar auch den SV Drochtersen/Assel, den SV Rödinghausen, Hertha BSC, den 1. FC Heidenheim und nun auch Werder Bremen so eingeschüchtert, dass sie sich in der aktuellen Saison ebenfalls von einer Kovac-Elf, diesmal dem FC Bayern, besiegen ließen.

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Von den vergangenen 17 DFB-Pokalspielen hat Niko Kovac tatsächlich nur eines verloren, mit Frankfurt unterlag er im Finale der Saison 2016/17 gegen Borussia Dortmund, es war seine bisher einzige Niederlage im DFB-Pokal, seit er in Deutschland Profitrainer ist.

Man muss schon sagen: Schade, dass Uli Hoeneß das nicht gewusst hat.

Hoeneß, 67, hat im Bremer Weserstadion schon viel erlebt, auf dem Höhepunkt der Hoeneß/Daum-Affäre haben die Bremer bei Ansicht des Münchner Managers so getobt, dass beinahe die Weser übergeschwappt wäre. Wilde Zeiten waren das. Was hätte Hoeneß damals wohl gesagt, nach einem 3:2-Sieg seiner Bayern im Pokalhalbfinale? Und nun kam er nach diesem 3:2 also in die Mixed Zone des ehemaligen Feindeslandes, er war erkennbar nicht auf Krawall gebürstet. Das Bremer Publikum sei "fantastisch" gewesen, sagte er.

Ja, es war die Großzügigkeit des Siegers, wobei Hoeneß nebenbei natürlich noch schnell verfügte, dass dieser lustige Elfmeter "absolut berechtigt" gewesen sei. Dennoch stehen Hoeneß' Sanftmutsanfälle stellvertretend für die Debatten- und Gefühlslage in diesem Klub. Gerade geht es nicht gegen Feinde von außen, auch wenn man diese Dortmunder natürlich vollends abschütteln möchte und diese Leipziger zunehmend lästig werden. Aber im Moment beschäftigen sich die Bayern vor allem mit sich selbst - mit dem Ende des Robben/Ribéry-Zyklus', mit dem Umbruch auf einem durchgeknallten Transfermarkt und mit der Frage, welcher Trainer all die teuren Spieler eigentlich trainieren soll.

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Sie hätte Hoeneß also wunderbar in sein Argumentationsmuster gepasst, die Statistik von diesem schier unbesiegbaren DFB-Pokaltrainer. Tatsächlich ist Kovac nun der erste Trainer nach dem noch viel unbesiegbareren Otto Rehhagel (1989-91), der es dreimal in Serie ins Pokalfinale geschafft hat. Wirklich schade, dass Hoeneß nicht gerufen hat: Sogar gegen Drochtersen-Assel! Aber die innenpolitische Strategie, die der Präsident zurzeit verfolgt, wurde an diesem Abend auch ohne verschärften Tonfall deutlich genug.

Er verstehe "langsam die Welt nicht mehr", sagte Hoeneß mit einem immerhin minimalen Anflug von Rotköpfigkeit, "jetzt sind wir im Pokal-Endspiel, sind Tabellenführer in der Bundesliga, und dann wird über unseren Trainer diskutiert. Da fehlt mir jegliches Verständnis."