Thomas Müller beim FC Bayern Müller bringt das Stadion gegen sich auf

  • Thomas Müller liefert in Bremen nach langer Zeit wieder ein sehr starkes Spiel ab.
  • Der Münchner glänzt als Kapitän, Torvorbereiter, Kämpfer und Torschütze.
  • Nur das Bremer Publikum findet ihn an diesem Abend nicht so gut.
Von Carsten Scheele, Bremen

Wenn irgendwann nach seinem Karriereende ein Buch über Thomas Müller geschrieben wird, dann wird dieses Pokalspiel in Bremen seine Erwähnung finden. Nicht im Teil des Buches, in dem es um den alternden Müller geht, der mit 29 Jahren aus der Nationalmannschaft bugsiert wurde, dem nichts mehr gelingen wollte, der manchmal wochenlang keinen Ball gewinnbringend traf. Eher in den Kapiteln über den echten Müller, den guten Müller, der es mit diesem Spiel in Bremen - diese Conclusio drängte sich geradezu auf - noch einmal allen gezeigt hat.

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Müller war Münchens Kapitän an diesem Abend, der den Einzug ins Pokalfinale brachte, und sein Vortrag geprägt von Szenen, die in dieser Regelmäßigkeit nur ihm unterlaufen. Erwähnt werden muss natürlich, wie er den Ball in der ersten Halbzeit Bremens Niklas Moisander, das weit geöffnete Tor vor Augen, ans Bein schoss. Vor allem aber, wie er Boatengs etwas zu weiten, aber dennoch öffnenden Diagonalball im Bremer Strafraum mit dem Kopf am Überschreiten der Torauslinie hinderte und das Spielgerät im krummen Bogenflug über Torwart Jiri Pavlenka an den entfernten Innenpfosten setzte, von wo der Ball passgenau Lewandowski vor die Füße plumpste. Der Pole staubte zur Führung ab, halb ging das Tor aber auf Müllers Konto, mindestens, eher zu dreiviertel.

Bei seinem wirklich eigenen Treffer zum 2:0 brach Müller dann mit jeder gängigen Lehrbuchmeinung über den gesunden menschlichen Bewegungsablauf, als er den abgefälschten Schuss von Leon Goretzka erst pfiffig unter Kontrolle brachte, den Ball dann im Fallen und mit dem Standbein über Pavlenka ins Netz bugsierte. Seine Tat feierte Müller in einer Art Heinzelmännchen-Tanz mit Goretzka, eine Anleihe aus dem Training, wenn dort ein Kollege beim Kreisspiel getunnelt wird.

Müller ahnte schon, worauf es in der öffentlichen Bewertung hinauslaufen würde: "Meine Freunde würden vielleicht sagen: Das war ein klassisches Müller-Tor." Er grinste: "Und die, die mir nicht gerne zuschauen, sagen es vielleicht auch."

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Die ihm nicht gerne zuschauten? Von dieser Sorte Stadiongänger gab es einige an diesem Abend, schätzungsweise 97 Prozent aller Werder-Fans, die Müller zum besonderen Feindbild auserkoren hatten. Das lag auch daran, wie Müller die ihm zugedachte Rolle des Interimschefs interpretierte. Manuel Neuer fehlte in Bremen angeschlagen, also trug Müller die Bayern-Binde. Er schritt tatsächlich voran, energischer noch, als man es ihm zugetraut hätte.