Osterferien:"Das macht uns wütend"

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Zusammengestellte Stühle und ein geschlossener Strandkorb stehen an der Promenade von Timmendorfer Strand.

Zusammengestellte Stühle und ein geschlossener Strandkorb stehen an der Promenade von Timmendorfer Strand. Noch ist unklar, wann Hotels und Gaststätten wieder öffnen dürfen.

(Foto: Bodo Marks/dpa)

Müssen Hotels in Deutschland für Touristen geschlossen bleiben, während auf Mallorca die Saison beginnt? Guido Zöllick, Präsident des Dehoga-Bundesverbands, über zweierlei Maß beim Osterurlaub.

Interview von Hans Gasser

SZ: Was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Sie sehen, wie die deutschen Urlauber jetzt nach Mallorca entschweben?

Guido Zöllick: Natürlich frustriert uns das als deutsche Hoteliers und Restaurantbetreiber: dass unsere potenziellen Gäste anderswo am Strand und im Hotel sind. Und das, obwohl wir in manchen Regionen Deutschlands, so auch in Warnemünde, wo mein eigenes Hotel steht, ähnlich niedrige Inzidenzen haben wie auf Mallorca. Da ist viel Unverständnis in der Branche, weshalb da mit zweierlei Maß gemessen wird. Das macht uns wütend.

Guido Zöllick, Hotelier und Präsident des Dehoga Bundesverbandes.

"Hotelaufenthalte sind kein Pandemietreiber": Guido Zöllick, Hotelier und Präsident des Dehoga-Bundesverbandes.

(Foto: Dehoga)

Immerhin muss sich jeder testen lassen, bevor er nach Mallorca fliegt. Sieht das Ihr Öffnungskonzept in Deutschland auch vor?

In den aktuellen Hygienekonzepten spielt das noch keine Rolle, aber wir haben ja auch seit November geschlossen. Ich könnte mir das schon vorstellen, vor allem für Gäste aus Regionen mit sehr hohen Inzidenzen. Da wäre ein Negativtest ein gutes Mittel, um Urlaub zu ermöglichen und das Virus trotzdem einzugrenzen.

Interview am Morgen

Diese Interview-Reihe widmet sich aktuellen Themen und erscheint von Montag bis Freitag spätestens um 7.30 Uhr auf SZ.de. Alle Interviews hier.

Die Infektionszahlen steigen landesweit wieder stark an. Würde eine Öffnung von Hotels und Restaurants das nicht zusätzlich befeuern?

Man kann es auch anders sehen: Trotz der Schließung von Hotels und Restaurants seit November steigen die Zahlen an. Wir sind nicht das Problem. Mit unseren bereits erprobten Hygienekonzepten können wir vielmehr ein Teil der Lösung sein. Laut RKI ist der Hotelaufenthalt kein Pandemietreiber, Hotels gelten als "Setting mit niedrigem Risiko". Man muss auch mal sehen, dass viele Infektionen im Privaten stattfinden und da gibt es widersprüchliche Regelungen. Man darf sich privat bei bestimmten Inzidenzen mit zwei Haushalten und fünf Personen treffen. In der Außengastronomie müssten die selben fünf Personen aber einen negativen Test vorweisen, trotz all der Hygieneregeln, die wir gewährleisten. Das ist unverhältnismäßig.

Wie sieht denn dann Ihr Restart-Konzept für die Branche aus?

Zunächst einmal muss die Bundesregierung mit dem Impfen schneller vorankommen und vor allem auch genügend Tests zur Verfügung stellen. Wir können begleitend zu den Hygienemaßnahmen, die wir ohnehin schon haben, mit Abstand, Raumlüftern und Desinfektion, prüfen, wo Schnell- oder Selbsttests Sinn machen: zum Beispiel bei Veranstaltungen oder Seminaren oder auch beim Check-in von Hotelgästen. Bei einem viel besuchten Restaurant ist das nicht praktikabel.

Was ist Ihre Hoffnung in Bezug auf die Ministerpräsidentenkonferenz heute?

Dass wir eine Perspektive aufgezeigt bekommen und als Branche nicht wieder komplett übergangen werden, wie das bei der letzten Konferenz der Fall war. Wir brauchen endlich klare Spielregeln, unter welchen Bedingungen wir öffnen dürfen. Zum Zweiten: Solange wir zwangsgeschlossen bleiben, müssen wir zu 100 Prozent entschädigt werden. Das ist bisher nicht der Fall. Je länger das dauert, desto mehr Hotels und Restaurants werden nicht mehr öffnen. Bei Befragungen unserer Mitglieder gaben 25 Prozent an, ernsthaft darüber nachzudenken, den Betrieb aufzugeben.

Wie könnte die Perspektive aussehen?

Es gibt ja bisher schon Kriterien, nach denen etwa die Außengastronomie öffnen darf. So etwas brauchen wir auch für innen und für die Hotels. Allerdings darf der Inzidenzwert nicht das einzige Kriterium sein. Es muss auch einfließen, welche Altersgruppen sich gerade anstecken, wie schwer die Erkrankungen in dieser Gruppe sind und wie das Gesundheitssystem ausgelastet ist. Das hat die Kanzlerin ja auch mehrfach betont. Die am schwersten betroffenen alten Menschen sind ja hoffentlich bald zum Großteil geimpft. Wir müssen uns mit der Pandemie mitentwickeln, das ist bisher zu wenig geschehen.

Wird es Osterurlaub im Hotel in Deutschland geben?

Ich weiß es nicht, befürworte es aber natürlich. Es gibt Regionen in den Bergen und an der See, wo das von der Infektionslage her genauso möglich wäre wie auf Mallorca. Und unsere Sicherheitskonzepte sind mindestens so gut wie die in Spanien.

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