Städtetipps Havels Kneipe

Was wäre Prag ohne seine Kneipen? Klaus Brill empfiehlt Besuchern einen Abstecher ins Wirtshaus U zavesenyho Kafe.

(Foto: iStockphoto)

Was wäre Prag ohne seine Kneipen? Sie sind, kulturhistorisch gesehen, mindestens so wichtig wie die Kirchen und die Karlsbrücke, und sie sind eine Nationalinstitution. Der Tscheche hat eine Stammkneipe, beim braven Soldaten Schwejk war es das Lokal U Kalicha (Zum Kelch). Václav Havel pflegte als Präsident vom Amtssitz auf der Burg gelegentlich in eine der umliegenden Destillen auszubüchsen, manchmal ging er dann ins Wirtshaus U zavesenyho Kafe (Zum aufgehängten Kaffee). Es liegt unweit des Hradschins auf der malerischen Kleinseite, am halben Berg.

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Prager Perlen

Der Holzfußboden, die einfachen Tische, der stabile Tresen und vor allem die Gemälde und Skulpturen geben dem Raum das Gepräge einer Altprager Künstlerkneipe. Gestaltet hat sie der Maler Jakub Krejci, der Lebensgefährte der Wirtin Helena Hrábková. Im Zigarettendunst entfaltet sich zum Beispiel an der Wand ein falbelhaft-anarchisches Prager Panorama: An üppiger Tafel vergnügen sich, bizarr verrenkt, die Granden der Vergangenheit und Gegenwart, darunter mittelalterliche Könige, moderne Staatsmänner, Schauspieler, Forscher und Autoren, auch Kafka und Havel sind dabei. Es ist ein fröhlich Zechen auf dem Gemälde und davor. Ein großer Rechenschieber weist auf den Ursprung des Kneipennamens hin, der skurrilerweise eine neapolitanische Tradition aufgreift, den Caffè Sospeso. Wer einen guten Tag hatte, zahlt an der Theke zwei Kaffee, trinkt aber nur einen, der andere wird "aufgehängt", also aufgehoben. Ihn bekommt umsonst ein anderer, der Unterstützung nötig hat.

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(Foto: dpa)