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Städtetipps:Osmanen-Kahn

Bosporus Istanbul

Vom Wasser aus ist Istanbul eine Königin: Christiane Schlötzer empfiehlt eine Kahnfahrt auf dem Bosporus.

(Foto: AFP)

Vor ein paar Jahren hat die Stadt Istanbul ihre Bürger gefragt, wie denn die neuen Schiffe aussehen sollten, die täglich den Bosporus rauf und runter fahren. Die Stadt verteilte bunte Blätter mit schicken Schiffsmodellen. Aber die Istanbuler wollten keine klimatisierten Kästen mit Polstersitzen. Sie entschieden sich für die alte Art des Alltagsreisens auf großen schweren Kähnen mit hohen Kaminen. Steht man am Ufer des Bosporus, dann sieht es immer so aus, als hätten die schweren Dampfer ein wenig Schlagseite, wenn sie an einer Iskele, einem Anleger, festmachen. Auf Deck gibt es Holzbänke, und wer will, kann den Möwen im Flug einen Brocken Simit zuwerfen. Die Sesamkringel bringt man besser mit aufs Schiff, den Tee dazu gibt es an Bord, und wenn man Glück hat, bringt ihn der Cayci, der Teeverkäufer, in einem der dünnen Tulpengläser, mit denen man sich im Winter so schön die Hände wärmen kann.

Vom Wasser aus ist Istanbul eine Königin. Ihre Majestät zeigt nur ihre beste Seite. Der Reisende gleitet vorbei an osmanischer Pracht, an Gärten und Residenzen, die weniger feinen Gassen verschwinden dahinter. An einem Sommerabend scheint es, als seien die Ufer des Bosporus ein einziger weiß gedeckter Tisch, so viele Freiluftrestaurants reihen sich aneinander. Es gibt kurze Schiffsstrecken für den Weg zur Arbeit zwischen Asien und Europa, und lange für Genießer, von der Galatabrücke bis zum Schwarzen Meer. Dort, wo der Bosporus endet, wenden die alten Dampfer und kehren um. Hinaus in unbekannte Gewässer fährt keiner.

Christiane Schlötzer, Istanbul