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Städtetipps:Well done

Natürlich gibt es keinen einzelnen Ort, der den Charakter Londons abbildet. Das Spezifische dieser Stadt ist es ja, dass sie sich aus unzähligen Atmosphären, Kulturmelangen und historischen Schichten zusammensetzt. Wer im rauen Tottenham wohnt, hat bei einem Besuch im gediegenen Richmond sicher nicht das Gefühl, sich in seiner Heimatstadt zu befinden. Wer vom sündteuren Sloane Square einen Abstecher zu einem Popkonzert in der Brixton Academy macht, reist viel weiter, als es die fünf Stationen auf dem U-Bahn-Plan erahnen lassen. Und wer im Tower of London Diamanten-Kronen gucken geht, erlebt eine andere Realität als der gehetzte Shopper auf der Oxford Street.

Big Ben London Themse

Einen einzelnen Ort, der den Charakter Londons abbilden kann? Schwierig. Aber die Atmosphäre an einem Sommernachmittag vor der Royal Festival Hall kommt dem schon recht nahe, meint Alexander Menden.

(Foto: iStockphoto)

Aber wenn man erleben will, wie entspannt und zugleich urban London sein kann, dann könnte man es schlechter treffen, als an einem sommerlichen Nachmittag den Vorplatz der Royal Festival Hall aufzusuchen. Dann heizen sich die brutalistischen Betonflächen mit Sonnenwärme auf, Kinder rasen kreischend durch die Wasserspiele, während die Erwachsenen, wie die Briten es gerne machen, im prallen Licht sitzen und sich rotgaren lassen. Auf dem gegenüberliegenden, nördlichen Themseufer erstreckt sich ein eklektisches, aber immer beeindruckendes architektonisches Ensemble, von der Embankment Bridge tönt das Geklimper eines Straßenmusikanten herüber, und unter dem verschlungenen Etagennetz des Southbank Centre klappern die Skater mit ihren Brettern. An so einem Tag versteht man Samuel Johnsons Verdikt, nach dem derjenige, der von London genug hat, auch genug vom Leben hat.

Alexander Menden, London