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Corona-Risikogebiete:Was Österreich-Urlauber wissen müssen

Österreich: Stephansdom in Wien

Österreichs Hauptstadt gilt ebenso wie fast das gesamte Land als Risikogebiet: Zwei Fußgängerinnen mit Maske vor dem Stephansdom.

(Foto: Lisi Niesner/Reuters)

Reisewarnung für Österreich: Was müssen Urlauber nun beachten? Und welche Regeln gelten nach der Rückkehr?

Von Eva Dignös

Ende Juli sorgte Österreich schon einmal für Corona-Schlagzeilen. Am Wolfgangsee hatten Praktikanten, die in der Gastronomie arbeiteten, ausgiebig gefeiert und nicht nur sich gegenseitig, sondern auch andere Menschen angesteckt. Doch diesmal ist es kein kleiner Touristenort, in dem der Weg des Virus vergleichsweise gut nachzuvollziehen war, sondern die Zahl der Neuinfizierten steigt im ganzen Land. Das Auswärtige Amt hat deshalb die Reisewarnung am 1. November auf fast das gesamte Land ausgeweitet. Ausgenommen sind nur noch in Vorarlberg das Kleinwalsertal und in Tirol die Gemeinde Jungholz.

Was bedeutet die Reisewarnung für Urlauber aus Deutschland? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Darf man noch nach Österreich reisen?

Das Auswärtige Amt warnt zwar vor nicht notwendigen, touristischen Reisen in die betroffenen Regionen, verbietet sie aber nicht. Eine Reisewarnung ist gedacht als "dringender Appell", nicht zu reisen, wie es das Auswärtige Amt formuliert. Im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie wird sie ausgesprochen, wenn mit drastischen Einschränkungen des öffentlichen Lebens, mit Quarantänemaßnahmen und einem erhöhten Ansteckungsrisiko zu rechnen ist.

Touristische Hotelaufenthalte sind aktuell wegen des Lockdowns ohnehin nicht möglich. Grundsätzlich haben Pauschalreisende in einem Risikogebiet das Recht, ihren Urlaub abzubrechen. Entsteht während des Urlaubs am Ziel "ein plötzlicher Hotspot, so dass Gefahr für Leib und Leben besteht, liegen außergewöhnliche, unvermeidbare Umstände vor", die dazu berechtigen, den Vertrag zu kündigen, informiert der Bundesverband der Verbraucherzentralen. Das Geld für nicht genutzte Leistungen müsse erstattet und, sofern vertraglich vereinbart, der Rücktransport durch den Reiseanbieter organisiert werden.

Die Situation im jeweiligen Land wird regelmäßig überprüft und die Warnung gegebenenfalls angepasst. So wurden am 2. Oktober das Kleinwalsertal in Vorarlberg und die Gemeinde Jungholz in Tirol wieder von der Liste gestrichen. Die beiden österreichische Exklaven sind nur von Bayern aus erreichbar. Allerdings gelten auch hier die Ausgangsbeschränkungen, welche wiederum Österreich verhängt hat.

Wie ist die Infektionslage im Land?

Die Zahl der Neuinfektionen ist in Österreich in den vergangenen Wochen deutlich gestiegen. Welche Regionen wie stark von Covid-19-Infektionen betroffen sind, lässt sich auf der "Corona-Ampel" ablesen.

Welche Anti-Corona-Auflagen gelten in Österreich?

Nachdem die bisherigen Maßnahmen wenig Wirkung gezeigt haben, befindet sich das Land seit 17. November wieder im Lockdown. Die Wohnung darf nur verlassen werden, wenn es unbedingt notwendig ist, um zur Arbeit zu gehen zum Beispiel, zum Einkaufen oder zum Arzt, für einen Spaziergang oder eine Joggingrunde. Fast alle Geschäfte sind geschlossen, Ausnahmen gibt es lediglich für Supermärkte, Drogerien, Apotheken und Banken. Restaurants und Freizeiteinrichtungen dürfen schon seit 3. November nicht mehr öffnen, Hotels nur noch für Geschäftsreisende.

Gibt es Beschränkungen bei der Einreise?

Die Einreise aus Deutschland ist ebenso wie der Transit durch Österreich nach wie vor ohne Beschränkungen möglich. Weiterhin gilt: Wer in den zehn Tagen vor dem Grenzübertritt in einer Region war, die von Österreich als Risikogebiet eingestuft wurde, und sich nun in Österreich aufhalten möchte, muss einen negativen Test vorweisen oder sich in Quarantäne begeben. An den Grenzen zu Ungarn, Slowenien und Italien wird das kontrolliert - allerdings nur in Form von Stichproben.

Müssen Österreich-Urlauber nach ihrer Rückkehr in Quarantäne?

Ja, das gilt für alle Rückkehrer aus Risikogebieten. Sie sind verpflichtet, sich direkt nach der Ankunft "nach Hause oder in eine sonstige Beherbergung am Zielort" zu begeben und sich dort zehn Tage lang zu isolieren. Frühestens nach fünf Tagen darf man sich testen lassen, um bei einem negativen Ergebnis die Quarantäne vorzeitig zu beenden. Außerdem wird nun eine Online-Registrierung unter www.einreiseanmeldung.de verlangt. Die Details der Umsetzung der Quarantänepflicht unterschieden sich von Bundesland zu Bundesland. So gewähren einige Länder Ausnahmen für Grenzpendler oder bei Kurzreisen von weniger als 24 Stunden Dauer. Bayern hat davon allerdings wieder Abstand genommen: Von der Quarantäne befreien kann man sich nur noch mit triftigen Gründen wie Arbeit, Schule, Arztbesuchen oder familiären Angelegenheiten, nicht jedoch nach einem Tagesausflug zum Skifahren oder Wandern.

Was passiert, wenn man im Österreich-Urlaub Covid-19-Symptome entwickelt?

Nicht eigenmächtig zum Arzt gehen, sondern im Haus bleiben und die Hotline 1450 anrufen: So lautet die deutliche Maßgabe des Gesundheitsamtes Ages für Patienten mit verdächtigen Symptomen wie Husten, Fieber oder Halsschmerzen.

Mit der europäischen Krankenversicherungskarte, die auf der Rückseite der Gesundheitskarte aufgedruckt ist, besteht grundsätzlich Versicherungsschutz. Rücktransporte werden allerdings nicht bezahlt und oft auch nicht sämtliche Leistungen. Deshalb empfiehlt sich auf Reisen immer eine private Auslandskrankenversicherung. Manche Versicherer schließen allerdings Leistungen im Pandemie-Fall oder bei einer Reisewarnung aus. Ob das der Fall ist, steht in den kleingedruckten Versicherungsbedingungen.

Können Reisen nach Österreich storniert werden?

Pauschalurlauber dürfen bei "unvermeidbaren, außergewöhnlichen Umständen" am Urlaubsort, die eine "Durchführung der Pauschalreise oder die Beförderung von Personen an den Bestimmungsort erheblich beeinträchtigen", vom Vertrag zurücktreten, ohne die sonst üblichen Stornogebühren bezahlen zu müssen. Eine Reisewarnung gilt dafür als "starkes Indiz". Selbst wenn sie nicht vorliegt, gibt es seit einem Urteil des Amtsgerichts Frankfurt (Az.: 32 C 2136/20) recht gute Chancen auf einen kostenlosen Rücktritt, sofern eine gewisse Wahrscheinlichkeit für eine gesundheitsgefährdende Ausbreitung des Virus vorliegt. Zum Zeitpunkt der Buchung darf diese Entwicklung allerdings noch nicht absehbar gewesen sein. (Was man dabei beachten muss, erfahren Sie in diesem Interview mit dem Reiserechts-Experten Paul Degott.) Alle schon geleisteten Zahlungen müssen innerhalb von 14 Tagen erstattet werden. Das gilt auch, wenn es der Veranstalter ist, der die Reise absagt.

Findet die Reise allerdings erst in einigen Monaten statt, können sich Verbraucher nicht auf die aktuelle Reisewarnung oder die derzeitige Infektionslage berufen. Wer beispielsweise seinen als Pauschalreise gebuchten Skiurlaub in Österreich aus Angst vor Corona lieber absagen möchte, muss - sofern der Veranstalter keine Umbuchung erlaubt - Stornogebühren entrichten.

Was ist mit individuell gebuchten Reisen?

Individualreisende, die Anreise und Unterkunft getrennt voneinander organisieren, sind rechtlich schlechter gestellt als Pauschalreisende: Selbst eine Reisewarnung berechtigt sie nicht zum kostenfreien Rücktritt. Je kurzfristiger die Absage, umso höher sind in der Regel die Stornogebühren. Sogar der Gesamtpreis kann fällig sein. Die Details der Stornostaffelung stehen im Vertrag, der mit dem Hotelier oder Ferienhausvermieter geschlossen wurde. Es ist auf jeden Fall einen Versuch wert, vor der endgültigen Absage Kontakt mit dem Gastgeber aufzunehmen: Vielleicht lässt sich der Aufenthalt auf das kommende Jahr verschieben. Wer jetzt erst bucht, sollte auf möglichst kulante Stornobedingungen achten. Viele Hoteliers und Ferienhausvermieter kommen ihren Kunden derzeit entgegen.

Was wird jetzt aus der kommenden Skisaison?

Ob und wann die Skigebiete in Österreich öffnen können, ist noch nicht absehbar. Entsprechende Hygienekonzepte gibt es bereits: Essen und Getränke sollen nur noch im Sitzen konsumiert werden dürfen - und nicht im Gedränge an der Bar. In den Gondeln werden Masken vorgeschrieben und ein Mindestabstand beim Anstehen. Derzeit allerdings ist "die Benützung von Seil- und Zahnradbahnen zum Zweck des Aufenthalts im Freien zur körperlichen und psychischen Erholung nicht gestattet". Die vergangene Saison endete wegen der Pandemie vorzeitig und ausgesprochen unrühmlich. Denn in Fahrt kam die erste Infektionswelle unter anderem, weil aus dem Après-Ski-Hotspot Ischgl ein Corona-Hotspot wurde - und das Virus, weil zunächst niemand reagierte, mit den heimkehrenden Urlaubern munter auf Europareise ging.

© SZ.de/bix
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