bedeckt München

Fotografieren im Schnee:So gelingen Winterfotos

Tief verschneite Landschaften sind märchenhaft - doch das Abbild davon enttäuscht oft. Denn als Fotomotiv ist Schnee ein bisschen zickig. Elf Tipps, wie das Winterweiß besser zur Geltung kommt.

Von Hauke Bendt

11 Bilder

Schneekristalle in Nahaufnahme

Quelle: Hauke Bendt

1 / 11

Entdecken Sie den Schnee

Schnee ist nicht einfach nur weiß. Auch auf einer komplett eingeschneiten Fläche gibt es Licht und Schatten. Je nach Tageszeit und Sonnenstand ist das Licht mal bläulich und kalt und mal eher warm und orange. Ist es richtig kalt, stellen sich Eiskristalle auf, geht ein stetiger Wind, entstehen Schuppen oder Wellen. Ein und derselbe Schnee sieht aus wechselnden Blickwinkeln immer wieder anders aus. Schauen Sie genau hin und gehen Sie auch mal ganz dicht heran.

Tipp: Wer eine Isomatte mitnimmt, kann sich auf den Bauch legen, ohne sofort auszukühlen.

Spaziergängerin im Schnee

Quelle: Hauke Bendt

2 / 11

Denken Sie in Schwarz-Weiß

Draußen ist es grau, immer wieder fallen Schneeschauer, nichts lockt einen vor die Tür und zum Fotografieren gibt es jetzt auch nichts. Wirklich? Vielleicht bietet es sich gerade bei diesem Wetter an, eine Stunde durch den Park zu laufen. Orte, die man sonst nur bei Sonnenschein besuchen würde, sind jetzt menschenleer und entfalten im Schneegestöber einen ganz neuen Reiz. Versuchen Sie doch mal in Schwarz-Weiß zu denken und achten Sie nur auf Schattierungen und Kontraste.

Wanderin in Schneelandschaft

Quelle: Hauke Bendt

3 / 11

Setzen Sie farbige Akzente

Sie finden Ihre Schneebilder langweilig? Suchen Sie sich einen Farbklecks, die bunte Jacke eines anderen Wanderers zum Beispiel.

Damit der Farbtupfer wirklich von strahlendem Weiß und nicht von schmutzigem Grau umgeben ist, kann eine manuelle Belichtungskorrektur erforderlich sein. Die Belichtungsautomatik von Digitalkameras versucht immer eine ausgewogene Helligkeitsverteilung, damit möglichst keine absolut weißen und auch keine absolut schwarzen Bereiche entstehen. Fotografiert man mit Hilfe der Belichtungsautomatik, werden Schneebilder also schnell deutlich dunkler als gewollt. Hier hilft es, etwa ein bis zwei Blendenstufen überzubelichten oder bei der Belichtungskorrektur zum Beispiel einen Pluswert wie +1 einzustellen.

Schneekristalle an einem Baum

Quelle: Hauke Bendt

4 / 11

Spielen Sie mit Licht

Zum Fotografieren ist Licht natürlich die Grundvorraussetzung, ohne kann der Kamerasensor kein Bild aufnehmen. Aber Licht ist viel mehr als nur eine physikalische Voraussetzung, sondern bringt erst spannende Akzente in das Motiv. Im Winter taut oder gefriert Wasser in Sträuchern und Bäumen. Fällt das Sonnenlicht in diese kleinen Linsen, wird es reflektiert und es entstehen fotogen funkelnde Sterne.

Spuren im Schnee

Quelle: Hauke Bendt

5 / 11

Gehen Sie auf Spurensuche

War das eine Maus? Ein Eichhörnchen, ein Wolf oder doch nur sein Nachfahre auf der Gassi-Runde? Sammeln Sie all die Abdrücke und bestimmen Sie diese ganz in Ruhe zu Hause. Setzen Sie Spuren in Szene, die wie Riesenkrater auf einem Eisplaneten wirken können, oder in einem Busch verschwinden, so dass sich der Betrachter fragt: Saß das Tier dort und beobachtete den Fotografen?

Alpenpanorama bei Sonnenaufgang

Quelle: Hauke Bendt

6 / 11

Stehen Sie (gar nicht so) früh auf

Im Winter sind die Tage kürzer als im Sommer. Für Fotografen ist das hilfreich, denn für einen Sonnenaufgang müssen sie im Winter nicht mehr mitten in der Nacht aufstehen und auch für einen Sonnenuntergang ist es nicht nötig, bis spät am Abend unterwegs zu sein. In den Bergen reflektieren die verschneiten Flächen jetzt wunderbar das Licht der Sonne.

Tipp: Wer in der Dunkelheit fotografieren will, nimmt eine Stirnlampe mit. So kann man nicht nur die Kamera bedienen, man findet auch sicher den Weg.

Verschneite Landschaft mit Bäumen

Quelle: Hauke Bendt

7 / 11

Vergessen Sie die dritte Dimension

Kameras haben ein Objektiv und einen flachen Sensor. Die Bilder, die sie erzeugen, sind zweidimensional. Weil der Mensch zwei Augen besitzt und deshalb zwei Bilder im Gehirn kombinieren kann, ist er in der Lage, räumlich zu sehen. Versuchen Sie nun aber, die dritte Dimension zu ignorieren und denken Sie auch nur in Flächen. Entdecken Sie Linien, die Ihr Sucherbild unterteilen, und setzen Sie die entstehenden geometrischen Formen zueinander in ein Verhältnis. Wenn überall Schnee liegt, ist das sogar etwas einfacher, weil weniger Details ablenken.

Schneeschuhgeher in Winterlandschaft

Quelle: Hauke Bendt

8 / 11

Finden Sie Ihre Linie

Es ist oft schwierig, den Eindruck von Tiefe in einem Bild zu transportieren. Linien helfen, den Blick des Betrachters in die Ferne zu leiten und ein Gefühl für die Distanz zu erzeugen. Das können zum Beispiel ein in die Ferne führender Weg, ein Zaun oder auch Fußspuren im Schnee sein. Eine Person im Bild kann zusätzlich als Größenreferenz dienen. Wir wissen, wie groß Menschen sind. Je kleiner eine Person im Bild dargestellt wird, desto weiter weg erscheint sie uns.

Gans im Schnee

Quelle: Hauke Bendt

9 / 11

Lassen Sie Ihr Motiv allein wirken

Im Schnee können sich Objekte leicht von ihrer Umgebung isolieren und kommen so zur Geltung. Das Weiß sorgt in diesem Bild dafür, dass nur die Gans mit den federleichten Schneeflocken auf dem Rücken zu sehen ist. Im Sommer hätte man das Tier im Bild womöglich zwischen Gräsern und Steinen suchen müssen.

Eisvogel auf einem kahlen Baum

Quelle: Hauke Bendt

10 / 11

Entdecken Sie, was sich im Sommer versteckt

Im Winter ziehen zwar viele Vögel in den Süden. Aber diejenigen, die in den heimischen Gefilden geblieben sind, sind in den laubfreien Bäumen viel besser zu sehen und zu fotografieren - wie dieser Eisvogel.

Haus an einem See im Winter

Quelle: Hauke Bendt

11 / 11

Ziehen Sie sich warm an

Das klingt nach einem überfürsorglichen "Mach deine Jacke zu!". Aber nur wer weder kalte Füße noch kalte Hände hat, feilt noch ein bisschen länger an der richtigen Komposition, der richtigen Perspektive und den richtigen Belichtungseinstellungen. Wer friert, fotografiert nicht, sondern knipst und steckt die Hände schnell wieder in die warme Tasche. Dabei sollte der vorausschauende Fotograf darin doch die Ersatzakkus für die Kamera transportieren. Denn die Stromspeicher frieren bei Kälte nicht nur, sondern stellen ziemlich schnell ganz den Betrieb ein.

Wie Sie auf Städtereisen Fotos machen, die nicht jeder hat, erfahren Sie hier.

© SZ.de/edi/dd
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema