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Sicherheitskontrollen am Flughafen:Das dauert wieder

Warnstreik des Sicherheitspersonals am Flughafen Hamburg

Selbst zwei Stunden vor Abflug am Flughafen zu sein, kann manchmal nicht ausreichen, um es rechtzeitig zum Gate zu schaffen.

(Foto: picture alliance/dpa)
  • Die Sicherheitskontrollen sind ein Engpass an vielen deutschen Flughäfen, oft müssen die Passagiere lange warten.
  • Deshalb werden nun modernere Kontrollstationen getestet. Doch bis zu einer flächendeckenden Einführung dürfte noch einige Zeit vergehen.

Gürtel aus den Schlaufen nesteln, Schlüssel und Kleingeld aus den Hosentaschen fingern, der Laptop im Handgepäck stellt sich quer beim Versuch, ihn für die Kontrolle herauszuziehen, und im Nacken ist schon der heiße Atem des ungeduldigen Hintermanns zu spüren. Raus aus den Schuhen, der rechte Socken hat ein Loch, wie peinlich, und dann piepst es auch noch beim Gang durch die Schleuse. Irgendwo zwischen "Mache ich alles richtig?", "Wie entblößend" und "Muss ja sein" oszilliert bei der Sicherheitskontrolle die Gefühlslage der Flugreisenden, vor allem derjenigen, die nicht wöchentlich ihre Meilen sammeln und die auch nicht kontrollfreundlich in Jogginghose und Schlappen reisen möchten.

Die wenigsten von ihnen werden den generellen Nutzen der Durchleuchtung von Mensch und Handgepäck in Frage stellen. Doch die Zeit, die für das Warten auf die Prozedur eingeplant werden muss, verärgert viele Fluggäste. Mit den Pfingstferien beginnt der Hochbetrieb an den Airports, wieder werden lange Schlangen vor den Kontrollstellen prognostiziert. Die großen Flughäfen raten zu einem Zeitpuffer, der die Dauer vieler innereuropäischer Flüge übersteigt: "Legen Sie auf die Zeit, die Ihre Fluggesellschaft empfiehlt, noch einmal die Hälfte drauf", heißt es auf der Webseite des Münchner Airports; der Frankfurter Flughafen empfiehlt, an verkehrsreichen Tagen zweieinhalb bis drei Stunden vor Abflug für Check-in und Kontrolle am Flughafen zu sein. Doch auch das reicht nicht immer aus: 3000 Passagiere verpassten im vergangenen Jahr am Samstag vor Weihnachten in Frankfurt ihren Flug, weil sie es selbst mit zwei Stunden Vorlauf nicht rechtzeitig ans Gate schafften.

Die Bundespolizei bräuchte größere Kontrollflächen, die Flughäfen wollen lieber Boutiquen

Die Sicherheitskontrollen an den deutschen Flughäfen sind ein Nadelöhr: Immer nur einer kommt durch. Hat er ein verbotenes Taschenmesser im Gepäck oder eine gefüllte Wasserflasche, klemmt das Kofferschloss oder haben sich die Schnürsenkel verknotet, geht es auch für die anderen Passagiere in der Warteschlange nicht weiter.

Abhilfe könnten Kontrollspuren schaffen, bei denen sich nicht wie bislang nur ein Passagier, sondern mehrere Reisende gleichzeitig auf die Kontrollen vorbereiten. An vielen Flughäfen außerhalb Deutschlands sind solche erweiterten Spuren bereits üblich.

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Die Verantwortung für die Kontrollen und die Entscheidung über die eingesetzte Technik liegt in Deutschland allerdings nicht bei den Airport-Betreibern, sondern bei der Bundespolizei. Sie schreibt die Rahmenbedingungen vor und beauftragt private Sicherheitsdienstleister.

Mancher Flughafenbetreiber würde die Kontrollen lieber selbst organisieren. Und ein Lufthansa-Sprecher bezeichnete kürzlich die deutschen Sicherheitskontrollen im internationalen Vergleich als zu langsam. Doch der Präsident der Bundespolizei, Dieter Romann, ist nicht bereit, den Schwarzen Peter in dieser Frage zu behalten. Seine Behörde sei bereit, modernere Technik einzusetzen. Dafür brauche man jedoch mehr Fläche - was mit dem Interesse der Flughäfen kollidiere, auf ihren Quadratmetern Geld mit Shops zu verdienen, sagte er in einem Interview.

Ohnehin seien es nicht die Sicherheitskontrollen allein, die Wartezeiten nach sich zögen, antwortete auch die Bundesregierung auf eine Anfrage der FDP: "Vermeidbare Verzögerungen entstehen zum Beispiel auch durch eine hohe Zahl mitgeführter und sehr eng gepackter Handgepäckstücke einschließlich elektronischer Geräte." Die Auswertung der Röntgenbilder dauert umso länger, je voller die Bordtrolleys sind. Und die Fluggäste stopfen immer mehr hinein, seit die Airlines ihre Kunden für Koffer, die am Check-in aufgegeben werden, extra bezahlen lassen.

Ist der gläserne Passagier die Zukunft?

Pilotversuche für effizientere Kontrollen gibt es indes - und die Ergebnisse machen durchaus Hoffnung: Am Münchner Flughafen können seit März im Terminal 2 auf zwei von 30 Kontrollspuren bis zu vier Passagiere gleichzeitig ihr Handgepäck aufs Förderband legen. Es gibt mehr Ablageflächen, die Plastikwannen sind größer und müssen nicht mehr von Hand eingesammelt werden. Laptops, Smartphones und Flüssigkeiten dürfen in der Tasche bleiben. Sie werden mit Hilfe von Computertomografen durchleuchtet. Auch die Sicherheits-Scanner für die Passagiere erkennen gefährliche Güter schneller, als es die herkömmliche Technik kann.

Der Test läuft bis Ende des Jahres. Erste Zahlen zeigen schon, dass es tatsächlich zügiger geht: Normalerweise durchlaufen pro Stunde im Schnitt 100 Passagiere die Kontrollen. In der Pilotanlage seien es 250, sagt eine Sprecherin der Regierung von Oberbayern. Der Test läuft unter Alltagsbedingungen: Die Kontrollbänder sind von morgens bis abends in Betrieb. Das Feedback der Passagiere auf die neue Technik sei sehr positiv.

Auch in anderen Flughäfen wird umgebaut: In Frankfurt entsteht ein Anbau für das Hauptterminal, in dem neue Kontrollspuren Platz finden sollen. In Hamburg werden sämtliche Stationen so umgestaltet, dass sie von mehreren Passagieren gleichzeitig genutzt werden können.

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Die Zukunft der Sicherheitskontrollen könnte allerdings auch ganz anders aussehen. Am Flughafen in Luxemburg erprobten Wissenschaftler unlängst ein System, das mit den gängigen Kontrollen nichts mehr zu tun hat. Sensoren im Flughafen erfassen und analysieren das Verhalten der Reisenden und gleichen es mit ihrem Buchungsprofil ab. Der so durchleuchtete Passagier wird einer Risikogruppe zugeordnet - von der Einschätzung hängt ab, wie die weitere Kontrolle verläuft. Es gehe, versprechen die Entwickler, nicht nur darum, Daten zu sammeln.

Die Kontrollen sollen generell schneller und komfortabler werden. Woran sich der von ihnen definierte "Risikostatus" eines Passagiers bemisst, dazu äußern sich die Forscher nur vage. Sie versichern aber, dass "Aspekte wie Hautfarbe oder religiöse Symbole außer Acht" gelassen würden. Der Preis für die Sicherheit ist dann womöglich: der transparente Passagier.

Was darf ins Handgepäck?

Die wichtigsten Vorschriften im Überblick:

Erlaubt sind Flüssigkeiten (dazu gehören auch Zahnpasta, Haargel oder Rasierschaum) nur in einem durchsichtigen Beutel von maximal einem Liter Fassungsvermögen und jeweils verpackt in Behälter, die maximal 100 Milliliter fassen. Medikamente und Spezial- oder Babynahrung, die auf dem Flug gebraucht werden, dürfen auch in größeren Behältern und ohne Plastikbeutel an Bord, ebenso Duty-Free-Artikel in versiegelter Tasche mit Kaufbeleg sowie ein Feuerzeug pro Person.

Verboten sind Messer und Scheren mit einer Klingenlänge von mehr als sechs Zentimetern. Auch kleinere Nagelscheren werden manchmal zurückgewiesen. Rasierklingen, Sportgeräte wie Golfschläger oder Skistöcke sowie Waffen (auch Spielzeugwaffen) sind ebenso untersagt wie Akkuschrauber oder Bohrmaschine.

Ausführliche Informationen gibt es als Download bei der Bundespolizei.

Noch aber stehen Passagiere weiter Schlange. Da helfen nur Geduld und das Beherzigen von Vielfliegertipps: Jacke, Uhr und Gürtel vor der Kontrolle ablegen, Hosentaschen leeren, Laptop und den Beutel mit Flüssigkeiten aufs Band legen, die Warteschlange wählen, in der viele Geschäftsreisende stehen - sie sind routiniert.

Und nicht mit dem Sicherheitspersonal darüber diskutieren, ob die zu große Wasserflasche wirklich weggeworfen werden muss, sondern lieber einen weiteren Vielfliegertipp beherzigen: Eine leere Flasche mit durch die Kontrolle nehmen und sie auf der anderen Seite am Hahn befüllen. Das spart nicht nur Zeit und Nerven. Dass man sich auch Witze über Bomben im Koffer spart, versteht sich eigentlich von selbst.

© SZ vom 23.05.2019/kaeb
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