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Nachhaltiger Urlaub:Nachhaltigkeit ist keine Preisfrage

Ökonomisch, ökologisch und kulturell gut - dazu würde beispielsweise zählen, das bei einem Flug angefallene CO₂ durch eine Extra-Zahlung an eine Klimaschutzorganisation wie Atmosfair zu kompensieren. Oder in Hotels abzusteigen, in denen die Angestellten faire Löhne erhalten. Das Angebot für solche Reisen ist da. Es gibt Dutzende Programme und Zertifikate, die - ähnlich wie bei den Bioprodukten im Supermarkt - als Qualitätssiegel auf nachhaltige Reisen hinweisen.

"Schlechtes Gewissen kann längerfristig doch zum Handeln motivieren"

Besonders effektvoll sind die Öko-Maßnahmen von Konzernen wie der Tui, weil sie Millionen Urlauber betreffen. Besonders konsequent sind die kleinen Anbieter, zum Beispiel die rund 100 Veranstalter, die sich im Forum Anders Reisen zusammengeschlossen haben. Zu ihren Grundsätzen zählen neben der Kompensation die gründliche Information des Gastes über die Kultur des Landes, Mindestaufenthaltsdauern bei Fernreisen, Begegnungen mit Einheimischen auf Augenhöhe in kleinen Reisegruppen und Zivilcourage am Urlaubsort zu zeigen, etwa bei sexueller Ausbeutung von Kindern.

Mangelnde Information über nachhaltige Reiseangebote mag ein Grund sein für die geringe Nachfrage. Höhere Kosten ein anderer. Wer sein Steak beim Bio-Metzger kauft, bezahlt auch mehr, isst dafür aber vielleicht weniger und bewusster. Entsprechend könnten Urlauber die Zahl ihrer Fernreisen reduzieren. Durch manch nachhaltige Entscheidungen können Urlauber sogar sparen, etwa in lokalen Unterkünften. So oder so ist Nachhaltigkeit in erster Linie keine Preisfrage, sie ist eine Frage der Einstellung. Ulf Sonntag von der FUR gewinnt dem paradoxen Verhalten der Urlauber zumindest ein Positives ab: "Latentes schlechtes Gewissen kann längerfristig doch zum Handeln motivieren."

Es gibt nun mal nur eine Welt. Und kaputt will sie im Tourismus niemand haben, kein Urlauber, kein Reiseveranstalter und kein Werbeplakatgestalter.

Dies ist der erste Teil der neuen SZ-Serie "Gute Reise - Wie wir Urlaub machen wollen". In den folgenden Wochen widmen wir uns ethischen Fragen des Reisens. Dürfen Touristen in Diktaturen fahren? Wer profitiert wirklich von günstigen Angeboten? Kann man da Urlaub machen, wo am Strand Flüchtlinge ankommen - oder sollte man sogar dorthin reisen?

© SZ vom 10.03.2016
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