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Tipps:Reiseziele für 2016

Wohin soll es in diesem Jahr in den Urlaub gehen - und warum ausgerechnet in dieses Land, in diese Stadt?

Aus der Reiseredaktion

11 Bilder

A woman makes her way between houses painted in traditional blue and white colours in Kasbah of the Udayas, a picturesque ancient part of Rabat

Quelle: Reuters

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Marokko

Wo kann man denn eigentlich noch hin, wenn man sich für islamische Kultur, für deren überwältigende Gastfreundschaft, für islamische Architektur und Kunst interessiert? Syrien liegt in Trümmern, Ägypten hat nur noch Bade-, aber keine Kulturtouristen mehr, zu groß sind die Ängste. Das hoffnungsvolle Tunesien wurde 2015 von Terroristen in Geiselhaft genommen, Libyen und Algerien sind No-go-Zonen.

In ganz Nordafrika gibt es zurzeit nur ein Land, das man normal bereisen kann: Marokko. König Mohammed VI. fährt hier einen klugen Kurs zwischen politischen Reformen und sozialen Verbesserungen. Der Regierungschef gehört dem gemäßigten politischen Islam an, Frauen wurden gesetzlich gleichberechtigt. Natürlich gibt es auch hier ein allgemeines Anschlagsrisiko, aber es ist wohl nicht höher als in Berlin oder London. Das Auswärtige Amt attestiert dem Land eine "gute touristische und sicherheitspolitische Infrastruktur".

Marokko bietet enorme landschaftliche Vielfalt. Von den Viertausendern des Hohen Atlas über die Sahara bis hin zu den Stränden von Agadir, an denen auch immer mehr Deutsche Badeurlaub machen. 20 Prozent mehr Übernachtungen deutscher Gäste gab es hier 2015 im Vergleich zu 2014. Nur am Strand zu liegen wäre in diesem Land allerdings eine Schande. Nicht nur im bekannten und viel besuchten Marrakesch, sondern auch in Meknès oder der alten Königsstadt Fes kann man eintauchen in den Orient: ein Gespinst aus Gassen, die nach Zünften geordnet sind - hier die Tischler, da die Metzger, dort die Pantoffelschuster. Im Gerberviertel schuften Männer wie vor Hunderten Jahren mit Tierhäuten über Steinbecken, die wie eine riesige Farbpalette aussehen. "Als wäre sie ein monströses Tier", schrieb der spanische Schriftsteller Rafael Chirbes, "steckt Fes die Zeit in einen Käfig und mästet sie, statt sich von ihr verschlingen zu lassen."

Hans Gasser

Im Bild: Eine Frau in den Altstadtgassen von Rabat

Sigiriya, Sri Lanka

Quelle: eranda - Fotolia

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Sri Lanka

Erholungsurlaub am Traumstrand, den Koffer voller Bücher? Vielleicht lieber Kultur und Geschichte, wandeln auf Pfaden alter Götter und Könige? Oder doch unberührte Natur, in der sich Elefanten, Leoparden und Wasserbüffel beobachten lassen?

Für alle, die sich nicht entscheiden wollen, ist Sri Lanka genau das richtige Reiseziel: Die Insel an der Südspitze Indiens bietet auf einer Fläche so groß wie Bayern so viel Abwechslung, dass Urlauber nach zwei Wochen nicht nur gut erholt, sondern so voll mit Erlebnissen nach Hause kommen, als wären sie zwei Monate unterwegs gewesen. Wer nun an Reisestress denkt, kann beruhigt sein: Das Lächeln der Sri Lanker ist sprichwörtlich, durch ihr Land zu fahren, hat mit Hektik so wenig zu tun wie eine entspannende Ayurveda-Kur.

An der Ostküste finden sich nahezu unberührte Strände, vorgelagerte Korallenriffe zählen zu den besten Schnorchelspots der Insel. Hier geht es noch recht verschlafen zu. Wer es lieber touristisch mag, ist mit Mirissa im Süden gut beraten: Hier reihen bei Sonnenuntergang Kneipen und Restaurants ihre Tische direkt am Strand auf, so dass man bei einem kühlen Lion Beer (das seit 1860 auf Sri Lanka gebraut wird) die Füße vom Barhocker direkt ins Meer baumeln lassen kann. Zudem ist der Yala-Nationalpark nicht weit. Hier stehen die Chancen auf eine Leopardenbeobachtung gut, denn hier leben etwa 30 der Tiere - eine der höchsten Leopardendichten weltweit.

Im sogenannten kulturellen Dreieck im Landesinneren warten dagegen alte Tempelanlagen und Paläste. Besonders beeindruckend ist die Kulisse von Sigiriya: ein Monolith, der 200 Meter hoch aus der Ebene aufragt und auf dem sich die Ruinen einer Festung aus dem fünften Jahrhundert befinden. Hat man nach mehr als 1200 Stufen den Aufstieg geschafft und überblickt den dichten Dschungel, fühlt man sich fast wie in der Kulisse von "Game of Thrones" - ein königlicher Urlaub.

Julia Bönisch

Im Bild: die Felsenfestung Sigiriya

Bodensee Radtour Fahrrad Rad Rundfahrt Tour

Quelle: Katja Schnitzler

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Deutschland

Manchmal scheint es, als sei Deutschland noch immer geteilt - zumindest wenn man sich mit Freunden und Bekannten über deren Reiseziele aus der Kindheit unterhält. Die einen fuhren mit den Eltern stets gen Norden und kennen sich bestens an den deutschen Meeren aus. Die anderen hingegen - besonders die aus südlichen Bundesländern - kannten nur eine Richtung: über die Alpen, ans Mittelmeer. Wer aber umzog, stellte mehr oder minder überrascht fest: Viele Orte und Regionen in Deutschland sind schöner und abwechslungsreicher als gedacht. Und das in einem Land, das momentan so viele Menschen gerne als neue, sichere Heimat hätten - höchste Zeit also, ein paar Ecken mehr in Deutschland kennenzulernen.

Zum Beispiel aus eigener Kraft mit dem Fahrrad oder noch bequemer mit dem E-Bike: Für die Einsteiger unter den Radreisenden eignet sich eine Fahrt am Bodensee, die beinahe überall mit Schiffen verkürzt werden kann (zwei Touren in Bildern finden Sie hier - am Untersee - und hier - von Konstanz bis Meersburg). Aber auch andere Regionen lernen Urlauber auf dem Fahrrad intensiver kennen, etwa auf dem Ostseeküsten- oder dem Rhein-Radweg (die schönsten Radfernwege Deutschlands finden Sie hier).

Wer sich nicht die beliebtesten Sehenswürdigkeiten in Deutschland mit Besuchern aus heimischen und weit entfernten Gefilden teilen will, kann bei der Planung Welterbe-Roulette spielen: Einfach eine der unbekannteren Unesco-Stätten in Deutschland auswählen und dort auch die Umgebung erkunden. Und Romantiker finden im Norden, Osten, Westen oder Süden sagenhafte Orte, deren Legenden unterhalten - oder erschauern lassen.

Katja Schnitzler

Im Bild: Stein am Rhein am Bodensee

-

Quelle: SZ

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Peloponnes

Griechenland und Krise - diese beiden Begriffe schienen für lange Zeit untrennbar miteinander verbunden. Und ließen fast vergessen, dass es im Land der Hellenen durchaus noch Dinge gibt, die zum Schwärmen Anlass bieten. Zum Beispiel Messenien, eine Landschaft im südwestlichen Zipfel des Peloponnes. Beste Reisezeit ist die Nebensaison: Im Frühjahr explodiert die Natur - Messenien gehört zu den grünsten und fruchtbarsten Gegenden Griechenlands. Im Herbst hat das Mittelmeer perfekte Badewannentemperatur erreicht, bis in den November hinein bestehen gute Chancen auf warme, sonnige Tage.

Mit dem Mietwagen lässt sich nach ein paar faulen Strandtagen die abwechslungsreiche Umgebung erkunden. Das Fischerstädtchen Koroni liegt ganz an der Spitze des Landarms. Über den weißgetünchten Häuschen thronen eine verfallene Burg und ein Kloster, in dessen Garten eine Nonne den Besuchern Mandarinen reicht.

Eine kleine Urwald-Wanderung führt zu den Polylimnio-Wasserfällen. Wer sich traut, springt von einer der Felsklippen ins türkisblaue, eiskalte Nass. Gemütlich schlürft sich der Nachmittags-Frappé auf dem Marktplatz von Pylos unter einem Baldachin aus Baumkronen und mit Blick auf die Meeresbucht. (Sie haben ein Déjà-vu? Dann kennen Sie vermutlich den Film "Before Midnight".)

Urlaubshöhepunkt ist ein Besuch des antiken Messenes. Besonders lohnt es sich im Abendlicht (oft als einziger Besucher) durch die Ausgrabungsstätte zu klettern, die Akustik des Amphitheaters zu testen und schließlich von den Rängen des riesigen Stadions aus den Blick über sanfte Hügel hinab bis aufs Meer schweifen zu lassen.

Anschließend wird dann in einer der kleinen Tavernen getafelt, die alle Tsatsiki, Oliven, griechischen Salat und regionale Köstlichkeiten servieren, aber nicht immer eine Speisekarte haben. In dem Örtchen Harakopio wird direkt in der Küche vom Topf weg bestellt.

Von Düsseldorf, Frankfurt und München aus gibt es Direktflüge nach Kalamata. Und keine Angst: Die Golfer-Schickeria, die mit Ihnen im Flugzeug sitzt, bleibt in ihrem Luxus-Ressort.

Sarah Schmidt

Im Bild: Sonnenuntergang mit Blick auf die Westküste Messeniens

General Views Of Washington DC Tourism -

Quelle: Bloomberg

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Washington D.C.

Die Enttäuschung äußert sich in vielen Sprachen. "Oh, das Weiße Haus ist viel kleiner als im Fernsehen", rufen sie vor Barack Obamas Amtssitz. Also schnell ein Selfie gemacht und weiter zur National Mall. Die Prachtstraße führt von der weißen Kuppel des Kapitols zum prächtigen Lincoln-Memorial: Auf den Stufen sprach Martin Luther King die Worte "I have a dream" und in der Marmor-Halle thront Kevin Spacey auf dem Plakat zu House of Cards.

Wenn die Amerikaner 2016 einen neuen Präsidenten wählen, dann steht die US-Hauptstadt noch stärker im Mittelpunkt als sonst - eine idealer Zeitpunkt, um die Metropole der Macht zu besuchen.

Denn in Washington gibt es mehr als Politik, Intrigen und Anzugträger. Die US-Hauptstadt ist grün, jung und überschaubar: Der District of Columbia gleicht auf der Karte einer Raute und für Besucher interessant ist der Nordwest-Teil. Mit den roten Capital Bikeshare-Leihrädern ist man in 15 Minuten von der Mall mit den elf kostenlosen Smithsonian-Museen (Kinder lieben das Air & Space) an der U Street. Am "Black Broadway" wuchs Duke Ellington auf und dort befindet sich mit Ben's Chili Bowl der bekannteste Imbiss der Stadt. Die Zeiten der "Chocolate City" sind jedoch vorbei: Seit 2012 ist die Mehrheit der 650 000 Einwohner nicht mehr schwarz.

Seit immer mehr Hipster in die Stadt ziehen, explodiert die Gastro-Szene. Viele Food-Trucks stehen am McPherson Square, und tolle Lokale gibt es in der 14. Street, im neuen In-Viertel Shaw und am Dupont Circle. Das Rasika gilt als bestes indisches Restaurant der USA. Guten Kaffee gibt es bei Compass Coffee oder in Adams Morgan bei Pleasant Pops - unbedingt das Steckerleis probieren. Ideal für einen Absacker ist die Dachterrasse des Marvin und tolle Bourbon-Drinks gibt's im Southern Efficiency.

Nicht vergessen: Ein Besuch in der Library of Congress und eine Führung durch das Kapitol (Reservierung hier). Zwischen dem 4. Juli und Labor Day Anfang September trifft man jedoch keine Abgeordneten, weil es dann unerträglich schwül ist. Allein sind die Touristen jedoch nie: Jogger drehen in DC bei jedem Wetter und zu jeder Uhrzeit ihre Runden. Aber wer House of Cards gesehen hat, weiß das bereits.

Matthias Kolb

Im Bild: Gedenken an Martin Luther King an der National Mall

Maledives South Male Atoll Embudu island PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxHUNxONLY AMF001424

Quelle: imago/Westend61

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Malediven

Einsame Palmeninseln, mehlweiße Strände, türkisfarbenes Meer - die Malediven sind der Inbegriff eines Traumziels für Urlauber. Aber der islamische Inselstaat im Indischen Ozean steht auch für Ferien in der Scheinblase - weit weg von der Realität der Einheimischen, die von einem autoritären und klerikalen Regime bestimmt wird. Ihr Verständnis von Offenheit demonstrierten die maledivischen Machthaber zuletzt Mitte Dezember, als sie einen ARD-Korrespondenten verhaften und ausweisen ließen. Der Reporter hatte über die Folgen des Klimawandels und religiösen Extremismus recherchiert. Die aktuelle politische Entwicklung sollte man also beobachten, wenn man sich 2016 für eine neue Urlaubsmöglichkeit auf den Malediven entscheidet: den Kontakt zu den Maledivern.

Bislang begegneten Einheimische den Touristen meist nur als Kofferträger oder Zimmermädchen, als Angestellte der internationalen Hotelresorts, die jeweils eigene Inselchen belegen. Von rund 1200 Inseln, die sich von Nord nach Süd auf über 800 Kilometer verteilen, sind etwa 220 von Einheimischen bewohnt und 90 von Hotels besetzt. In diesen luxuriösen Enklaven zahlen die Gäste viel Geld, um sich unbehelligt am Strand zu sonnen und die reiche, aber bedrohte Unterwasserwelt mit Schnorchel und Sauerstoffflasche zu erkunden. Die Bevölkerung indes ist bettelarm, immer mehr Frauen zeigen sich nur noch verschleiert, und Alkohol ist den Maledivern streng verboten.

Urlauber, die einen Einblick in den Alltag der Menschen haben wollten, mussten früher Tagesausflüge auf handverlesene Vorzeige-Inseln unternehmen. Seit kurzem können sie auch direkt neben den Einheimischen wohnen, und zwar in preisgünstigen Gästehäusern und kleinen Hotels, die von Maledivern betrieben werden. Möglich ist das beispielsweise auf den Inseln Huraa, Thulusdhoo, Fulidhoo und Maafushi. Die Einheimischen-Inseln stehen ab diesem Winter sogar im Neckermann-Katalog. Individualreisende fliegen auf die Hauptinsel Malé und setzen statt mit den Speed-Booten der Hotels mit der staatlichen Fähre für gut einen Euro über. Das Meer ist auch auf diesen erschwinglichen Inseln schön, der Muezzin übertönt teils noch die Brandung - es könnte nur schwierig werden, eine Strandbar zu finden, die einen Cocktail zum Sonnenuntergang serviert.

Auf Maafushi gibt es auch ein Gefängnis zu sehen. In diesem sitzt der ehemalige Staatspräsident der Malediven, Mohamed Nasheed. Er hatte die Öffnung der Einheimischen-Inseln veranlasst - und wurde von den religiösen Hardlinern entmachtet. Maafushi war sein Pilotprojekt.

Jochen Temsch

Im Bild: Die Insel Embudu wird nur von Hotelgästen und Angestellten bewohnt.

Serbia Belgrade New Belgrade View from Belgrade Fortress River delta of Sava and Danube river PU

Quelle: imago/Westend61

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Belgrad

Zugegeben, es hat seinen Grund, warum zu Weihnachten nie opulente Belgrad-Bildbände unterm Baum liegen. Die Geschichte hat hier über die Jahrtausende so oft gewütet, dass in der "Weißen Stadt" kaum etwas zusammenpasst. Wer wirklich schöne Städte sehen will, fährt rasch weiter nach Dubrovnik & Co. Andererseits: Wenn schon alles egal scheint, passiert auch viel. Belgrads Stadtbild wird umgekrempelt, teils gnadenlos - wer 2016 eine Großstadt als Experimentierfeld erkunden möchte, ist hier richtig.

So manch frischer Hotspot ist eher versteckt. Wo zum Beispiel der Schlenker um die letzte Ecke gerade noch wie eine Schnapsidee scheint, tut sich ein Hipsterhimmel auf: In der recht rauen Gegend Donji Dorćol finden sich neuerdings alternative Lokale wie die tolle Kaffeebar Pržionica. Die Vision der Macht- und Geldelite dagegen springt direkt ins Auge. Auf Plakaten wird für das Megaviertel "Belgrade Waterfront" geworben; die Bilder sehen mehr nach Dubai aus als nach Balkan. Gefragt, ob sie es haben wollen, wurden die Belgrader nicht. Dabei hat manch einer eine Tirade gegen das "Ufo" auf Lager, das da in ihrer Mitte landen soll. Bürgerproteste reißen nicht ab - der Streit um die Flächen im Zentrum ist schließlich einer um die künftige Identität der Stadt.

Wer jetzt noch das alte, das jugoslawische Belgrad sehen möchte, kann Türkischen Mokka im Plüsch des Hotels Moskva trinken. Oder auf dem riesigen Bauernmarkt Pijaca Kalenić Obst und Gemüse in unglaubliche Mengen Plastiktüten packen lassen (der Versuch, eine mitgebrachte Tasche zu füllen, wird ungerührt abgeschmettert). Klassisches Sightseeing? Die Festung Kalemegdan und der Dom des Heiligen Sava, eine der größten orthodoxen Kirchen der Welt, warten. Ein Sonnentag lässt sich perfekt verbringen mit einem späten Frühstück auf der Terrasse des Smokvica, dann mit dem Leihrad von der Sportanlage Milan Gale Muškatirović die künftige Waterfront der Sava entlang bis zum Ausflugssee Ada Ciganlija und zurück. Abends in einem Restaurant der umgewandelten Lagerhallen "Beton hala" essen und neue Energie sammeln. Denn nicht weit entfernt liegen international bekannte Club-Boote wie das 20/44 vor Anker - seit Jahren Inbegriff des hiesigen Nachtlebens. Manches ändert sich eben auch in Belgrad nicht so schnell.

Irene Helmes

Im Bild: Blick von der Belgrader Festung

150325 BOTSWANA Two rhinoceros are seen in the Chobe National Park northern Botswana March

Quelle: imago/Xinhua

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Botswana

Das Okawango-Delta in Botswana hat natürlich auch seinen Reiz, wenn man nur Elefanten sehen möchte, Giraffen, Büffel und Nilpferde. Das weite Land, grün und fruchtbar und zu bestimmten Zeiten im Jahr von Wasseradern durchzogen, ist ein Klassiker für Afrika-Liebhaber. Die Geschichte mit den Nashörnern aber ist nochmal etwas Besonderes, und die Hartnäckigkeit, mit der man sich in Botswana um die gefährdeten Tiere sorgt, sollte belohnt werden.

In den vergangenen Jahren ist Botswana quasi zum Zufluchtsland für Nashörner aus Südafrika geworden. Dort, vor allem im Krüger Nationalpark, schlachten Wilderer die Tiere zu Tausenden ab. Obwohl Südafrika sogar das Militär in den Kampf gegen die Wilderer schickt, wird man dem Problem nicht Herr. 1215 tote Tiere hat der WWF allein im Jahr 2014 gezählt. Die Abnehmer des pulverisierten Horns: Vietnamesen und Chinesen. Für hundert Gramm Nasenhorn, so der WWF, werden in Vietnam Preise von bis zu 2000 Euro bezahlt.

In Botswana gibt es bislang weniger Wilderei. Der Schutz scheint effektiver zu sein, die Regierung in Botswana hat schon vor Jahren erkannt, dass es sich rechnet, viel Geld in den Kampf gegen Wilderer zu investieren. Man kann die Einnahmen aus dem Tourismus ja gegenrechnen. Aber auch große private Safari-Anbieter engagieren sich in Botswana. Wilderness Safaris beispielsweise finanziert ein Umsiedlungs-Projekt. Auch die Initiative "Rhinos without Borders", gegründet von dem Dokumentarfilmer-Ehepaar Dereck und Beverly Joubert, will in den nächsten Jahren 100 Nashörner aus Südafrika einfliegen lassen. Pro Transport rechnet man mit 35 000 Euro, eine Menge Geld. Dereck Joubert ist der Great Plains Conservation verbunden, einem Unternehmen, das umweltfreundlichen Tourismus propagiert. Das Geld für die ersten umgesiedelten Nashörner ist über Crowdfunding zusammen gekommen. Nachwuchs gibt es auch bereits. Wilderness-Safaris hat im Dezember vergangenen Jahres die Sichtung eines Spitzmaulnashorn-Kalbs zum Anlass für eine Pressemitteilung genommen. Die Geburt bezeichnet Conservation-Manager Kai Collins darin als "Meilenstein und Indikator dafür, dass wir auf dem richtigen Weg sind".

Monika Maier-Albang

Im Bild: Schlammbadender Elefant im Botswana Chobe Nationalpark

VIN-VITICULTURE-BEAUJOLAIS

Quelle: AFP

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Rhône

Ein einziger Tag kann alles kaputt machen. Ein Unwetter genügt, um einen Schaden in den Weinbergen zu hinterlassen, den man schmeckt. Insofern bleiben Winzer stets skeptisch. Um einen guten, einen hervorragenden Wein zu keltern, müssen viele Dinge zusammenkommen. Aber die Vorfreude auf diesen Jahrgang 2015, sie war im vergangenen Sommer trotzdem schon groß an der Rhône, lange bevor die Trauben auch nur annähernd reif waren. Sie würden viel Wärme abbekommen, würden üppig Süße und Geschmack ausbilden. Das verhieß jeder neue der vielen wolkenlosen, hitzigen Tage im Süden Frankreichs rund um Avignon und Orange.

Die Weine der Côtes du Rhône werden ohnehin besser seit einigen Jahren, die Qualitätskrise der Jahrtausendwende ist bewältigt. Und nun also dieser sowohl für die Touristen wie für die Winzer sensationelle Sommer - der eben nicht nur bei den Weinbauern eine Vorfreude ausgelöst hat, sondern auch bei weinliebenden Reisenden. Auf die Sonne ist stets Verlass in der Provence und im Languedoc, auch in Sommern ohne Rekordtemperaturen, dazu die Landschaft, die Gastronomie, die zahlreichen Festivals . . . mit einer Reise an die Rhône macht man sich immer eine Freude. Im kommenden Sommer aber werden dann auch die ersten Weine des 2015er-Jahrgangs abgefüllt sein, man bekommt sie in den Restaurants serviert, in den Weinhandlungen, bei Degustationen. Kann damit seinen Urlaub verschönern und sich den Kofferraum vollladen, um auch bestimmt gut über den nächsten Winter zu kommen, sich vielleicht sogar für einen guten Preis einen kleinen Bestand anschaffen von Weinen, die noch lagern müssen, so dass diese Ferien von 2016 noch lange nachschmecken. Und dass Marion Maréchal-Le Pen vom Front National die Regionalwahlen nun doch nicht gewinnen konnte, darauf sollte man schon jetzt eine Flasche öffnen.

Stefan Fischer

Im Bild: Wegweiser im französischen Weinbaugebiet Juliénas

No problem: Mit dem Geländewagen durch den wilden Oman

Quelle: Annette Reuther, dpa-tmn

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Oman

Wer gern Land und Leute kennenlernt, kann in Oman beides finden. Das Land: weite, unberührte Bergwelten, beispielsweise am Jebel Akhdar, der gerade hoteltechnisch erschlossen wird. Wüste gibt es, Wadis und viele Kamele, die einst den Weihrauch vom Süden aus in den Norden der Arabischen Halbinsel brachten. Heute ist ihr Leben entspannter: Sie dienen als Milchlieferanten. Und wenn sie gute Läufer sind und Rennen gewinnen, geht ihr Preis in die Hundertausende.

Mit den Leuten ist es etwas komplizierter. Echten Omanis begegnen Reisende selten, man sieht sie vorüberhuschen im großen Auto auf der vierspurigen Straße. Das Sultanat lebt von Gastarbeitern, die Kindermädchen kommen von den Philippinen, die Plantagenarbeiter aus Indien oder Bangladesh, die Ingenieure aus Irak, die Reiseleiter aus Ägypten, das Hotelpersonal aus Afrika. Ein Mix, der vielfältige Begegnungen ermöglicht - und das mit gutem Gewissen. Denn die Gastarbeiter haben Rechte im Sultanat. Im Sommer dürfen sie zu ihrem Schutz in der Mittagshitze draußen nicht arbeiten, es gibt Urlaubsanspruch und von menschenverachtender Ausbeutung wie in Katar ist in Oman zumindest nichts bekannt.

Aufdringliches Anquatschen, Feilbieten von Waren - undenkbar in diesem Land, wo überhaupt alles extrem sauber und geordnet zu sein scheint. Oman hat sich ja noch nicht lange für den Tourismus geöffnet, was es als Reiseziel umso spannender macht. Das Sultanat gilt als sicher, soweit man das heute von irgendeinem Land in der Region sagen kann, es hat schöne Strände. Nur: Günstig ist es nicht. Das Preisniveau ist das der Golfstaaten. Westliche Urlauber, die außerhalb der Hotelanlagen zwar nicht in Shorts rumlaufen sollten, aber auch nicht zu größeren Verhüllungen angehalten werden, sind dezidiert erwünscht. "His Majesty", wie die Omanis ihren verehrten Sultan Qabus nennen, hat seinem Volk im Hinblick auf die Nach-Öl-Ära den Tourismus schließlich verordnet.

Monika Maier-Albang

Im Bild: Düne in der Wüste Rimal Al Wahib

Tourism, Retail And Local Economy As Iran Seeks To Upgrade Sectors Of Its Economy Damaged By Sanctions

Quelle: Bloomberg

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Iran

Nur am Meer bleibt fürs Erste alles, wie es ist. Ein Familien-Strandurlaub in Iran ist immer noch eine ungewöhnliche Sache, obwohl es sowohl im Norden am Kaspischen Meer wie auch im Süden am Persischen Golf viel Sonne, fabelhafte Strände und ein wunderbares Wasser gibt. Die Sitten sind im Land der Ayatollahs zwar lockerer geworden. Aber dass Frauen und Männer gemeinsam nur in Badesachen nebeneinander liegen und schwimmen, ist nur an den Privatsandstränden des betuchten Bürgertums möglich, in der Öffentlichkeit nicht.

Aber ansonsten nutzt das Land gerade viel von seiner beeindruckenden Attraktivität, die über viele Jahre in der westlichen Öffentlichkeit eher verborgen blieb. Schon seit ein paar Jahren gilt Iran als Geheimtipp für Fernreisende, Anbieter vermelden Interessentenzahlen, denen sie kaum nachkommen können. Die Strategen des Landes haben den Tourismus entdeckt und gezielt gefördert.

Nach der islamischen Revolution 1979 reichte es ihnen, stolz zu sein auf die Kostbarkeiten ihres Landes: auf die vielfältigen Überbleibsel der Jahrtausende alten Geschichte, wie die berühmten Ruinen von Persepolis im Süden oder die Stadt Isfahan mit ihrem prachtvollen Meydan-e-Imam; auf neuere Entdeckungen wie die größte weltweite Wasserhöhle nahe Hamadan; oder auch auf ihre reizvolle Landschaft mit ihren Wüsten und Wäldern und dem Skigebiet im Norden. Aber das Land macht gerade ökonomisch schwierige Zeiten durch, da kann der Tourismus weiterhelfen. An mancher Stelle investiert das Land nun in die Infrastruktur, und manche Restriktion entfällt. Nur am Meer noch nicht.

Johannes Aumüller

Reisehinweise des Auswärtigen Amtes zu Iran finden Sie hier.

Im Bild: Touristen in Isfahan

© SZ.de/ihe/kaeb/sks
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