Vergleich der Verkehrsmittel Bus gegen Auto gegen Bahn gegen Flugzeug

Eine fernöstliche Weisheit sagt, der Weg ist das Ziel. Heute ist das Ziel das Ziel, und es gehört zu den Eigenheiten des deutschen Urlaubers, beim Erreichen desselben über öffentliche Verkehrsmittel zu schimpfen.

(Foto: )

Reisende haben die Wahl zwischen schnell und teuer oder langsam und günstig. Und was ist eigentlich mit der Umwelt? Ein Praxis-Check.

Von Jochen Temsch

Die Bahn will sich für die Zukunft rüsten, effizienter werden und sich ihren Kunden nähern. Dabei redet Bahn-Chef Rüdiger Grube vor allem von Zahlen: weniger Vorstände, mehr Städteverbindungen, zu hohe Stromsteuern und Trassengebühren. Dinge, die dem Sommerurlauber herzlich egal sind. Der fragt sich eher, wie er am besten von A nach B kommt, und vergleicht die Bahn mit Fernbus, Flugzeug und Auto. Dabei zählen für ihn ganz andere Aspekte.

Die Umwelt

Zugegeben: Irgendetwas ist immer wichtiger. Die Fahrtkosten sind wichtiger. Die Fahrtzeit ist wichtiger. Der Stromstöpsel für den Laptop ist wichtiger. Und erst, wenn das alles geklärt ist, verschwendet man eben noch schnell einen Gedanken an die Natur. Mehr als die Hälfte der deutschen Touristen legt laut der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen (FUR) Wert auf nachhaltigen Urlaub und sieht ein, dass jeder selbst dafür verantwortlich ist. Aber wenn es daran geht, konkret etwas für die Umwelt zu tun, lässt die Motivation schnell nach. Stattdessen steigt die Zahl der Kurzurlaube und Städtereisen, also auch der Schadstoff-Ausstoß.

Das Auto ist laut Deutschem Reiseverband (DRV) das mit Abstand beliebteste Verkehrsmittel der Urlauber, gefolgt vom schädlichsten, dem Flugzeug, und - weit abgeschlagen und fast gleichauf - Bus und Bahn. Jeder Mensch dürfte jährlich nur 2,3 Tonnen CO₂ ausstoßen, wenn die Erderwärmung bis zum Jahr 2050 nicht mehr als zwei Grad betragen soll, hat die Klimaschutzorganisation Atmosfair errechnet. Würde man mit diesem Schadstoff-Budget lediglich reisen - und müsste nicht etwa auch kochen, heizen oder fernsehen -, käme man mit dem Flugzeug nur einmal über den Atlantik. Mit dem Bus könnte man dreimal von Alaska nach Feuerland fahren, mit der Bahn fünfmal von Berlin nach Wladiwostok. Auch wenn es vielleicht jeden überraschen mag, der an der Ampel hinter einem Reisebus steht und dessen Abgase einatmet: Busse sind die umweltfreundlichsten Verkehrsmittel, gemessen am CO₂-Ausstoß pro Fahrgast und 100 Kilometer. Auch wenn ein Zug keine Abgaswolke hinter sich herzieht, so wird doch auch er nicht mit Sonnenblumen betrieben. Das Auto macht nach dem Flugzeug am meisten Dreck.

Atemlos durch die Nacht

Warum selbst Bushasser auf den Fernbus umsteigen und wie es sich im neuen Ein-Euro-Bus von München nach Berlin fährt: ein Selbstversuch. Von Ruth Schneeberger (Text) und Yi Luo (Bild) mehr ... Reportage

Die Zeit

Anno 1786, dem Jahr, in dem Goethe in einer Kutsche nach Italien rumpelte, war das Gros der Reisenden vielleicht noch der Meinung: Der Weg ist das Ziel. Heute ist das Ziel das Ziel, und es gehört zu den Eigenheiten des deutschen Urlaubers, beim Erreichen desselben über öffentliche Verkehrsmittel zu schimpfen.

Der Billigflieger

Ben Schlappig reist mit Bonusmeilen um die Welt. Der 25-Jährige lebt davon, Vielflieger-Programme der Airlines auszunutzen. Gespräch über ein Schnäppchenjäger-Leben über den Wolken. Von Sarah K. Schmidt mehr ... Interview

Während dauerhaft auf Rot geschaltete Ampeln, Baustellen und Staus beim Autofahren als naturgegeben hingenommen werden, empfinden es viele Bahnreisenden schon als Zumutung, wenn sie eine Viertelstunde länger auf den Eurocity warten müssen. Wer jemals versucht hat, in Delhi ein Zugticket zu kaufen oder die USA per Amtrak zu erkunden, weiß, wie luxuriös die Sorgen deutscher Bahnfahrer sind. In Wahrheit ist die Bahn viel pünktlicher und zuverlässiger als ihr Ruf - und viel schneller als die Fernbusse. Von München nach Hamburg braucht die Bahn nur sechs Stunden. Im Fernbus sitzt man mindestens elf Stunden. Ein Flug dauert nur gut eine gute Stunde. Mit der Fahrt zum Flughafen, der Warterei und der Fahrt in die Stadt werden daraus schnell vier Stunden. Die Bahn bringt einen dagegen immer direkt ins Zentrum.

Der Fahrpreis

Für 19 Euro durch ganz Deutschland, für 39 Euro durch Europa - das sind die Sparpreise, mit denen die Bahn wirbt. Es soll tatsächlich auch Urlauber geben, die schon einmal eines dieser Tickets ergattern konnten. Nur schade, dass man selbst nie zu den Glücklichen gehört. Klickt man auf der Deutsche-Bahn-Website auf den "Sparpreisfinder", ist das Ergebnis mager. Sparen kann höchstens, wer sich bereits Wochen im Voraus auf den Reisetermin festlegt. Wer an diesem Samstag, 1. August, spontan mit dem Zug von München nach Hamburg fahren will, zahlt ab 111 Euro aufwärts. Der günstigste Fernbus kostet neun Euro. Einfach nach Paris geht es per Bahn ab 109 Euro, per Fernbus ab 42 Euro.

Der Service

Ein Mitarbeiter begrüßt jeden Fahrgast persönlich und verstaut das Gepäck. Ein anderer scannt das Ticket, schon ist man an Bord. Der Wagenboden ist mit edel aussehendem Holzimitat ausgelegt, die Sitze sind bequem wie Sessel, die Reservierung ist im Fahrpreis inbegriffen. Das Wlan ist kostenlos und schnell. Willkommen bei der Bahn! Bei der Bahn? Ja, in einem ihrer IC-Busse, die zwischen Zürich und München verkehren, günstiger und eine halbe Stunde schneller als die Züge. Ein komfortabler, freundlicher Service - einer, der in Fernbussen üblich ist und die Defizite in den Zügen umso deutlicher macht: kostenpflichtige Reservierungen, ausfallende Klimaanlagen und nebulöse Ansprachen im Stil von "Aufgrund von Störungen des Betriebsablaufs kommt es zu Störungen des Betriebsablaufs", für die es inzwischen schon eigene Fanseiten im Internet gibt.

Schau mir in die Augen, Fremder

Eng, enger, Economy-Class. Fluggesellschaften probieren vieles aus, um mehr Reisende in der Kabine unterzubringen. Ein Konzept lässt den Passagier in der Mitte rückwärts fliegen. Von Eva Dignös mehr ...