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Visionen zur Zukunft der EU:Zurück zu nationalen Währungen

Welche Idee steckt dahinter? Die Ansicht, wonach die Währungsunion die Ursache der europäischen Misere ist. Demnach ruiniert die Euro-Rettung Wirtschaft und Demokratie in den Defizitländern, erzeugt Misstrauen und Verachtung unter den europäischen Völkern. Die gemeinsame Währung müsste in einem einzigen Akt durch nationale Währungen ersetzt werden. Diese wiederum wären durch feste Wechselkurse aneinander und an eine gemeinsame Referenzwährung gebunden. Es wäre somit eine gemeinsame und geordnete Rückkehr zu dem früheren Europäischen Währungssystem.

Wer hat es vorgeschlagen? Fritz Scharpf, emeritierter Direktor am Kölner Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung, den das demokratische Dilemma der Euro-Rettungspolitik umtreibt.

Wie nötig ist es? Scharpf findet: Wem Europa am Herzen liegt, der muss den Abschied vom Euro befürworten. Seine Diagnose, wonach fatale Konstruktionsfehler schuld an der Euro-Krise sind, teilt er mit dem Niederländer Geert Mak, der dies in seinem Buch "Was, wenn Europa scheitert?" darlegt.

Wem nutzt es? Fraglich. Aus Scharpfs Sicht würde es den Krisenländern nutzen. Es besteht aber auch die Gefahr, dass ein System aus aneinander gekoppelten nationalen Währungen recht schnell zusammenbrechen würde - wegen Spekulationen in nicht regulierten Finanzmärkten.

Wie stehen die Chancen? Gering. Ein Rückzug aus dem Euro wäre juristisch gesehen nur möglich, wenn die Länder aus der EU austreten. Oder aber ein Land verabschiedet ein Gesetz, wonach die Gehälter seiner Staatsbediensteten, soziale Leistungen und auch Zinsen für Staatsschulden künftig in einer neuen Währung gezahlt werden. Auch sehr unwahrscheinlich.

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