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Umfrage:Wähler bedauern Scheitern der Sondierungen

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Deutschland wartet weiter auf eine neue Regierung.

(Foto: dpa)

Das zeigen erste Umfragen nach dem Ende der Jamaika-Gespräche. Für die Befragten ist zudem klar, wer schuld ist. Ein Überblick in Grafiken.

Was denken die Deutschen über die gescheiterten Jamaika-Sondierungen? Umfragen vom Montag zeichnen ein eindeutiges Bild: Die Befragten von Infratest Dimap für die ARD bedauern das Scheitern mehrheitlich.

Unsicherheit bei Umfragen

Umfragen sind nur ein Schnappschuss der Gegenwart, die Ergebnisse immer unsicher. Weil es unmöglich ist, aus den Antworten von etwas mehr als 1000 Personen auf die exakte Stimmung aller 60 Millionen Wahlberechtigten zu schließen.

Dabei gibt es keine Unterschiede zwischen den Anhängern der FDP und denen der Grünen und der Union: Bei allen verhandelnden Parteien bedauern etwa zwei Drittel den Ausgang. Immerhin ein Drittel aber ist zufrieden damit, dass es keine Jamaika-Koalition geben wird.

Bei Anhängern der AfD dagegen ist die Haltung spiegelbildlich. Sie begrüßen das Scheitern der Sondierungsgespräche und halten es damit so wie das politische Spitzenpersonal der Partei. Bei Neuwahlen erhofft sich die AfD noch mehr Stimmen als die 12,6 Prozent bei den Wahlen im September.

Anhänger der SPD und der Linken sind unentschieden, was die gescheiterte Jamaika-Koalition betriftt.

Wie soll es weiter gehen?

Nur Stunden nach Lindners Absage an eine Jamaika-Koalition hat die SPD bekannt gegeben, auch weiterhin nicht für eine erneute große Koalition zur Verfügung zu stehen. Bleibt es dabei, gibt es zwei mögliche Szenarien: Neuwahlen oder eine Minderheitsregierung.

Die Sympathien für diese Optionen sind unter den von Infratest Dimap Befragten klar verteilt: Mehr als 60 Prozent wollen noch einmal wählen, wohl in der Hoffnung auf ein klareres Ergebnis. Nur jeder dritte Befragte hätte lieber eine Minderheitsregierung, bei der sich für jedes Projekt eine neue Mehrheit im Parlament finden müsste.

Trotz eines klaren Ja für Neuwahlen wurden die Anhänger einer Minderheitsregierung in den letzten beiden Wochen deutlich mehr: Ihr Anteil ist um fast zehn Prozentpunkte gestiegen, der Anteil der Anhänger von Neuwahlen ist um etwa den gleichen Wert gesunken.

Wer ist schuld?

Die Befragten sind sich weitgehend einig: Schuld am Scheitern der Sondierungen hat die FDP - und das mit großem Vorsprung vor der CSU und den Grünen.

Unter der Parteianhängern ergibt sich ein anderes, jedoch erwartbares Muster: Anhänger der Union und der Grünen geben vor allem der FDP die Schuld, FDP-Anhänger den Grünen.

Die Schuldfrage ist auch eine Personenfrage. Die FDP hatte wie keine andere Partei ihren Wahlkampf auf einen einzigen Politiker, ihren Parteivorsitzenden Christian Lindner, ausgerichtet. Das Ende von Jamaika wirkt sich deshalb auch drastisch auf die Beliebtheitswerte Lindners aus. Innerhalb von zwei Wochen ist der Anteil derjenigen, die mit seiner Arbeit zufrieden sind, um 13 Prozentpunkte gefallen. Zumindest im Moment liegt er damit wieder auf dem Niveau, auf dem er im Frühjahr in den Wahlkampf gestartet ist.

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