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Krieg in Jemen:Sechs Jahre Tod und Zerstörung

´Crown Prince Camel Festival" in Saudi-Arabien

Der Mord am Publizisten Kashoggi und der Krieg in Jemen haben den saudischen Kronprinzen bin Salman seine Reputation gekostet.

(Foto: -/dpa)

Kronprinz Mohammed bin Salman wollte 2015 einen schnellen Erfolg in Jemen, doch der verheerende Krieg läuft noch immer. Saudi-Arabien will ihn beenden, aber das ist kompliziert.

Von Moritz Baumstieger

Als Saudi-Arabiens neuer Verteidigungsminister nach zwei Monaten im Amt den Befehl zum Angriff gab, war er überzeugt, in wenigen Wochen einen glänzenden Sieg zu erringen. Die am 26. März 2015 beginnende Intervention seiner hochgerüsteten Armee im benachbarten Jemen, so war sich Mohammed bin Salman sicher, würde die schiitischen Huthi-Rebellen schnell in die Schranken weisen und seine eigene Karriere weiter befördern. Der Name, den er der Operation gab, war zumindest recht vollmundig: Seine Kampfjets hoben unter der Parole "Decisive Storm" ab, entscheidender Sturm.

Statt weniger Wochen dauert der Krieg nun schon sechs Jahre - und selbst in Riad ist man mittlerweile zur Erkenntnis gelangt, dass die Schlacht nicht mehr zu gewinnen ist. Mohammed bin Salman, der trotz der Fehlkalkulation 2017 zum Kronprinzen aufstieg, sieht sich nun zu Kompromissen gezwungen. Er beauftragte den Außenminister, den Huthi-Rebellen ein Angebot zu machen: "Wir wollen, dass alle Waffen vollkommen schweigen", sagte deshalb Prinz Faisal bin Farhan am Montag. Während einer Waffenruhe sollen Gespräche eine politische Lösung bringen, als Zeichen des guten Willens bot Saudi-Arabien an, seine Blockade des Flughafens Sanaa aufzuheben und wieder Importe über den wichtigen Hafen Hodeida am Roten Meer zuzulassen. "Ich rufe Jemens Regierung und die Huthis auf, die Initiative zu akzeptieren", sagt der Außenminister.

Alle zehn Minuten stirbt ein Kind

Der Krieg im Nachbarland hat Mohammed bin Salman nicht nur Dutzende Milliarden Dollar für Kriegsgerät gekostet - sondern zusammen mit dem Mord am Publizisten Kashoggi auch seine Reputation. Selbst wenn das Königreich schließlich versuchte, die Not im Nachbarland mit Hilfsprogrammen abzufedern, ist die Bilanz des Krieges verheerend: 250 000 Jemeniten starben an Kriegsfolgen, vier der 28,5 Millionen Einwohner wurden vertrieben. Vier von fünf sind auf Hilfe angewiesen, Millionen hungern.

Nach Angaben von Hilfsorganisationen stirbt im Land immer noch alle zehn Minuten ein Kind unter fünf Jahren an Unterernährung und vermeidbaren Krankheiten, zu ihnen zählt die im Land grassierende Cholera. Die Seuche wäre mit den richtigen Medikamenten eigentlich leicht zu behandeln, doch die gelangen wegen der saudischen Blockade ebenso wenig in das Land wie viele Hilfslieferungen. Die UN nannten die Lage in Jemen deshalb schon 2017 die "größte humanitäre Katastrophe der Gegenwart" - seither ist die Lage eher schlechter geworden.

Der neue US-Präsident Joe Biden entzog dem Verbündeten Saudi-Arabien deshalb die Unterstützung für den Krieg, den das US-Militär anfangs logistisch befördert hatte. Sein Land werde "alle relevanten Waffenverkäufe" an Saudi-Arabien beenden, kündigte Biden an. "Unser Fokus liegt darauf, den Krieg in Jemen zu beenden", fasste ein Sprecher des Außenministeriums die neue Haltung in Washington zusammen.

Die Huthi-Rebellen erteilten der saudischen Initiative jedoch zunächst eine Absage. Ihr Sprecher Mohammed Abdul Salam sagte, das Angebot aus Riad gehe nicht über frühere Vereinbarungen hinaus, man könne es deshalb nicht ernst nehmen. Die Rebellen, die von hohen saudischen Militärs noch vor wenigen Jahren in Hintergrundgesprächen als disziplinlose Barfuß-Truppe verhöhnt wurden, können sich diese Haltung derzeit leisten: Sie beherrschen immer noch einen Großteil des Territoriums inklusive der Hauptstadt Sanaa. Sie sind mittlerweile in der Lage, Infrastruktur auf saudischem Territorium mit Drohnen anzugreifen. Und sie sind dabei, die ölreiche jemenitische Provinz Marib von den Truppen der saudisch-gestützten Regierung zu erobern.

Sechs Jahre nach Beginn des Einsatzes lernt Mohammed bin Salman gerade eine harte Lektion, die schon viele vermeintlich überlegene Feldherren lernen mussten: Es ist immer einfacher, eine Intervention zu beginnen, als sie geordnet zu Ende zu bringen.

© SZ/bepe
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