25 Jahre Nachbarschaftsvertrag Polen und Deutschland: ziemlich beste Freunde

Gemeinsamkeit EM: Polnische und deutsche Fußballfans feuern beim Public Viewing am Brandenburger Tor ihre Teams an.

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Trotz politischer Spannungen erleben Polen und Deutsche gerade einen glücklichen Moment ihrer Nachbarschaft. Sie sollten ihn nutzen.

Kommentar von Florian Hassel

Sicherlich ist dies keine Blütezeit der Harmonie, die das offizielle Deutschland und Polen derzeit erleben. Seitdem in Polen Jarosław Kaczyński und seine nationalpopulistische Partei "Recht und Gerechtigkeit" (Pis) regieren, liegen Schatten auf dem Verhältnis dieser wichtigen Nachbarstaaten. Das war schon einmal so, vor einem Jahrzehnt, in der ersten Regierungszeit der Pis. Ungleich konsequenter als damals demontiert die heute allein regierende Pis die Fundamente des Rechtsstaats.

Kaczyński, mächtiger als jeder andere polnische Politiker seit dem Fall des Kommunismus, lässt antideutsche Ressentiments und Mythen aufleben - wenn er etwa über eine wirtschaftliche Ausbeutung durch Deutschland spricht, über die politische Unterordnung Polens oder über eine von Deutschland manipulierte EU. Regierungsmedien zeichnen Deutschland als fast schon gescheiterten, weil von Einwanderern überrannten Staat.

Eine Politik voller Spannung, die Geschichte voller Hoffnung

All dies gehört zum unerfreulichen Teil deutsch-polnischer Beziehungen im Jahr 2016. Gleichwohl erleben Polen und Deutsche, historisch betrachtet, eine seit 27 Jahren andauernde Glücksperiode. Anders als in Jahrhunderten zuvor muss Polen Deutschland nicht mehr fürchten. Polen und Deutsche arbeiten gar militärisch zusammen.

Noch vor zwei Jahren gab sich Jarosław Kaczyński überzeugt, es würden noch sieben Generationen vergehen, bis deutsche Soldaten in Polen stationiert sein könnten.

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Heute wird die Bundeswehr während der Nato-Übung beklatscht, und viele Polen würden gern mehr deutsches Militär im Land sehen - aus dem pragmatischen Kalkül heraus, jeden Beistand brauchen zu können.

Es muss nicht immer Liebe sein, aber immerhin funktioniert das Alltagsgeschäft leidlich gut. Der vor 25 Jahren unterschriebene Freundschafts- und Nachbarschaftsvertrag ist umgesetzt und wird weiter mit Leben erfüllt. Nach der Doppelvisite der Präsidenten Andrzej Duda und Joachim Gauck treffen sich, nachdem es ein wenig geknirscht hat, in der kommenden Woche die Regierungen.