Panama Papers Vater von Premier Cameron half Investoren beim Steuersparen auf den Bahamas

Ian Cameron, der Vater des konservativen Premierministers David Cameron starb 2010.

(Foto: Getty Images)

Alarm in Downing Street: Wie David Camerons verstorbener Vater in die Affäre verwickelt ist.

Von Björn Finke, London

Der Premierminister will Härte zeigen: Großbritannien, sagt David Cameron, dürfe nicht zum "sicheren Hafen für korruptes Geld aus der ganzen Welt" werden. Deswegen kündigte der Konservative im vergangenen Jahr an, den Erwerb von Immobilien durch anonyme Käufer aus Steueroasen zu erschweren. Auch US-Internetkonzerne wie Amazon und Google, die im Königreich kaum Steuern zahlen, ziehen den Zorn der Regierung - und der Öffentlichkeit - auf sich. Cameron und sein Schatzkanzler George Osborne wollen den trickreichen Unternehmen mehr Geld abknöpfen, mit bislang bescheidenem Erfolg.

Umso peinlicher sind da die Enthüllungen, dass Camerons im Jahr 2010 verstorbener Vater Ian Reichen bei der Steuervermeidung geholfen haben soll. Der Börsenhändler war den ausgewerteten Unterlagen zufolge Direktor von Blairmore Holdings Inc., einem Investmentfonds auf den Bahamas. Mit dem wenig karibischen Titel Blairmore bewies Cameron senior Traditionsbewusstsein, denn so heißt der Familiensitz des Clans in Schottland, ein viktorianisches Landhaus mit großem Anwesen in Aberdeenshire.

Der Fonds in der Steueroase wurde Anfang der Achtzigerjahre mit Hilfe von Ian Cameron aufgelegt; zu den Kunden soll etwa die Londoner Privatbank Leopold Joseph gehört haben, die sich unter anderem um das Geld der Rolling Stones kümmerte und inzwischen übernommen wurde.

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Camerons Büro lehnte eine Stellungnahme ab. Die Regierung bat aber das Journalisten-Recherchenetzwerk ICIJ um eine Kopie der belastenden Dokumente. "Wir werden diese Daten genau untersuchen und daraufhin rasch und angemessen handeln", hieß es. Zur Frage, ob in dem weiterhin existierenden Fonds auch Privatvermögen der Familie Cameron steckt, sagte eine Sprecherin, das sei "Privatsache".

Der Fonds Blairmore war langjähriger Kunde der Kanzlei Mossack Fonseca. Registriert wurde er zunächst in Panama, später dann in Irland, doch der Sitz ist auf den Bahamas. Ian Cameron war bis kurz vor seinem Tod einer von fünf Direktoren, die aus Großbritannien stammten. Sechs weitere Direktoren des Fonds kamen aus der Schweiz und von den Bahamas - damit residierte die Mehrheit des Managements außerhalb Großbritanniens. Das ist wichtig, denn sonst hätte der Fonds im Königreich Steuern zahlen müssen.

Die Führung traf sich in Nassau auf den Bahamas und in der Schweiz. Die Direktoren aus der Karibik scheinen aber eher selten nach Europa geflogen zu sein, und auch sonst legen die Unterlagen nahe, dass die wichtigen Entscheidungen für das Management des Fonds in London fielen. Der Sitz in der Karibik und die vermeintlichen Manager aus dem Ausland hätten dann vor allem der Steuervermeidung gedient.

Premier David Cameron sagte einmal, das Motto seines verstorbenen Vaters sei gewesen: "Nichts im Leben ist fair. Aber man muss eben anpacken und die Probleme angehen." Das mit dem Mangel an Fairness erscheint nun in einem etwas anderen Licht.

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