Olympia-Attentat 1972 in München:Opferfamilien akzeptieren Entschädigung

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Olympia-Attentat 1972 in München: Erstarrt in Trauer: Elf israelische Sportler wurden bei den Olympischen Spielen 1972 in München bei einem Attentat palästinensischer Terroristen ermordet.

Erstarrt in Trauer: Elf israelische Sportler wurden bei den Olympischen Spielen 1972 in München bei einem Attentat palästinensischer Terroristen ermordet.

(Foto: Sportfotodienst/Imago/Horstmüller)

Die Einigung beinhaltet die Bezahlung von 28 Millionen Euro an die Hinterbliebenen. Die Bundesregierung verpflichtet sich zudem zu einer umfassenden Aufarbeitung des Geschehens von damals.

Von Paul-Anton Krüger und Uwe Ritzer

Nach wochenlangen und konfliktbeladenen Verhandlungen haben sich die Bundesregierung und die Hinterbliebenen der elf israelischen Opfer des Olympiaattentats in München 1972 über Entschädigungszahlungen geeinigt. "Die Vereinbarung ermöglicht auch eine würdige Gedenkfeier am 5. September in Anwesenheit der Präsidenten Isaac Herzog und Frank-Walter Steinmeier und vor allem in Anwesenheit der Hinterbliebenen, die sich unter den neuen Umständen bereit erklärt haben, an der Feier teilzunehmen", sagte der Anwalt der Angehörigen und frühere Bundesinnenminister Gerhart Baum. Die Hinterbliebenen hatten ihr Kommen zu dieser Gedenkfeier am kommenden Montag in Fürstenfeldbruck bei München von einer Einigung im Entschädigungsstreit abhängig gemacht.

In einer gemeinsamen Erklärung zeigten sich Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und sein israelischer Amtskollege Isaac Herzog zufrieden und erleichtert. "Die Einigung kann nicht alle Wunden heilen. Aber sie öffnet eine Tür aufeinander zu." Der deutsche Staat bekenne sich zu seiner Verantwortung und erkenne "das furchtbare Leid der Ermordeten und ihrer Angehörigen an". Die Bundesregierung wies in einer Stellungnahme darauf hin, dass die Vereinbarung über die Entschädigungsleistungen hinaus auch "die Aufarbeitung der Geschehnisse durch eine Kommission deutscher und israelischer Historiker, die rechtskonforme Freigabe von Akten, die Einordnung und Übernahme von politischer Verantwortung im Rahmen der Gedenkveranstaltung" beinhalte. Damit komme die Bundesrepublik "auch mit Blick auf das besondere deutsch-israelische Verhältnis, ihrer historischen Verpflichtung gegenüber den Opfern und deren Hinterbliebenen nach". Nach 50 Jahren schaffe man die Voraussetzungen, um "ein schmerzhaftes Kapitel in der gemeinsamen Geschichte aufzuarbeiten, angemessen zu würdigen", sowie eine neue Erinnerungskultur zu begründen.

Nach SZ-Informationen sieht die am Dienstag unter anderem am Rande der Kabinettsklausur in Meseberg ausgehandelte und am Mittwoch von allen Opferfamilien akzeptierte Vereinbarung vor, dass die Bundesrepublik insgesamt 28 Millionen an die Angehörigen zahlt. Der Bund übernimmt mit 22,5 Millionen Euro den größten Anteil; das Land Bayern und die Stadt München beteiligen sich mit fünf Millionen beziehungsweise 500 000 Euro. Bestandteil der Einigung ist auch die umfassende Aufarbeitung des Geschehens von damals.

Die deutschen Entschädigungszahlungen werden fällig vor dem Hintergrund, dass die damals verantwortlichen Sicherheitsorgane etwa zwei Dutzend zum Teil konkrete Warnungen vor einem Anschlag auf die Spiele ignoriert hatten. Zudem war die Münchner Polizei weder strategisch, noch was ihre Einsatzkräfte und deren Ausrüstung angeht, auf einen solchen Zwischenfall vorbereitet. Hinzu kamen erhebliche polizeitaktische Fehler bei der missglückten Geiselbefreiung im Fliegerhorst in Fürstenfeldbruck, die in einem Blutbad endete.

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