bedeckt München
vgwortpixel

Obama-Auftritt in Köln:Dreistellige Summen für eine Eintrittskarte

Und Obama bringt das Publikum auf die Beine. Vor allem die jungen Zuhörer im Saal, auf den billigeren Plätzen. Die ermahnt er zu Widerspruch: "Ihr würdet euren Großvater niemals darüber entscheiden lassen, was ihr anzieht oder welche Musik ihr hört. Aber ihr lasst ihn darüber entscheiden, was mit der Umwelt geschieht, in der ihr leben müsst?" Wenn alle jungen Leute zur Wahl gingen, so der Ex-Präsident, und dabei für klimafreundliche Parteien stimmten, könnten sie sehr schnell Veränderung zustande bringen, betonte Obama. Es wirkt, Nadja Sommer, 22, ist in der Pause wie beseelt von Obama: "Er war so authentisch wie immer. Er lebt, was er propagiert." Dass Obama, der Öko-Warner, nebenbei aus einem Pappbecher mit Plastikdeckel seinen Kaffee nippt, lässt sie ihm großzügig durchgehen. Er ist eben kein normaler Politiker, er ist ein Popstar. Fast Kult.

Und Obama macht Mut, wieder gegen den Ungenannten. Die US-Klimapolitik werde sich auch wieder ändern, sagt er den Europäern, "hoffentlich bald." In Kalifornien und anderen Bundesstaaten gehe es weiter mit dem Klimaschutz, die Deutschen sollten nicht verzagen, "nur weil da jemand ganz oben sitzt, den das nicht so zu kümmern scheint."

Lars Nöpel aus Herne ist beeindruckt: "Er hat so eine besondere Art seine Themen rüberzubringen." Der junge Mann aus dem Ruhrgebiet hat einen dreistelligen Betrag bezahlt, um in der Arena dabei zu sein. "Ich habe mich schon vorher gefragt, ob es lohnt, soviel Geld für die Eintrittskarte auszugeben? Jetzt kann ich sagen: Ja, tut es. Es war sehr unterhaltsam." 70 Euro kostet das billigste Ticket für den Abend, und wer Obama persönlich begegnen wollte, der musste für diese Sekunden des Ruhms (samt Erinnerungsfoto) 5000 Euro investieren.

Gleich neben der Arena, im Hyatt Regency-Hotel, war Obama am frühen Abend angekommen, eine gepanzerte Limousine hatte ihn vom Köln-Bonner Flughafen ins Luxushotel auf der "Schäl Sick" gebracht, der eigentlich "falschen Seite", wie die Kölner das rechtsrheinische Ufer nennen. Obama wird den Blick hinüber zur Altstadt und zum Dom genossen haben - wenngleich ihm die eigentlich standesgemäße, 180-Quadratmeter große "Präsidenten-Suite" mit Panzerglas und Piano verwehrt blieb. Die exklusive Location hatte sich - für den gesamten Monat - bereits ein anderer Gast gesichert.

Nebenbei diente das Abendmahl in der Arena der Familie - und der Wohltätigkeit: Die Dinner-Speech gab Auma Obama, die Schwester des Ex-Präsidenten, die in Kenia eine Stiftung für nachhaltige Entwicklung leitet. Als Lohn spendeten die Kölner Gipfel-Stürmer eine fünfstellige Summe. Dem gleichen Zweck diente die Geste, 2000 der insgesamt 14 000 Plätze in der Arena an engagierte Ehrenamtler kostenlos abzugeben.

So war der Saal voll. Obama zieht, noch immer: Immerhin 12000 Tickets hatten die Veranstalter innerhalb von nur knapp vier Wochen verkauft. Wie berauscht am eigenen Erfolg schwärmt CEO Müller in der Pause vom Erfolg. Den Einwand, das mancherorts halbe Stuhlreihen leer blieben, mag er nicht hören.

Größtverdienerin der Familie bleibt aber wohl Michelle Obama, die für ihre Auftritte als Buchautorin in den USA bis zu 800 000 Dollar pro Abend bekommen haben soll. Frauen sind eben stärker. Nicht nur im Büro, auch beim Präsidenten zuhause.

Aber vom schnöden Geld redet Obama an diesem Abend nicht. Obama will Mut machen. Er schaut nach vorn, auf morgen, auch auf sein Treffen mit Angela "Mörkel". Gelassen legt Obama sein Lächeln auf, seine Zuversicht strahlt aus ins Publikum, als er einen Satz sagt, der von seiner Freundin aus Berlin stammen könnte: "We can do that", also "wir schaffen das". Einziger Unterschied: Bei Obama applaudiert die Arena. Noch immer.

Politik USA Cash me if you can

Michelle Obama

Cash me if you can

Michelle Obama tourt jetzt durch die Welt, um ihre Autobiografie zu promoten. So weit, so normal. Außergewöhnlich ist allerdings die Gage, die sie für ihre Auftritte fordert. Vom Wert der Bescheidenheit.   Von Hubert Wetzel