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Obama-Auftritt in Köln:Plaudern über den Elefanten in der Arena

Barack Obama in Köln: Deutschland-Besuch des Ex-US-Präsidenten

Barack Obama spricht bei seinem Besuch in Köln viel über seinen Nachfolger - ohne dessen Namen zu nennen.

(Foto: Inka Englisch/dpa)

Beim "Weltführungsgipfel" in Köln redet Barack Obama viel über seinen Nachfolger, vergleicht ihn gar mit einem Tier. Nur seinen Namen nennt er nicht.

Nein, beim Namen nennt er ihn nicht. Das gehört sich nicht. Amerikanische Ex-Präsidenten verbreiten sich nicht über ihre Nachfolger, schon gar nicht im Ausland. Und doch redet Barack Obama an diesem Abend in Köln über Donald Trump. Immer wieder. Egal, ob er von Frauen spricht, vom Klimawandel oder von der Wirklichkeit, der jeder Mensch sich stellen müsse: "Du musst Deine Meinung auf der Grundlage von Fakten bilden, nicht umgekehrt!" Jeder versteht, wer da gemeint ist. Und alle applaudieren.

Amerikaner nennen es "the elephant in the room". Das Problem, die Person im Raum, an die alle denken und von der doch niemand sprechen mag. Donald Trump ist an diesem Donnerstagabend der Elefant in der Arena, der Unbenannte vor 14 000 Zuhörern. So viele Menschen sind in die Lanxess-Arena in Köln gekommen, um ihr Idol zu sehen, gut zwei Jahre nach Ende seiner Amtszeit. Und zu hören, wie Obama die Weltlage als Streit zwischen zwei Lagern deutet: Auf der einen Seite stünden die Kräfte des Fortschritts, der Toleranz, der Offenheit - und dann seien da jene, die Mauern bauten, die wieder von "us and them" schwadronierten, vom "wir" und "denen da". Ernst blickt der Gast drein, dann sagt er: "Das ist eine Story aus einer Zeit, als wir Affen waren."

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Der "midterms"-Wahlkampf geht in den Endspurt. Neben einem ungewohnt kritischen Ex-Präsidenten machen Promis mit Wahl-Aufrufen von sich reden - und Twitter mit dem Löschen von 10 000 Fake-Nutzern.

Obama, im Amt ergraut und inzwischen 57 Jahre alt, weiß noch immer, wie er Massen gewinnt. Auch heute, mehr als zehn Jahre nach der Wahl zum 44. Präsidenten der Vereinigten Staaten. Und er kennt die Deutschen, Umfragen zufolge zählten sie stets zu seinen größten Fans: Viermal war er als Präsident in der Bundesrepublik, der Flug im Privatjet nach Köln ist (nach dem Besuch des Evangelischen Kirchentags im Mai 2017 in Berlin) seine zweite Reise nach Deutschland als Privatier. Am Freitag trifft er dann - strikt privat - seine alte Freundin "dear Angela" (Merkel) in Berlin, am Samstag folgt ein "town hall"-Meeting mit europäischen Jugendlichen. Die Begegnung soll um die Themen kreisen, die diesen ehemaligen "Community Organizer" in den Slums des südlichen Chicagos schon Mitte der 80er Jahre umtrieben: Ziviles Engagement - und Führung.

Leadership, das ist das Schlüsselwort auch in der Lanxess Arena. "World Leadership Summit", zu deutsch ungefähr "Weltführungsgipfel", nennt sich recht unbescheiden das vierstündige Event.

Obamas gut einstündige Gespräch mit Cristián Gálvez - normalerweise Manager-Coach, heute mal Moderator und Stichwortgeber - gerät eher banal. Etwa, wenn Obama preisgibt: "Die Leute tun nicht immer, was Du ihnen sagst". Oder wenn er sagt, dass ein US-Präsident so etwas wie der Kapitän eines Flugzeugträgers sei: "Am Ende hoffst Du, dass Du die Dinge in eine bessere Richtung gelenkt hast." Da sitzt er in einem blaugrauen Sessel auf der Bühne, schlägt die langen Beine übereinander, unterm dunklen Anzug strahlt das blaue Hemd im Scheinwerferlicht. Alles easy? Seine Führungsphilosophie, sein Kurs klingen so simpel. Es ist ein Pragmatismus, den jeder versteht: "Better is good. Better is better than not better."

Wenn er über Frauen in Führungspositionen redet, wird er leidenschaftlich

Nur, er kann auch anders. Jederzeit. Obama liefert markige Sätze fürs Lehrbuch, wenn er postuliert, ein wahrer "Leader" müsse sich "darauf fokussieren, was er tun will - nicht was er sein will." Sonst, so seine Warnung, nütze all die Macht ja nichts - "wenn Du da ankommst und nicht weißt, was Du damit anfangen sollst." Wieder so eine Stanze über den Elefanten.

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Manchmal flammt sogar Leidenschaft auf. Etwa, wenn er über Frauen in Führungspositionen redet. Da wird der Mann zum Missionar. Obama berichtet von den Anfängen seiner ersten Amtszeit: "Ich brachte tolle Frauen in mächtige Positionen, doch irgendwann kamen sie zu mir und sagten: 'Wir haben das Gefühl, in wichtigen Meetings werden wir nicht gehört." Da habe er mehr aufgepasst und siehe da: "Mir fiel auf, dass diese Frauen ständig von Männern niedergeredet wurden. Von Männern, die manchmal die Ideen der Frauen eins zu eins wiederholten und zu ihrer Idee machten." Dabei, so Obama, wisse man längst, dass Teams in Unternehmen besser würden, wenn Frauen am Tisch säßen.

Das kommt an in der Arena: "Sein kompletter Auftritt hat mir unglaublich gut gefallen, der Teil, wo er über den Umgang mit seinen Mitarbeiterinnen gesprochen hat, am besten", schwärmt Dirk Peters, ein Kölner im Business-Anzug. "Er war so bemerkenswert klar, so gut, so besonders."

Angezettelt hat die Mega-Show das Kölner Startup "Gedankentanken" - ein Unternehmen, das sich mit Coaching-Videos im Internet und mit Großveranstaltungen für Möchtegern-Chefs von morgen profiliert. Vor ziemlich genau zwei Jahren, so erinnert sich Geschäftsführer Alexander Müller im Gespräch, habe er das erste Mal angefragt bei Obamas Agentur in New York, ob und wie der Ex-Präsident zu ergattern sei. Erst passierte wenig - dann ging plötzlich alles ganz schnell: Vor knapp zwei Monaten erfuhren die Organisatoren, dass Obama am 4. April Zeit habe. Was der ehemals mächtigste Mann auf Erden so kostet für gut eine Stunde Gespräch, das verrät Müller nicht. Aber der 31-jährige Betriebswirt lässt durchblicken, dass die von US-Medien kolportierten Honorare von bis zu 400 000 Dollar nicht völlig falsch liegen.

Dennoch, Müller ist es wichtig, dass sein Event keine Veranstaltung nur für Führungskräfte sei. Die 14 000 Menschen mögen "mit einer gemeinsamen Idee nach Hause gehen - nämlich wie Martin Luther King oder Barack Obama für etwas aufzustehen."