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Angela Merkel:18 Jahre Machtkampf

Angela Merkel gibt den CDU-Parteivorsitz ab. Ein Rückblick auf ihre Zeit in diesem Amt - und die parteiinternen Kämpfe, die sie austrug.

Von Clara Lipkowski

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Angela Merkel

Quelle: Michael Jung/dpa

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Der 10. April 2000 markiert den Karrierebeginn von Angela Merkel als Vorsitzende der CDU. Im Alter von 46 Jahren wird sie in Essen von den Delegierten des Bundesparteitags gewählt - mit 897 von 935 gültigen Stimmen. Erst im Jahr zuvor hat sie sich von ihrem politischen Ziehvater Helmut Kohl distanziert, der sie sein "Mädchen" nannte. Kohl war wegen der Parteispendenaffäre in die Kritik geraten.

MERKEL UND STOIBER ZU KONSEQUENZEN AUS HOCHWASSER

Quelle: Stephanie Pilick/dpa

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2002 unterliegt Angela Merkel ihrem Erzfeind Edmund Stoiber: Statt ihr geht der damalige CSU-Chef und bayerische Ministerpräsident als Kanzlerkandidat ins Rennen. Für Merkel erweist sich das im Nachhinein als Glück. Stoiber verliert gegen Gerhard Schröder (SPD), steht blamiert da und macht ungewollt den Weg für seine größte Konkurrentin frei.

EX-FRAKTIONSCHEF MERZ RECHNET MIT NACHFOLGERIN MERKEL AB

Quelle: Ralf Hirschberger/dpa

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Nach der Wahl beansprucht Angela Merkel den Fraktionsvorsitz im Bundestag und setzt sich damit gegen Amtsinhaber Friedrich Merz durch. Der kritisiert sie später scharf und wirft ihr vor, der Ämterwechsel sei von langer Hand geplant gewesen und gegen alle Absprachen vonstatten gegangen. Er wird zwar stellvertretender Fraktionschef, legt das Amt aber 2004 nieder und kündigt wenig später seinen Rückzug aus der Politik an. Ausgerechnet er wird jetzt, 2018, für den CDU-Parteivorsitz gehandelt.

Gerhard Schröder gratuliert Horst Köhler, Wahl des Bundespräsidenten, 2004

Quelle: Jockel Finck/dpa

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2004 ist Gerhard Schröder noch Kanzler, trotzdem setzt sich Angela Merkel mit einer Personalie durch: Ihr Favorit Horst Köhler wird neuer Bundespräsident. In der CDU gibt es zu dieser Zeit eigentlich einen anderen Favoriten: Wolfgang Schäuble hatte sich früh ins Gespräch gebracht - ein Kandidat, den Roland Koch und Friedrich Merz unterstützten. Auch CSU-Kollege Edmund Stoiber will lieber Schäuble. Letztlich gewinnt Köhler mit einer Stimme Mehrheit. Für Merkel ein Erfolg. Sie kann damit ihre Macht konsolideren.

Kanzlerwahl - Amtseid

Quelle: Peer Grimm/dpa

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2005 ist Angela Merkel auf dem Höhepunkt ihrer Macht: Sie wird zur ersten Kanzlerin der Bundesrepublik Deutschland. Merkel gewinnt die Wahl, wenn auch knapp, und geht eine große Koalition ein. Von da an sind für Merkel der Parteivorsitz und die Kanzlerschaft untrennbar miteinander verbunden. Erst nach 13 Jahren rückt sie von dieser Position ab.

Wahlkampf - CDU - Angela Merkel

Quelle: Oliver Berg/dpa

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Merkel sieht auch Jürgen Rüttgers gehen. Zwar hat dieser 2005 Nordrhein-Westfalen für die CDU zurückerobert - nach 38 Jahren SPD-Regierung. Um ernsthafter Konkurrent der Kanzlerin um den Parteivorsitz zu werden, müsste Rüttgers aber die Landtagswahl 2010 gewinnen. Doch ein enger Vertrauter in der Staatskanzlei wird dabei erwischt, die SPD-Landeschefin Hannelore Kraft per Video zu überwachen. Zudem wird bekannt, dass die CDU "Einzelgespräche" mit Rüttgers gegen Geld anbot. Also verliert die CDU bei der nächsten Landtagswahl zehn Prozentpunkte - und Rüttgers sein Amt.

Zeitung: Merkel will Koch als Finanzminister

Quelle: Uwe Anspach/dpa

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Roland Koch gilt lange als einer der führenden Merkel-Konkurrenten, auch weil er sich 1999 im Rennen um das Ministerpäsidentenamt in Hessen gegen Hans Eichel (SPD) durchsetzen kann und sehr selbstbewusst Politik macht. Der Hesse gehört zum "Andenpakt", einem Bündnis von CDU-Männern, unter ihnen auch Christian Wulff, die sich Zusammenhalt geschworen hatten. Dieser Bund wird gegen Merkel schon 2002 aktiv, als er Stoibers Kanzlerkandidatur unterstützt. Doch Koch wird Merkel nicht gefährlich. Sie holt ihn nicht in ihr Bundeskabinett und 2010 wird Koch abgewählt.

Merkel und Wulff

Quelle: Hannibal Hanschke/dpa

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Im Mai 2010 tritt überraschend Bundespräsident Horst Köhler zurück. Merkels Favorit für das Amt ist Christian Wulff. Der Konkurrent Joachim Gauck, den SPD und Grüne vorschlagen, genießt allerdings auch bei der CDU hohes Ansehen. Einige CDU-Mitglieder machen ihrem Frust über Merkels Favoriten öffentlich Luft, sogar die Zukunft der Koalition aus Union und FDP wird zeitweise infrage gestellt, sollte Wulff gewinnen. Davon unbeeindruckt, setzt sich Merkel wieder durch, Wulff wird gewählt und Merkel hebt ihn gleichzeitig in ein Amt, in dem er ihr nicht mehr gefährlich werden kann.

CDU Bundesvorstand nach der NRW-Wahl

Quelle: Rainer Jensen/dpa

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In den folgenden Jahren konsolidiert Merkel ihre Macht als CDU-Vorsitzende. 2012 sorgt sie mit einer weiteren Demontage für Aufsehen: Nach der verlorenen Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen feuert sie Bundesumweltminister Norbert Röttgen.

FILE PHOTO: Migrants from Syria and Iraq take selfies with German Chancellor Merkel outside a refugee camp in Berlin

Quelle: Fabrizio Bensch/Reuters

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Als der Krieg in Syrien eskaliert, avanciert Merkel zur "Flüchtlingskanzlerin". Sie weigert sich, die deutschen Grenzen zu schließen, was ihr international großen Respekt einbringt. Zuhause jedoch wächst die Zahl ihrer Kritiker - nicht nur aus der rechten AfD, sondern auch aus ihrer eigenen Partei. Die Konservativen wirken zunehmend unzufrieden mit ihrer Chefin und wünschen sich so langsam einen Wechsel an der Spitze.

Coalition Partners Agree Over New Government Policies

Quelle: Sean Gallup/Getty Images

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In ihrem 19. Jahr als Parteivorsitzende gerät Merkel immer wieder mit dem CSU-Vorsitzenden Horst Seehofer aneinander. Diesem ist Merkels Stil in der Asylpolitik bereits seit 2015 nicht strikt genug. Darunter leidet das ohnehin angespannte Verhältnis. 2018 spitzt sich die Situation zu einer Regierungskrise zu, als Seehofer fordert, Flüchtlinge an der Grenze zu Deutschland abzuweisen und Merkel dies ablehnt. Der CSU-Chef bleibt stur. Am Schluss bietet Seehofer seinen Rücktritt an, Merkel lenkt ein, Seehofer bleibt Innenminister und Chef seiner Partei. Zu diesem Zeitpunkt ist Angela Merkel 13 Jahre Kanzlerin und 18 Jahre CDU-Chefin und gilt - auch wegen des Erstarkens der AfD - als angeschlagen. Nach der Hessen-Wahl im Oktober, bei der die CDU mehr als zehn Prozentpunkte verliert, verkündet Merkel, nicht mehr als Parteivorsitzende anzutreten.

© SZ.de/fued/rus
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