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Diplomatie:Krise zwischen Marokko und Berlin

Ein Grenzposten zwischen Marokko und Mauretanien bei Guerguerat in der umstrittenen Region Westsahara.

(Foto: Fadel Senna/AFP)

Das Königreich hat seine Botschafterin zu Konsultationen abberufen. Rabat ist verärgert über Deutschlands Haltung zum Westsahara-Konflikt, die Bundesregierung zeigt sich überrascht.

Von Paul-Anton Krüger, München

Die schwelende diplomatische Krise zwischen Marokko und Deutschland hat einen neuen Höhepunkt erreicht: Am Donnerstag rief das Königreich seine Botschafterin aus Berlin zu Konsultationen zurück. In einer Erklärung kritisierte das Außenministerium Deutschlands Haltung zum Konflikt um die Westsahara. Im Dezember hatte der damalige US-Präsident Donald Trump den von Marokko erhobenen Anspruch auf das Gebiet einseitig anerkannt als Gegenleistung für die Entscheidung von König Mohammed VI., die Beziehungen des arabischen Landes mit Israel zu normalisieren.

Deutschland hatte daraufhin bei den UN eine Befassung des Sicherheitsrates mit der Frage bewirkt und die mehrheitlich in den UN und der EU geteilte Position vertreten, dass der völkerrechtliche Status des großteils von Marokko annektierten Gebietes durch Verhandlungen unter Ägide der UN geklärt werden müsse. Die Organisation Frente Polisario kämpft seit dem Abzug der Kolonialmacht Spanien im Jahr 1975 mit Unterstützung Algeriens für einen unabhängigen Staat und kontrollierte Landstriche im Süden und Osten des Gebiets. Ende 2020 kam es zu Kämpfen nahe der südlichen Grenze zu Mauretanien.

Rabat bezeichnete Deutschlands Vorgehen als "feindlichen Akt", der die höheren Interessen Marokkos verletze. Bereits im März hatte es staatlichen Stellen die Zusammenarbeit mit den deutschen Vertretungen in Marokko untersagt. Zudem kritisierte Marokko, nicht zur Berliner Libyen-Konferenz eingeladen worden zu sein, und warf Deutschland vor, es wolle den Einfluss des Landes zurückdrängen. Auch hätten deutsche Behörden Informationen marokkanischer Geheimdienste an einen in Deutschland lebenden wegen Terrorismus Verurteilten weitergegeben - eine Anspielung auf den in Duisburg lebenden Aktivisten Mohamed Hajib. Er kritisiert in sozialen Medien den König und die politische Lage in Marokko.

Die Sprecherin des Auswärtigen Amtes, Maria Adebahr, sagte am Freitag in Berlin, die Bundesregierung sei nicht über den Rückruf der Botschafterin informiert worden und habe Marokko um eine Erklärung gebeten. Das Vorgehen sei "eher ungewöhnlich und auch kein sehr geeignetes Verfahren, um eine diplomatische Krise beizulegen". Die Vorwürfe und die Wortwahl in der Erklärung Rabats "entbehren jeder Grundlage" und seien nicht nachvollziehbar. Man bedauere die Entwicklung, vor allem weil sich die Bundesregierung in den vergangenen Wochen um Dialog und eine Beilegung der Krise bemüht habe.

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Von Peter Münch

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