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Maaßen-Affäre:Einen Kopf größer

Adler spürte dabei durchaus, wie das Thema Bauen mal mehr und meistens weniger Konjunktur hatte. Es sei schon so, dass das Thema gern mal hinten runtergefallen sei bei Koalitionsverhandlungen der wechselnden Bundesregierungen, erzählte Adler einmal, nachdem man ihn ins Seehofer-Ministerium umgesiedelt hatte. Dort bezog er sein neues Büro, während seine Mitarbeiter anderswo sitzen. Für sie hatte es im Bundesinnenministerium keinen Platz mehr gegeben.

Trotzdem hat Adler sein Arbeitsfeld nie als Wurmfortsatz des Innenministeriums betrachtet. Zumindest sagt er das so. Mit einem mächtigen Ressort wie dem des BMI würden auch die Möglichkeiten wachsen. Adler wollte und will auch unter einem CSU-Minister ein bisschen sozialdemokratische Politik machen, irgendwie.

Ein Bündnis für bezahlbares Bauen und Wohnen - das nannte Adler zum Start im BMI sein erstes politisches Ziel. Wohnraum, das sei eine Frage des sozialen Friedens und nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. In Seehofer sah Adler bislang keinen Gegner, sondern einen Verbündeten. Immerhin habe der sich auch als bayerischer Ministerpräsident für das Thema starkgemacht. Dass unter Seehofers Regentschaft die Zahl der Sozialwohnungen in München immer weiter zurückging, ließ Adler vorsichtshalber weg.

Und jetzt? Jetzt hat Adler gelernt, wie es sich anfühlt, wenn man mal eben entlassen werden soll. Und er weiß seit Sonntagabend, was einem durch den Kopf geht, wenn man als besonders gefeierter Experte zurückkehren darf. Gut möglich, dass Gunther Adler von diesem Montag an gefühlt einen Kopf größer ins Amt geht.

Nur sein Verhältnis mit Seehofer könnte etwas komplizierter werden. Zu schnell hatte der entschieden, dass Adler für Maaßen weichen sollte. Da wird es noch ein paar vertrauensbildender Maßnahmen bedürfen, bis der Sozialdemokrat wieder so positiv über den CSU-Mann denkt wie zu Beginn ihrer Zusammenarbeit.

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