bedeckt München 24°

Landtagswahl im Saarland:Das Saarland wurde eine Art Testlauf für das Duell Merkel gegen Schulz

4. Kleine Parteien haben es schwer, wenn die beiden großen in echten Wettstreit treten

Grüne: rausgeflogen. Piraten: nur noch 0,7 Prozent. FDP: den Wiedereinzug nach fünf Jahren Abwesenheit klar verpasst. Linke: drei Prozentpunkte gegenüber 2012 verloren. Die kleinen Parteien haben bei dieser Wahl gelitten. Das mag am Wahlprogramm oder den Protagonisten gelegen haben. Doch hinzu kommt wohl noch etwas anderes: Die kleinen Parteien haben Attraktivität und Wählerstimmen eingebüßt, weil CDU und SPD dem bundespolitischen Trend gefolgt sind und stärker polarisiert haben.

CDU und SPD wurden - obwohl sie als große Koalition regierten - als echte Alternativen wahrgenommen. Kramp-Karrenbauer gegen Rehlinger: Es wurde eine Art Testlauf für das Duell Merkel gegen Schulz im September. Auch, weil SPD-Spitzenfrau Rehlinger - wie Kanzlerkandidat Schulz - voll auf das Thema soziale Gerechtigkeit setzte. Das Duell der Großen hat das Interesse an den kleinen Parteien gemindert. Im Bundestagswahlkampf müssen Grüne, FDP und Co. ihr Profil schärfen, wenn sie nicht zwischen Union und SPD zerrieben werden möchten.

5. Gegen die AfD hilft eine eigene Vision von der Zukunft

Die AfD zieht mit 6,2 Prozent in ihren elften Landtag ein, als eine von nur vier Parteien. Eigentlich kein schlechtes Wahlergebnis. Andererseits war die Partei noch im Januar auf zweistellige Umfragewerte gekommen und hatte auf ein rechtspopulistisches Signal aus dem Saarland für die Bundestagswahl im September gehofft. Der AfD hat nicht nur der Führungsstreit auf Bundesebene geschadet oder die Querelen um rechtsextreme Strömungen im Landesverband (die zwischenzeitlich sogar der Bundes-AfD zu viel wurden).

Bemerkenswert im Saarland war noch etwas anderes: Dass es den etablierten Parteien dort gelang, die Themen zu setzen und sich nicht die Agenda der Rechtspopulisten aufdrücken zu lassen. Was natürlich auch mit der insgesamt großen Zufriedenheit der Saarländer mit ihrer Regierung zusammenhängt. Die von der AfD immer wieder angefeindete Flüchtlingspolitik spielte Umfragen zufolge für die Saarländer einfach keine große Rolle. Und die anderen relevanten Parteien zeigten sich hier gegenüber der AfD geeint. Das beste Mittel gegen rechtes Agenda-Setting ist also offenbar, eine eigene Vorstellung von der Zukunft zu haben - und Probleme sauber zu lösen.

Landtagswahl im Saarland Wer am meisten von ehemaligen Nichtwählern profitiert

Landtagswahl

Wer am meisten von ehemaligen Nichtwählern profitiert

Die Wahlbeteiligung im Saarland ist deutlich gestiegen. Doch diesmal war es nicht die AfD, die die meisten Nichtwähler für sich gewinnen konnte.   Von Katharina Brunner