Krise im Nordirak USA setzen Kampfdrohnen gegen Dschihadisten ein

Das US-Militär greift die Stellungen der IS-Miliz jetzt mit Kampfdrohnen an - und kann "erfolgreich eliminierte" Terroristen vermelden. Derweil kritisieren führende US-Republikaner das Vorgehen von Präsident Barack Obama als zu halbherzig.

  • Das US-Militär greift die Terrormiliz "Islamischer Staat" jetzt mit Kampfdrohnen an. Artilleriegeschütze der Dschihadisten-Gruppe seien bombardiert und Terroristen "erfolgreich eliminiert" worden.
  • Führende Republikaner kritisieren Obamas Luftangriffe als zu halbherzig.
  • Die amerikanische Luftwaffe greift die Dschihadistengruppe Islamischer Staat an - zuvor hatte US-Präsident Barack Obama die Angriffe angeordnet.
  • US-Militärflugzeuge haben mit dem Abwurf von Hilfsgütern für die Jesiden begonnen, etwa 40 000 Angehörige der religiösen Minderheit sind vor den IS-Kämpfern in eine Bergregion geflüchtet.
  • Kurdische Führung: Terroristen kontrollieren Staudamm bei Mossul.

Die USA setzen gegen die IS-Miliz jetzt Kampfdrohnen ein

Das US-Militär hat seine Luftangriffe gegen die Extremistengruppe Islamischer Staat (IS) im Norden des Irak fortgesetzt. US-Drohnen hätten in der Nähe der Stadt Erbil eine mit einem Mörser bewaffnete IS-Einheit attackiert und "die Terroristen erfolgreich eliminiert", teilte das Pentagon am Freitagabend mit. Etwa eine Stunde später hätten vier F-18-Kampfflugzeuge einen aus sieben Fahrzeugen bestehenden Konvoi sowie eine weitere Mörser-Stellung der Islamisten mit lasergesteuerten Bomben angegriffen. Zuvor hatte das Pentagon bereits mitgeteilt, ein Artillerie-Geschütz mit 250-Kilogramm-Bomben ausgeschaltet zu haben.

Führende US-Republikaner fordern mehr Entschlossenheit

Führende US-Republikaner haben zurückhaltend auf die amerikanischen Luftangriffe im Irak reagiert. Der einflussreiche Senator John McCain sprach von einem halbherzigen Vorgehen und forderte weitaus entschlossenere Schritte. Die Extremistengruppe Islamischer Staat (IS) habe eine Expansion zum Ziel "und muss gestoppt werden", meinte der frühere Präsidentschaftsbewerber. "Eine Strategie der Eindämmung funktioniert nicht gegen die IS", meinte McCain. "Je länger wir warten, um so größer wird die Bedrohung." Er warf Präsident Barack Obama vor, in Wahrheit keine Strategie zu haben. Ähnlich äußerte sich auch John Boehner, der Republikanerführer im Repräsentantenhaus: "Der Präsident braucht eine langfristige Strategie."

US-Militär beginnt mit Luftangriffen im Irak

Die amerikanische Luftwaffe hat Stellungen der Dschihadistengruppe Islamischer Staat (IS) im Nordirak angegriffen. Zwei F18-Kampfjets hätten zwei 220 Kilogramm schwere, lasergelenkte Bomben auf mobile IS-Stellungen abgeworfen, nachdem die Dschihadisten die Kurdenhauptstadt Erbil mit Artillerie beschossen hätten, erklärte Pentagon-Sprecher John Kirby. Laut CNN wurden die Angriffe vom Flugzeugträger "George H.W. Bush" geflogen, der bereits im Juni in den Persischen Golf verlegt worden war.

US-Präsident Barack Obama hatte die "gezielten Luftangriffe" nach langem Zögern genehmigt, um einen Völkermord zu verhindern und den Vormarsch der Extremisten zu stoppen. Luftangriffe habe er insbesondere für den Fall autorisiert, dass IS-Kämpfer gegen die Stadt Erbil vorrücken sollten, in der sich auch US-Militärberater befänden, sagte Obama. Luftangriffe seien auch möglich, wenn die Kämpfer gegen die ins Sindschar-Gebirge geflüchteten Jesiden vorgingen. Es werde sich aber um "gezielte Operationen" handeln.

Der Präsident bekräftigte jedoch, dass er keine Bodenkampftruppen in den Irak schicken werde. "Als Oberbefehlshaber werde ich es nicht zulassen, dass die USA in einen weiteren Krieg im Irak hineingezogen werden."

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Hilfsgüter über Nordirak abgeworfen

Obama ordnete außerdem den Abwurf von Hilfsgütern für die Minderheit der Jesiden an, die im Sindschar-Gebirge ausharren und von IS-Kämpfern belagert werden. Erste Hilfsflüge haben in der Nacht stattgefunden: Nach Angaben des Pentagon haben Militärflugzeuge 8000 Essensrationen und 20 000 Liter Wasser abgeworfen und danach den Luftraum über dem Nordirak wieder verlassen.

In der Region spitzt sich die Lage weiter zu: Kurdische Peschmerga-Truppen und IS-Extremisten kämpfen nach Angaben lokaler Medien an mehreren Fronten westlich der Gebirgsregion. Die Peschmerga versuchen demnach, einen Fluchtkorridor für die eingeschlossene religiöse Minderheit der Jesiden zu erkämpfen.

Nach Angaben der kurdischen Nachrichtenseite Rudaw sind etwa 50 000 Jesiden seit mehreren Tagen in dem Gebirge eingeschlossen. Mindestens 70 Menschen seien bereits an Unterversorgung gestorben.

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Indessen hat die Führung der kurdischen Autonomieregion im Nordirak die Eroberung des strategisch wichtigen Mossul-Staudamms durch die Extremistengruppe Islamischer Staat (IS) bestätigt. Der Stabschef im Präsidialamt, Fuad Hussein, sagte nach Angaben des kurdischen Nachrichtenportals Basnews bei einer Pressekonferenz, dass sich die Anlage in der Hand der Dschihadisten befinde. Die Mossul-Talsperre liegt rund 40 Kilometer nordwestlich der gleichnamigen Stadt. Es ist der größte Staudamm des Iraks. Mit den Wassermassen des Stausees könnte die IS große Städte überfluten. Von dort würden sie außerdem die Wasser- und Stromversorgung großer Teile des Landes kontrollieren.

Hunderttausende auf der Flucht

Die kurdische Minderheit der Jesiden war Anfang der Woche aus der Ninive-Ebene rund um Mossul geflohen, nachdem IS-Milizen Angriffe auf ihre Dörfer gestartet hatten. Viele hatten sich in die Berge gerettet. Nach UN-Angaben sind rund 200 000 Jesiden auf der Flucht. Die sunnitischen Extremisten betrachten die Jesiden als "Teufelsanbeter".

Die Nachrichtenagentur Rudaw berichtete, die Stadt Sindschar südlich des Gebirgsmassivs sei in den Händen der IS-Extremisten. Vor Ort habe es mehrere Exekutionen von Jesiden gegeben. Anhänger des Islamischen Staates verbreiten im Internet entsprechende Bilder. Die irakischen Nachrichtenseite Sumaria News bestätigte, dass die IS-Truppen Sindschar sowie die irakisch-syrische Grenzstadt Rabia im Norden unter Kontrolle hätten.

Auch christliche Orte im Nordirak wurden in den vergangenen Tagen von IS-Milizen bedroht. Hunderttausend Menschen flohen nach Angaben des Patriarchen der chaldäisch-katholischen Kirche, Louis Raphael I. Sako, am Donnerstag zum Teil zu Fuß aus ihren Heimatdörfern.

Die Terrormiliz hat in der Nacht außerdem eine strategisch wichtige syrische Militärbasis in der Provinz Al-Rakka erobert. Damit kontrollieren die Extremisten nach Angaben der oppositionsnahen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte fast den kompletten Osten des Landes.

Das bisherige Engagement der USA im Irak

Im Juni hatte Obama die Verlegung von bis zu 300 US-Militärberatern in den Irak angeordnet. Die US-Soldaten beurteilten in den vergangenen Wochen die militärischen Fähigkeiten der irakischen Streitkräfte, die der Offensive der IS-Extremisten wenig entgegenzusetzen hatten. Die US-Militärberater richteten gemeinsame Einsatzzentren mit der irakischen Armee ein. Darüber hinaus unterstützt Washington den Irak mit umfangreichen Waffenlieferungen und Geheimdienstinformationen.

Obamas Vorgänger George W. Bush war im März 2003 ohne UN-Mandat in das arabische Land einmarschiert und hatte Machthaber Saddam Hussein gestürzt. Bushs Regierung rechtfertigte den Angriff mit einer angeblichen Bedrohung durch Massenvernichtungswaffen sowie Verbindungen der irakischen Führung mit dem Terrornetzwerk al-Qaida. Beide Gründe stellten sich später als falsch heraus.

Nach einer jahrelangen Besatzung, die von blutigen Auseinandersetzungen zwischen der schiitischen Mehrheitsbevölkerung und der sunnitischen Minderheit im Irak geprägt war, zog Obama Ende 2011 die letzten US-Truppen ab.

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