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Islamischer Staat im Irak:USA erwägen offenbar Luftangriffe im Irak

Unrest in Iraq

Krieg im Irak: Kurdische Kämpfer nordöstlich von Bagdad

(Foto: dpa)

Angesichts des Vormarschs der IS-Milizen im Irak prüft US-Präsident Obama einem Medienbericht zufolge, die Islamisten mit Luftschlägen zu schwächen. Unklar ist, ob die IS-Kämpfer den größten Staudamm des Landes erobert haben. Das wäre für Bagdad katastrophal.

  • US-Präsident Obama erwägt einem Medienbericht zufolge Luftschläge gegen die Terrorgruppe Islamischer Staat im Irak. Etwa 40 000 Jesiden haben sich vor den radikalen Kämpfern in das Sindschar-Gebirge zurückgezogen.
  • Die USA prüfen demnach auch eine Versorgung der von Hitze und Verdursten bedrohten Menschen mit Lebensmitteln aus der Luft.
  • Die Islamisten behaupten, den größten und wichtigsten Staudamm des Landes erobert zu haben. Die irakische Regierung würde das extrem unter Druck setzen.

Die Überlegungen der USA

Die US-Regierung erwägt einem Zeitungsbericht zufolge Luftangriffe zur Rettung Zehntausender Flüchtlinge im Nordirak. Die New York Times berichtet, dass Präsident Barack Obama eine Reihe von Optionen prüfe, um den etwa 40 000 Angehörigen der religiösen Minderheit der Jesiden zu helfen, die auf der Flucht vor der Extremistengruppe Islamischer Staat (IS) in einer Bergregion im Nordirak ausharren.

Neben Luftangriffen auf IS-Stellungen werde auch eine humanitäre Hilfsaktion erwogen, berichtet das Blatt unter Berufung auf einen hohen Regierungsvertreter. Es gebe Überlegungen, aus der Luft Lebensmittel für die Flüchtlinge abzuwerfen, meldet das Blatt. Der Sender CNN berichtete, im US-Außenministerium seien "andere militärische Optionen" im Gespräch. Das US-Militär stimme sich derzeit mit irakischen Sicherheitskräften ab, sagte Regierungssprecher Josh Earnest, nannte aber keine Details über mögliche Pläne oder taktische Optionen eines Einsatzes. "Jede Handlung wäre in ihrem Umfang sehr begrenzt." US-Kampftruppen auf irakischem Boden seien aber ausgeschlossen. Es gebe zudem keine von den USA gesteuerte militärische Lösung für den Irak. "Wir können die Probleme nicht für sie lösen", sagte Earnest.

Die Lage Zehntausender Jesiden

Aus Furcht vor den vorrückenden Kämpfern des Islamischen Staats haben sich Tausende Menschen in das Sindschar-Gebirge nahe der syrischen Grenze zurückgezogen. Das berichten internationale Medien, darunter der britische Guardian, und berufen sich auf Hilfsorganisationen.

Demnach hätten sich zwischen 10 000 und 40 000 Menschen an neun verschiedenen Orten in dem zerklüfteten Gebirge verschanzt, in der Mehrheit Angehörige der religiösen Minderheit der Jesiden. Deren Lage spitzt sich offenbar zu: Sie sind von IS-Kämpfern eingekesselt, haben aber kaum Lebensmittel. Und vor allem: kein Wasser. Mehrere Menschen sollen schon gestorben sein, darunter auch Kinder.

Hunderttausende auf der Flucht

Auslöser der jüngsten Fluchtwelle ist der Überfall der islamistischen IS-Miliz am vergangenen Samstag auf die Stadt Sindschar und umliegende Orte, wo viele Jesiden leben. Neben den bis zu 40 000 in der Bergregion Eingekesselten seien mindestens 130 000 weitere Menschen aus der Region auf der Flucht in die kurdischen Autonomiegebiete, berichtet der Guardian, vor allem in die Städte Erbil und Dohuk. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International spricht gar von Hunderttausenden, darunter auch Christen.

Der Vormarsch der Islamisten

Am Donnerstag teilten die IS-Kämpfer mit, im Irak weitere Städte eingenommen zu haben. Seit dem Wochenende sollen insgesamt 15 Städte sowie der größte Staudamm des Landes bei Mossul in ihre Hände gefallen sein. Atheel al-Nujaifi, Gouverneur der Provinz Ninive, bestätigte der New York Times die Eroberung des Dammes in einem Telefoninterview. Der Eroberung sei ein "organisierter Rückzug" der kurdischen Peschmerga-Miliz vorangegangen.

Auch die IS-Kämpfer sollen die Eroberung des Dammes dem Bericht zufolge gemeldet haben. Aus kurdischen Kreisen verlautete allerdings, der Damm am Tigris sei nicht eingenommen worden. Mit den Wassermassen des Stausees könnte die IS große Städte überfluten. Von dort würden sie außerdem die Wasser- und Stromversorgung großer Teile des Landes kontrollieren.

In Machmur unweit der kurdischen Regionalhauptstadt Erbil lieferten sich die Extremisten heftige Gefechte mit den Peschmerga. Augenzeugen berichteten, Machmur befinde sich unter Kontrolle der IS-Kämpfer. Kurdische Kämpfer haben auch das zurückgewiesen. Fernsehbilder zeigten Peschmerga-Milizen, die in der Stadt Patrouille fuhren.

In der Kurdenstadt Kirkuk wurden bei Autobombenanschlägen nahe einer schiitischen Moschee nach Angaben aus Sicherheitskreisen mindestens elf Menschen getötet. Die Ölfirma Exxonmobil teilte mit, dass sie wegen des Vormarsches der Extremisten ihre Mitarbeiter aus dem Kurdengebiet abzieht. In der irakischen Hauptstadt Bagdad kam es ebenfalls zu Anschlägen, bei denen mehrere Menschen starben.

© Süddeutsche.de/Reuters/dpa/AFP/mane/jasch/mike
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