Terrorverdacht:Anschlag auf Kölner Dom geplant? Polizei erhöht Sicherheitsmaßnahmen

Terrorverdacht: Gottesdienstbesucher des Kölner Doms und Touristen müssen sich in den nächsten Tagen auf erhöhte Sicherheitsstandards einstellen.

Gottesdienstbesucher des Kölner Doms und Touristen müssen sich in den nächsten Tagen auf erhöhte Sicherheitsstandards einstellen.

(Foto: Sascha Thelen/dpa)

Der Staatsschutz ermittelt wegen möglicher Anschlagspläne einer islamistischen Gruppe. In Österreich und Deutschland gibt es Festnahmen. Viele Details sind noch unklar.

Im Saarland ist im Zusammenhang mit den Hinweisen auf mutmaßliche islamistische Anschlagspläne auf den Kölner Dom nach Medienberichten ein Mann festgenommen worden. Das deckt sich mit Informationen der Süddeutschen Zeitung. Die ARD berichtete am Sonntag ohne Angaben von Quellen, der Verdächtige könne in Verbindung mit der Extremistengruppe ISPK stehen, dem pakistanischen Ableger des Islamischen Staates.

Vom Generalbundesanwalt war zunächst keine Stellungnahme zu dem Bericht zu bekommen. Auch eine Sprecherin der Kölner Polizei konnte zu der Festnahme nichts sagen. Aktuell seien viele Einsatzkräfte vor Ort, um Besucher des Weihnachts-Gottesdienstes zu untersuchen. Der Dom sei nach verdächtigen Gegenständen durchsucht worden.

Der Mann im Saarland sei den Behörden schon lange als Extremist bekannt, berichtete die ARD. Die Hinweise auf seine mögliche Beteiligung an einer Straftat sind aber vage. Bis Sonntag um Mitternacht müssten die Behörden nun entscheiden, ob sie einen Haftbefehl gegen den Mann beantragen würden. Auch der Generalbundesanwalt sei mit dem Vorgang befasst, sei aber wegen des dünnen Sachverhalts skeptisch, heiße es in Ermittlungskreisen.

Hinweise auf mögliche Terroranschläge in Europa an Weihnachten und Silvester

Am Samstagabend hatte die Polizei in Köln besondere Schutzmaßnahmen für den Kölner Dom bekannt gegeben. So würden alle Besucher vor Betreten des Gotteshauses kontrolliert. Bild hatte berichtet, die Sicherheitsbehörden in Österreich, Deutschland und Spanien hätten Hinweise erhalten, dass eine islamistische Terrorzelle möglicherweise an Silvester oder Weihnachten mehrere Anschläge in Europa verüben wolle. Ziele könnten dabei auch Weihnachtsgottesdienste in Köln, Wien und Madrid sein.

Die Polizei Wien teilte zunächst lediglich mit, aufgrund einer aktuellen Gefährdungseinschätzung des Verfassungsschutzes sowie der nach wie vor erhöhten Terrorwarnstufe gelte während der Weihnachtsfeiertage allgemein eine erhöhte Gefährdung in Österreich. Vor allem gefährdete Orte beziehungsweise Objekte würden verstärkt bewacht. An den Weihnachtsfeiertagen werde es zu erhöhten polizeilichen Vorkehrungen kommen.

Vier Festnahmen in Österreich bei Ermittlungen gegen ein islamistisches Netzwerk

Am Sonntag erklärte das österreichische Innenministerium, dass der dortige Verfassungsschutz bei Ermittlungen gegen ein islamistisches Netzwerk vier Menschen festgenommen habe. Derzeit liefen Befragungen der Verdächtigen und entsprechende Auswertungen, teilte die Direktion für Staatsschutz und Nachrichtendienst im österreichischen Innenministerium mit. Nähere Details könnten aus kriminaltaktischen Gründen derzeit nicht genannt werden.

Die Kölner Polizei hatte die Erhöhung ihrer Schutzmaßnahmen mit einem Gefahrenhinweis begründet, ohne Details zu nennen. Der Staatsschutz, der bei politisch motivierten Straftaten aktiv wird, habe die Ermittlungen aufgenommen. Die möglichen Anschlagspläne sollen aus einer islamistischen Gruppe stammen, sie könnte der Nachrichtenagentur dpa zufolge Verbindungen zum Ableger des "Islamischen Staates" Provinz Khorasan haben. Wie konkret die Anschlagspläne waren, ist bisher unklar. Bei der Durchsuchung des Doms mit Spürhunden wurde nach Angaben aus Sicherheitskreisen kein Sprengstoff entdeckt.

Kölner Dom: An Heiligabend werden alle Besucher kontrolliert

Die Hinweise bezogen sich wohl auf Silvester, Gottesdienstbesucher des Kölner Doms und Touristen müssen sich aber schon vorher auf erhöhte Sicherheitsstandards einstellen. An Heiligabend sollen alle Besucherinnen und Besucher kontrolliert werden. Polizei und Domkapitel empfahlen, auf Taschen zu verzichten und frühzeitig zu den Messen zu kommen.

"In Abstimmung mit dem Sicherheitsbeauftragten des Domkapitels wird die Kathedrale nach der Abendmesse mit Spürhunden abgesucht und anschließend verschlossen", sagte der Chef der Kölner Kriminalpolizei, Michael Esser, laut einer Mitteilung.

Wegen der erhöhten Sicherheitsvorkehrungen am Dom bittet die Kirche Besucher um Geduld. "Alle Weihnachtsgottesdienste im Kölner Dom finden statt, aber sie werden mit Zugangskontrollen verbunden sein, die leider nötig sind", erklärte Dompropst Guido Assmann. "Ich bin überzeugt, wir werden diese Herausforderung in typisch kölscher Gelassenheit und getragen von weihnachtlicher Vorfreude meistern und in gewohnter, festlicher Weise die Geburt des Herrn feiern."

Sicherheitsmaßnahmen in Wien

Auch in Wien erhöhte die Polizei die Sicherheitsmaßnahmen. In Österreich hatte der Verfassungsschutz am Samstag bei Ermittlungen gegen ein islamistisches Netzwerk vier Menschen festgenommen. Derzeit liefen Befragungen der Verdächtigen und entsprechende Auswertungen, teilte die Direktion für Staatsschutz und Nachrichtendienst im österreichischen Innenministerium auf dpa-Anfrage mit. Nähere Details könnten aus kriminaltaktischen Gründen derzeit nicht genannt werden. Für Berichte über eine Festnahme in Deutschland gab es zunächst jedoch keine Bestätigung.

Nach Angaben einer Sprecherin der Staatsanwaltschaft Wien gab es am Sonntag keine Anhaltspunkte, dass ein Anschlag in Wien unmittelbar bevorgestanden hätte. Sie sagte der österreichischen Nachrichtenagentur APA, in Wien seien drei Männer festgenommen worden. Bei Hausdurchsuchungen seien Datenträger sichergestellt worden. Gegen sie werde wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung in Verbindung mit terroristischen Straftaten ermittelt.

Nach dpa-Informationen könnte es bei der verdächtigen Gruppe möglicherweise einen Bezug zu einem Ableger des Terrornetzwerks Islamischer Staat (IS) geben, der sich Islamischer Staat Provinz Khorasan (ISPK) nennt und in Afghanistan schon seit einigen Jahren einen bewaffneten Konflikt mit den militant-islamistischen Taliban austrägt. Die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Wien wollte sich dazu nicht äußern. Das Bundesamt für Verfassungsschutz hatte im April betont, obwohl die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Syrien und im Irak als weitestgehend besiegt gelte, sei die Gesamtorganisation noch lange nicht zerschlagen. Behördenchef Thomas Haldenwang sagte damals: "Unter den verschiedenen Ablegern des IS sticht besonders der "Islamische Staat Provinz Khorasan", kurz ISPK, hervor."

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