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K-Frage:"Die CDU soll in sich gehen"

CSU party leader Markus Soeder and CDU party leader Armin Laschet meet in Berlin

Markus Söder am Dienstag nach der Sitzung der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag.

(Foto: Annegret Hilse / Reuters)

Der Söder-Vertraute Albert Füracker und andere CSU-Größen fordern, von Laschet als Kanzlerkandidat abzurücken.

Von Roman Deininger, Boris Herrmann, Johann Osel und Robert Roßmann

Im Streit um die Kanzlerkandidatur der Union zeichnet sich noch kein Ende ab. Spitzenpolitiker der CSU haben am Mittwoch den Anspruch ihres Parteichefs Markus Söder auf die Kandidatur bekräftigt. Thomas Kreuzer, der frisch wiedergewählte CSU-Fraktionsvorsitzende im Bayerischen Landtag, sagte, Söder sei im Vergleich mit CDU-Chef Armin Laschet "die bessere Alternative". Er sei gerade voll darauf konzentriert, so Kreuzer, "wie es uns gelingt, dass Markus Söder nach Berlin geht". Landtagspräsidentin Ilse Aigner sagte, Söder habe "die ganz klare Unterstützung der CSU-Landtagsfraktion".

Bayerns Finanzminister Albert Füracker unterstrich den in der CSU vorherrschenden Eindruck, dass auch die CDU-Basis Söder als Kandidaten bevorzuge. "Es ist so, dass die Basis wie alle im Land denkt, dass der stärkste Kandidat auch für die Bundestagswahl aufgestellt werden soll", sagte Füracker, der als enger Söder-Vertrauter gilt. Die CDU sollte "in sich gehen und überlegen".

Auf die Frage, ob die Konfrontation von Söder und Laschet der Union nicht schade, sagte Füracker: "Der größte Schaden wäre es, wenn man jemanden nominiert, der im Herbst die Wahl verliert." Die CSU habe sich bisher "deeskalierend und harmonisch in jeder Hinsicht" verhalten.

"Am Ende wird alles gut werden", sagte Söder

In der Sitzung der CSU-Abgeordneten soll Söder Teilnehmerangaben zufolge großen Zuspruch erfahren haben. Beim Ministerpräsidenten seien "kein Zurückweichen und keine Abstriche im Wollen" erkennbar gewesen, sagte hinterher ein Kabinettsmitglied der Süddeutschen Zeitung. Söder selbst wollte sich nicht zum Machtkampf in der Union äußern. Er sagte lediglich: "Am Ende wird alles gut werden", alles stehe "in den Sternen".

Im Lager von Armin Laschet zeigte man sich am Mittwoch trotzdem zuversichtlich. Am Dienstagabend hatte sich zwar in einer Unionsfraktionssitzung die große Mehrheit der Abgeordneten, die sich zu Wort gemeldet haben, für Söder ausgesprochen. Allerdings hatten sich nur gut 60 der insgesamt 245 Abgeordneten zu Wort gemeldet. Außerdem verweisen Laschets Anhänger darauf, dass der CDU-Chef am Montag von beiden Führungsgremien der CDU Unterstützung erfahren habe. Das wiege das uneinheitliche Meinungsbild in der Fraktion locker auf. Bisher sei auch noch kein einziger CDU-Ministerpräsident und kein einziges CDU-Präsidiumsmitglied von Laschet abgerückt und ins Söder-Lager gewechselt.

Es ist aber weiter unklar, wie der Konflikt zwischen Söder und Laschet aufgelöst werden soll. Niedersachsens CDU-Chef Bernd Althusmann sagte der SZ, Präsidium und Vorstandsgremien von CDU und CSU hätten sich "eindeutig zugunsten ihres jeweiligen Kandidaten ausgesprochen". Der Respekt vor diesen "gewählten Gremien gebietet es, das auch anzuerkennen". Auflösen könnten das Problem "jetzt ausschließlich die beiden Kandidaten, indem sie zügig zu einer Entscheidung kommen - und das erwarte ich bis zum Wochenende".

© SZ
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