Internationale Umfrage Deutschland: Auf Obama-Schwärmerei folgt Trump-Abneigung

Laut Pew ist das Empfinden der Deutschen gegenüber dem US-Präsidenten ziemlich typisch für Westeuropa. Momentan sagen nur elf Prozent der Bundesbürger, dass sie Trumps Handeln vertrauen und lediglich 35 Prozent sehen die USA positiv. Barack Obama begann 2009 mit einem Zustimmungswert von 93 Prozent und schied mit 86 Prozent aus dem Amt - nach der Aufdeckung des NSA-Abhörskandals sank seine Popularität für zwei Jahre.

In Sachen öffentlicher Abneigung schneidet Trump in Deutschland sogar noch schlechter ab als der Republikaner George W. Bush. Dieser wurde 2001 als mittelmäßig angesehen (51 Prozent Zustimmung), bevor seine Beliebtheitswerte wegen des Irakkriegs bis auf 14 Prozent zusammenschmolzen. Das höchste Ansehen unter den zehn befragten EU-Staaten haben die USA neben Italien (61 Prozent) interessanterweise in Ungarn (63) und Polen (73) - in diesen ostmitteleuropäischen Staaten beklagen die EU-Kommission und Nichtregierungsorganisationen eine Missachtung rechtsstaatlicher Prinzipien.

Weltweit viel Vertrauen in Kanzlerin Merkel

Trump schneidet auch im Vergleich mit internationalen Spitzenpolitikern schlecht ab: 74 Prozent misstrauen den außenpolitischen Fähigkeiten des US-Präsidenten. Auch wenn Russlands Präsident Wladimir Putin (27 Prozent sehen ihn positiv; 59 Prozent negativ) und Chinas Staatschef Xi Jinping (28 Prozent positiv, 53 Prozent negativ) besser bewertet werden als Trump: Sie liegen deutlich hinter Angela Merkel.

Laut Pew vertrauen 42 Prozent dem Handeln der Bundeskanzlerin, während 31 Prozent sie kritisch sehen (ein Fünftel der Befragten hat keine Meinung). Die Meinungsforscher heben zudem hervor, dass 60 Prozent der EU-Bürger Merkel positiv bewerten und dass "ihre Werte besonders stark unter politisch links Stehenden" seien, obwohl die CDU bekanntlich rechts der Mitte stehe.

Viel Zustimmung für Amerikas Kultur

Da das Image eines Landes nicht nur vom Staatschef abhängig ist, haben die Meinungsforscher von Pew zusätzliche Fragen gestellt. Die Amerikaner als solche werden von 58 Prozent der Befragten als positiv angesehen - besonders hoch sind die Werte in Asien und in Europa. Einen enormen Einfluss haben US-amerikanische Kinofilme, TV-Produktionen und Musik: Zwei Drittel der Studienteilnehmer schauen gern Netflix-Serien oder Hollywood-Filme. Allgemein gilt: Je jünger die Menschen, umso größere USA-Fans sind sie.

Trumps Einfluss wird begrenzt sein

Der Wahlsieg und die Amtsführung von Donald Trump haben deutlich gemacht, wie stark Personen weiterhin die internationale Politik beeinflussen. Die Pew-Studie (sie kann hier heruntergeladen werden) belegt deutlich, wie ein einzelner Politiker die Wahrnehmung eines Landes verändern kann: 2009 sorgte Barack Obama für einen ähnlichen Umschwung ins Positive.

Ein Hinweis der Meinungsforscher ist jedoch wichtig für die Einordnung: Die Mehrheit der Befragten rechnet nicht damit, dass sich unter Präsident Trump die bilateralen Beziehungen ihres Heimatlandes zu den USA grundlegend verändern werden.

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