Hacker-Angriffe in den USA Immer mehr Demokraten verzweifeln an Obamas Urvertrauen in die USA

Obama betont lieber die eigene Stärke, statt andere zu kritisieren.

(Foto: dpa)
  • In einer Pressekonferenz zeigt Barack Obama, was ihn von seinem Nachfolger unterscheidet: Statt aggressiver Kritik an anderen betont er vor allem die Stärke des eigenen Landes.
  • Viele Anhänger der Demokraten hatten sich nach der Wahlniederlage eine deutlichere Positionierung vor dem anstehenden Umbau des Landes durch Donald Trump gewünscht.
  • Die Eskalationsbereitschaft der Republikaner ist wesentlich höher als die der Demokraten, das zeigt auch die Debatte um die Hacker-Angriffe.
Analyse von Johannes Kuhn, New Orleans

Wer mit einem Kompass durch die politischen USA navigieren möchte, blickt derzeit auf eine wild kreisende Nadel. In der Hoffnung, Donald Trump irgendwie zu verhindern, klammern sich verzweifelte Demokraten an die Russland-Hacker-Vorwürfe von FBI und CIA - Organisationen, die in progressiven Kreisen sonst eher schlecht beleumundet sind. Der künftige Präsident, immerhin Anführer der Partei Ronald Reagans und vieler kalter Krieger, geht dagegen auf Schmusekurs mit Wladimir Putin.

Käme ein Politologe, der Jahre in der Wildnis verbracht hätte, jetzt in die Zivilisation zurück - er blickte mit aufgerissenen Augen auf die Lage in Washington und kehrte kopfschüttelnd um.

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Barack Obama hat in den vergangenen acht Jahren nicht immer seinen politischen Norden gefunden, hat mit Washingtoner Gepflogenheiten und dem ungelösten US-Konflikt zwischen Führungsanspruch und Rückzugsdrang gefremdelt. Während seiner womöglich letzten präsidialen Pressekonferenz am Freitag wurde allerdings nochmals klar, was ihn am deutlichsten von seinem Nachfolger unterscheidet: Temperament und vor allem Konsistenz.

Obama betont vor allem die Stärke der USA, statt allzu direkte Kritik zu üben

"Die Russen können uns nicht verändern oder ernsthaft schwächen", räsonierte der 55-Jährige, "sie sind ein kleineres, schwächeres Land und ihre Wirtschaft stellt nichts her, was jemand kaufen möchte - außer Öl, Gas und Waffen. Sie erfinden nichts. Sie können uns aber beeinflussen, wenn wir vergessen, was uns ausmacht. Wenn wir unsere Werte vergessen."

Er übte zwar deutliche Kritik an Putin, demonstrierte aber ansonsten vor allem dem Glauben an die eigene Stärke und das Gute des Landes. Das ist weit entfernt von dem, was viele traumatisierte Anhänger sich gewünscht hatten: eine offene Abrechnung, eine deutliche Positionierung vor dem anstehenden Umbau des Landes in der Ära Trump. Vereinzelt wurde sogar von einer Verschiebung der anstehenden Wahlmann-Abstimmung geträumt, um den anstehenden Albtraum nicht Realität werden zu lassen.