Fridays for Future:Thunberg findet Inspiration an einem "Ort voller Traurigkeit"

Klimaprotest im Braunkohlegebiet: die Aktivistinnen Luisa Neubauer (l) und Greta Thunberg (r) auf dem Hof von Bauer Heukamp.

Klimaprotest im Braunkohlegebiet: die Aktivistinnen Luisa Neubauer (l) und Greta Thunberg (r) auf dem Hof von Bauer Heukamp.

(Foto: Henning Kaiser/dpa)

Am Tag vor der Bundestagswahl reist die Umweltaktivistin Greta Thunberg in das dem Abriss freigegebene Dorf Lützerath im deutschen Braunkohlegebiet. Und schöpft ausgerechnet hier Hoffnung.

Nur eine Landstraße trennt den Hof von Landwirt Eckardt Heukamp vom Tagebau Garzweiler. Und wenn es nach dem Energieunternehmen RWE und der Bundesregierung geht, bald nicht einmal mehr die. Um zu verhindern, dass Lützerath und damit auch der Hof von Heukamp für den Kohleabbau weichen müssen, sind die Umweltaktivistinnen Greta Thunberg (18) und Luisa Neubauer (25) am Samstag in das Dorf in Nordrhein-Westfalen gereist. Im Gepäck ein kleines gelbes Schild mit der Aufschrift "Defend Lützerath, defend 1,5" ("Verteidigt Lützerath, verteidigt 1,5"). Ihre Botschaft, die die Begrenzung der Klimaerwärmung auf 1,5 Grad anmahnt, rammten sie vor dem Hof in den Boden. Es war ein symbolischer Akt, an einem symbolischen Ort - einen Tag vor der Bundestagswahl.

Die Bewegung Fridays for Future hatte am Freitag zum achten Mal zum weltweiten Klimastreik aufgerufen. Der Schwerpunkt der Demonstrationen hatte zwei Tage vor der Bundestagswahl mit allein 472 angemeldeten Demonstrationen in Deutschland gelegen. Auch Greta Thunberg war extra dafür nach Berlin gereist und hatte vor Zehntausenden Menschen gesprochen. Die Organisatoren sprachen sogar von 100.000 Demonstranten in der Hauptstadt und 620.000 Teilnehmern bundesweit. Am Samstag dann war sie gemeinsam mit der Hauptorganisatorin der deutschen Schulstreiks, Luisa Neubauer, weiter ins Braunkohlegebiet gereist. Dort trafen sie Landwirt Heukamp, der gegen seine Enteignung klagt.

Vor dem Hof des Landwirts rammten die zwei Aktivistinnen ihr Schild in den Boden. "Auch wenn das ein Ort voller Traurigkeit ist, finde ich es sehr hoffnungsvoll und inspirierend, die Hingabe und das Engagement der hier lebenden Menschen zu sehen, die gegen Klima- und Umweltzerstörung kämpfen und dafür, diese Dörfer zu behalten", sagte Thunberg. "Das ist es, was mir Hoffnung gibt."

Die schwedische Umweltaktivistin warnte jedoch davor, die Bekämpfung der Klimakrise und den Schutz der vom Tagebau bedrohten Dörfer allein in die Hände von Politikern zu legen. "Wir können das und die Klimakrise nicht mit Parteipolitik lösen. Wir brauchen eine Massenmobilisierung von Menschen", sagte sie. "Wir wollen die Menschen dringend bitten, in diesem Kampf um Klimagerechtigkeit und sozialer Gerechtigkeit zu helfen."

Mit Blick auf eine CDU-Wahlkampfveranstaltung am Samstag in Aachen sagte Luisa Neubauer: "Wenige Kilometer von hier sprechen heute Angela Merkel und Armin Laschet und verteidigen einen fossilen Status quo, der diese Zerstörung hier normalisiert und rechtfertigt." Es gebe aber keine Rechtfertigung dafür. "Sie ist nicht akzeptabel, sie ist nicht hinnehmbar, und entsprechend werden wir auch nicht akzeptieren und hinnehmen."

Der Ort Lützerath, in dem fast keine Menschen mehr leben, soll als nächster für den Kohleabbau am Tagebau Garzweiler verschwinden. Bis Ende 2026 soll entschieden werden, ob die zur Stadt Erkelenz gehörenden Dörfer Keyenberg, Kuckum, Ober- und Unterwestrich und Berverath noch weichen müssen. Der Betrieb in den drei bestehenden Tagebauen im Rheinischen Revier soll nach und nach auslaufen und spätestens 2038 enden. Am 1. Oktober startet die nächste Rohdungsperiode.

"Diese Wahl wird die Klimakrise nicht lösen"

"Wenn wir sagen, alle Dörfer bleiben, dann sprechen wir nicht davon, dass Häuser stehen bleiben, wir sprechen davon, dass wir gemeinsam die Lebensgrundlagen schützen, von denen wir abhängen", sagte Neubauer. "Und wir sprechen davon, dass wir bereit sind, uns zwischen die Häuser und die Bagger und zwischen die Lebensgrundlagen und die Bagger zu stellen."

Verglichen mit Thunbergs Auftritt bei der Demonstration in Berlin am Freitag, fiel der Termin in Lützerath deutlich kleiner aus. Dennoch sei es wichtig, hier zu sein, sagte sie. Sie wolle die Menschen auf die Geschehnisse in dem Dorf aufmerksam machen. "Wir müssen ein Bewusstsein schaffen für das, was hier passiert. Und wir brauchen Menschen, die sich dem Kampf dagegen anschließen." Dafür sei auch ziviler Ungehorsam ein legitimes Mittel, solange er friedlich bleibe. "Und wir haben gesehen, dass Menschen in dieser Gegend dieses Instrument genutzt haben, sehr effektiv in vielen Arten."

Die Umweltaktivistinnen riefen auch die Menschen außerhalb von Lützerath dazu auf, sich nach der Wahl weiter für das Klima zu engagieren. "Diese Wahl wird die Klimakrise nicht lösen, egal wie das Ergebnis ausfallen wird. Die wird viel länger anhalten", sagte Thunberg. "Wir werden auch weiterhin mobilisieren und auf die Straße gehen müssen."

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