Putin und Trump in Helsinki Viel Bürde für einen Gipfeltag

  • In Helsinki kommen US-Präsident Trump und Russlands Staatschef Putin am Montag zu einem Gipfel zusammen.
  • In den vergangenen Jahren ist zwischen beiden Ländern vieles passiert, was eine Annäherung erschwert.
  • Dazu gehören der Krieg in der Ostukraine, die russische Annexion der Krim und Russlands Militärhilfe für den syrischen Diktator Assad.
Von Frank Nienhuysen

Es hat Momente gegeben, da schien eine Versöhnung nahe zu sein, und sogar mehr als das. Russland in der Nato? "Warum nicht?", fragte Wladimir Putin - "wenn Russland ein gleichberechtigter Partner ist." Das war am Anfang seiner ersten Amtszeit. Fast zwei Jahrzehnte ist das nun her. Das Verhältnis Russlands vor allem zu den USA hat sich dann aber doch als zu kompliziert erwiesen. Moskau und Washington: Da spielt viel psychologischer Ballast aus jahrzehntelanger Gegnerschaft eine Rolle.

"Wir sind Zeuge ungezügelter Militäranwendung"

Nach dem Terror von 9/11 in Amerika hatte es in Moskau Verständnis für die Angriffe gegen Afghanistan gegeben, doch der US-Krieg gegen Saddam Husseins Irak zwei Jahre später riss den Graben wieder auf. Noch größer wurde das Misstrauen zwischen den USA und Russland, als 2004 in der Ukraine die orangene Revolution ausbrach und Moskau so tat, als sei der Aufstand direkt von Washington gesponsert worden.

Seitdem ist es nur noch selten entspannt gewesen im Verhältnis beider Mächte. Aus Moskauer Sicht sind die USA in der eigenen Einflusssphäre zum Konkurrenten geworden, der sich nicht nur in der Ukraine breitmachen wollte, sondern auch im Kaukasus, in Zentralasien. Washington wiederum befand, dass Russland kein Recht mehr darauf habe, den ehemaligen Sowjetrepubliken vorzuschreiben, wo die ihre Zukunft sehen.

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Rhetorisch zugespitzt wurden die schlechten Beziehungen in Putins Brandrede bei der Münchner Sicherheitskonferenz 2007. Er zählte auf: die Osterweiterung der Nato, den Irak-Krieg, den geplanten US-Raketenabwehrschirm, "wir sind Zeuge ungezügelter Militäranwendung", sagte Putin. Im Jahr darauf ging er auf eine Provokation von Georgiens Präsident Michail Saakaschwili ein und führte Krieg in Georgien, hält praktisch noch heute Abchasien und Südossetien im Griff. Doch die russisch-amerikanische Atmosphäre änderte sich gewaltig, als im Kreml Dmitrij Medwedjew saß und im Weißen Haus Barack Obama. Medwedjew besuchte Silicon Valley, Obama das plötzlich amerikatrunkene Moskau. "Neustart" war das Zauberwort jener Tage im Jahr 2009. In Prag unterzeichneten beide Seiten 2010 einen Start-Vertrag, der das Arsenal der Atomwaffen deutlich verringern sollte. Wie aber konnte sich der Wind dann abermals drehen?

Mit Putins nahender Rückkehr ins Präsidentenamt verschärfte auch Medwedjew seinen Ton, warnte wegen der US-Raketenabwehrpläne vor einer Rückkehr zum Kalten Krieg. Eine Rolle spielte Russlands innere Befindlichkeit. Als in Moskau Zehntausende Russen gegen Putin demonstrierten, zog Putin die Zügel an und schwor die Bevölkerung auf Patriotismus ein - mit den USA als willkommenem Feindbild. Es folgten: US-Sanktionen wegen des in Haft gestorbenen Menschenrechtsanwalts Sergej Magnizkij, Moskaus Verbot von Adoptionen gegen die USA. Die Maidan-Proteste in der Ukraine, die Krim-Annexion, der Krieg in der Ostukraine, Russlands Militärhilfe für Syriens Diktator Assad, die russische Einflussnahme im US-Wahlkampf. Und weitere Sanktionen. Viel Bürde also für einen Gipfeltag.

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