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Gipfel auf Malta:EU will Wirtschaftsmacht ausbauen - notfalls gegen Amerika

  • Bei ihrem Gipfeltreffen auf Malta signalisiert die EU, notfalls gegen Amerika ihre Wirtschaftsmacht auszubauen.
  • Bundeskanzlerin Merkel gibt als Parole aus: Je besser die EU mit sich selbst zurechtkomme, desto stärker könne sie gegenüber Trump auftreten.
  • Die Staats- und Regierungschefs bekennen sich zu einer "effektiven Kontrolle unserer Außengrenzen und zur Eindämmung illegaler Migrationsströme in die EU".

Es kommt ein bisschen auf die Perspektive an, aber für überzeugte Europäer gab es am Freitag ein paar schöne Momente. Da stand auf der winzigen Mittelmeerinsel Malta der Premierminister des ebenfalls überschaubaren Großherzogtums Luxemburg vor dem Palast des Großmeisters und sprach: "Amerika ist ein Partner von Europa, aber das heißt auch, dass Amerika Europa braucht."

Was in den Ohren eines Donald Trump wie ein Witz klingen mag, meinte Xavier Bettel so ernst wie viele der anderen Staats- und Regierungschefs beim Sondergipfel der EU in Malta. Die Union der Mittelgroßen, Kleinen und Winzigen will versuchen, dem unberechenbaren neuen Anführer der Supermacht Amerika furchtlos und selbstbewusst entgegenzutreten.

Flüchtlingspolitik So will die EU Flüchtlinge aus Afrika abschrecken
EU-Gipfel

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Bei ihrem Gipfeltreffen auf Malta entwerfen die EU-Staats- und Regierungschefs eine Nachbarschaftspolitik, die auf harte Grenzen setzt.   Von Thomas Kirchner und Alexander Mühlauer

Dabei fiel schon auf, dass die Schärfe des Tons gelegentlich in umgekehrtem Verhältnis zur Größe des Staates stand, den die Gipfelteilnehmer zu vertreten hatten. "Es ist für die internationale Gemeinschaft nicht akzeptabel, wenn sich Amerika aus jeder Verantwortung stehlen will", protestierte Österreichs Bundeskanzler Christian Kern gegen Trumps Einreisestopp für Bürger sieben muslimischer Staaten. Schließlich hätten die USA durch ihre Militäraktionen die Flüchtlingsströme mitzuverantworten. Das müsse "mit aller Klarheit unseren amerikanischen Freunden" nähergebracht werden.

Bundeskanzlerin Angela Merkel - eine der wenigen der in Malta Versammelten, die mit Trump schon ausführlicher telefoniert haben - gab eine andere Parole aus: Je besser die EU mit sich selbst zurechtkomme, desto stärker könne sie gegenüber Trump auftreten. "Europa hat sein Schicksal selbst in der Hand", sagte sie. Deshalb stehe für sie "das Sprechen über Europa im Vordergrund und nicht das Befassen mit anderen Teilen der Welt".

Zwei Wochen sind vergangen seit Trumps Amtsantritt. Zwei Wochen, die den Europäern den Atem geraubt haben, denn erstmals in der Geschichte der EU sitzt im Weißen Haus nicht mehr nur kein Freund, sondern offenbar ein Feind. Als EU-Ratspräsident Donald Tusk seine Sprache wiederfand, zählte er Trump zu den "Gefahren" für Europa.

Der EU droht eine ihrer Existenzgrundlagen abhanden zu kommen: die Partnerschaft mit der Weltführungsmacht USA. Was nun? Vor dieser Frage standen die Staats-und Regierungschefs nach einer Bootsfahrt unter der Sonne Maltas. Beim Mittagessen berichteten die Britin Theresa May über ihr Treffen sowie Frankreichs Präsident François Hollande und Merkel über ihre Telefonate mit Trump. Tusk hatte darum gebeten, sozusagen als Gesprächsgrundlage.