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Gavrilo Princip - der Attentäter von Sarajevo:Gescheiterter Attentäter als großes Idol

Auch in Bosnien-Herzegowina entsteht bei vielen jungen Serben ein immer stärkeres serbisches Nationalbewusstsein. Ein Teil von ihnen allerdings entwickelt - zusammen mit Kroaten und auch Muslimen - stattdessen eine serbo-kroatische südslawische ( jugoslawische) Identität.

In ihnen wächst das Bedürfnis nach Rebellion gegen die Österreicher, die sie als als Tyrannen wahrnehmen. Viele haben ausgerechnet an den von den Besatzern eingerichteten Gymnasien eine humanistische Bildung erhalten und treffen sich in neuen politischen Organisationen und revolutionären Zellen, in denen über den richtigen Weg diskutiert wird: Tyrannenmord oder Demokratisierung?

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Als Südosteuropa zum Pulverfass wurde

1911 tritt Princip dem eben gegründeten Geheimbund "Serbisch-Kroatische Fortschrittorganisation" bei. In diesem Jahr kursiert für die idealistischen, teils fast schon romantischen Anhänger einer nationalen Befreiung der Begriff Jungbosnier. Die jungen Männer und Jugendlichen pflegen insbesondere seit der Annexion Bosniens ein revolutionäres Pathos. Ihre Vorbilder sind die russischen Revolutionäre und Attentäter und deren Kampf gegen die Herrschaft des Zaren.

Princips Held und besonders großes Vorbild wird allerdings ein Jungbosnier: Bogdan Žerajić, der 1910 vergeblich versuchte, Österreichs Statthalter in Bosnien zu erschießen und sich dann selbst tötete. Princip bezeichnet diese Tat dem Psychiater Pappenheim gegenüber später als das Schlüsselerlebnis, das zu seiner politischen "Erweckung" geführt habe. Zu dem Zeitpunkt war er 15 Jahre alt.

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Princip beschließt, dass ein Attentat auf einen wichtigen Vertreter der Monarchie sein Beitrag an der Revolution sein soll. Zugleich ist er enttäuscht von den ergebnislosen Diskussionen unter seinen Mitstreitern und von den Debatten mit den nationalistisch gesonnenen Serben.

Princips Lebensweg ändert sich drastisch, als er 1912, nach längerer Krankheit, die Schule in Sarajevo abbrechen muss. Er macht sich auf nach Belgrad, um seine Ausbildung dort als Privatschüler fortzusetzen. Auch in Serbiens Hauptstadt schließt er sich Kreisen an, die die Vertreter Österreich-Ungarns als Feinde betrachten.

Für die Serben geht es auch darum, "Rache für den Kosovo" zu nehmen. Bei der Schlacht auf dem Amselfeld (Kosovo polje) hatte ein osmanisches Heer 1389 die Serben besiegt. Der Überlieferung zufolge war dies der Beginn der Unterdrückung des serbischen Volkes durch die Osmanen.

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1912 erklären Bulgarien, Serbien, Montenegro und Griechenland dem schon angeschlagenen Osmanischen Reich den Krieg. Princip selbst meldet sich als Freiwilliger für den Krieg, wird jedoch aufgrund seines Gesundheitszustandes abgelehnt. Als er im Frühjahr 1914 erfährt, dass der österreichisch-ungarische Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand Sarajevo besuchen wird, beschließt er, dass dies die große Gelegenheit sein wird, seinen Beitrag im Kampf gegen die Unterdrückung zu leisten.

Die Verschwörer ergreifen die Initiative

Princip und sein Freund Nedeljko Čabrinović, ein Druckergeselle, stellen über bosnische Freischärler, die von Serbien aus gegen die Türken kämpfen, Kontakt zur "Schwarzen Hand" her. Und der Kopf der Gruppe, Oberstleutnant Dragutin Dimitrijevic (Apis), zugleich Chef des serbischen Militärgeheimdienstes, rüstet sie aus. Er lässt ihnen die notwendigen Waffen- vier Revolver und sechs Handgranaten - und Zyankalipillen zukommen. Apis geht davon aus, dass das Attentat die Monarchie schwächen, diese Serbien aber trotzdem nicht angreifen werde.

Milan Ciganović, Angehöriger des serbischen Geheimdienstes, bringt den Attentätern - zu ihnen gehört nun auch ein weiterer Freund Princips, der Schulabbrecher Trifun Grabež, - das Schießen bei. Dann werden Princip und seine Mitverschwörer zurück nach Bosnien-Herzegowina geschleust und nach Sarajevo gebracht.

Als das Zentralkomittee der "Schwarzen Hand" von Apis informiert wird und die Verschwörungspläne ablehnt, ist es zu spät, Princip und seine Kameraden aufzuhalten. Heute wird vermutet, dass sogar der serbische Ministerpräsident Nikola Pašić von den Attentatsplänen erfährt - er sich zu mehr als einer eher allgemeinen Warnung an den Kopf der österreichisch-ungarischen Zivilverwaltung allerdings nicht durchringen kann.

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In Sarajevo hat unterdessen Danilo Ilić drei weitere Jungbosnier überzeugt, sich an dem Attentatsversuch zu beteiligen: die Schüler Vaso Čubrilović und Cvetko Popović und den bereits 27 Jahre alten muslimischen Schreiner Muhamed Mehmedbašić.

Kampf für ein südslawisches Volk

Am 28. Juni warten die sechs Attentäter, diese "sentimentalen jungen Männer", wie Autor Gregor Mayer später schreibt, auf ihre Gelegenheit, einen Mann zu töten, den sie für den Vertreter einer Tyrannei halten, sie warten darauf, für ihre Idee eines serbo-kroatischen Südslawiens zu sterben. Ihr Ziel ist es ganz sicher nicht, den Weltenbrand auszulösen, der auf das Attentat folgt. Sie sehen sich als Kämpfer und Märtyrer für die Freiheit ihres Volkes. Sie wollen Helden sein und werden zugleich von politischen Kräften in Serbien missbraucht, die die Folgen des Attentats ebenfalls völlig unterschätzen.

Dem Nervenarzt Pappenheim sagt Princip in seiner Zelle in der Festung Theresienstadt, dass ein solcher Weltkrieg nicht nur durch eine einzelne solche Tat ausgelöst worden sein könne. Damit dürfte er Recht haben. Die Kriegsbereitschaft der Mächte in Europa war ohnehin so groß, dass sie wohl ohne das Attentat einen anderen Anlass gefunden hätten, ihre Interessen mit Gewalt zu verfolgen.

Nedeljko Čabrinović, Vaso Čubrilović und Cvetko Popović (v.l.) wollten den Erzherzog ebenfalls töten. Doch es gelang ihnen nicht.

(Foto: AP)

Pappenheim notiert zu Princips Motiven für den Anschlag: "Rache und Liebe. Ganze Jugend in solcher revolutionärer Stimmung." Auch die Antwort auf die Frage, ob er das Attentat wieder verüben würde, ist in Pappenheims 1926 veröffentlichten Buch " Gavrilo Princips Bekenntnisse" überliefert. Heute denke er anders, sagt Princip. Denn heute sei eine soziale Revolution in ganz Europa möglich.

Am 28. April 1918 stirbt Princip an den Folgen der Knochentuberkulose, die ihn in der Haft furchtbar quälte. Der Tod, dem er 1914 knapp entging, ist ihm vermutlich willkommen. Er versuchte während der Haft mehrmals, sich das Leben zu nehmen.

Lesetipp

Verschwörung in Sarajevo - Triumph und Tod des Attentäters Gavrilo Princip. Gregor Mayer, Residenz Verlag St. Pölten 2014, ISBN 978 3 7017 3294 4

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