bedeckt München 26°

G-7-Gipfel:Überaus riskante Einladung

G7 summit in Biarritz

Gipfel-Gastgeber Emmanuel Macron bei einer Pressekonferenz mit Angela Merkel. Die Kanzlerin begrüßte die Initiative Frankreichs. Foto:

(Foto: Ian Langsdon/REUTERS)
  • Bundeskanzlerin Angela Merkel hat den überraschenden Besuch von Irans Außenminister beim G-7-Gipfel begrüßt.
  • Es sei "absolut richtig", jede Möglichkeit auszuloten, um den Atomkonflikt zu entschärfen, sagte Merkel.
  • Dennoch wirbelt der überraschende Besuch des Iraners das dreitägige Treffen der Staats- und Regierungschefs in Biarritz durcheinander.

Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron hat einen überraschenden Vorstoß unternommen, die gefährliche Atomkrise mit Iran zu entschärfen. Am Sonntag traf der iranische Außenminister Mohammed Dschawad Sarif unerwartet im französischen Biarritz ein. In dem Badeort findet seit Samstag ein Gipfeltreffen der G 7 statt; auch US-Präsident Donald Trump nimmt teil. Bundeskanzlerin Angela Merkel begrüßte den Besuch Sarifs. Es sei "absolut richtig", jede Möglichkeit auszuloten, um den Atomkonflikt zu entschärfen. Merkel betonte, Sarifs Ankunft in Biarritz sei "ein Parallelereignis am gleichen Ort, aber keine G-7-Bewegung".

Der überraschende Besuch des Iraners wirbelt das dreitägige Treffen der Staats- und Regierungschefs durcheinander. Sarif einzuladen, war überaus riskant. Die USA sehen Iran als Feind an und pflegen keine diplomatischen Beziehungen. US-Präsident Trump wirft Teheran vor, sich in Syrien oder in Jemen aggressiv in regionale Krisen einzumischen und das Atomabkommen nicht einzuhalten. Im vergangenen Jahr hatten die Amerikaner das Abkommen aufgekündigt.

G7-Gipfel Die sieben Weltwunden
G-7-Gipfel

Die sieben Weltwunden

Ob Klima, Handel oder Irankonflikt: Die führenden Staaten des Westens tun sich schwer damit, gemeinsame Lösungen zu finden. Der britische Premier Johnson will beim Schwimmen einen Ausweg entdeckt haben.   Von Cerstin Gammelin, Biarritz

Macron hatte den Vorstoß sorgfältig vorbereitet; er hatte vor dem Gipfel Gespräche geführt und das Thema Iran bereits am Samstagabend auf die Tagesordnung gesetzt. Merkel sagte, man habe "eine sehr gute und konstruktive Diskussion" geführt. Alle seien sich einig gewesen, "dass Iran keine nukleare Bewaffnung bekommen darf. Und alle wollen dieses Ergebnis erzielen über eine Verhandlungslösung". Dass der französische Außenminister Jean-Yves Le Drian anschließend Sarif eingeladen habe, führt die Kanzlerin auf die Gipfelgespräche zurück. Es sei "gut und richtig, dass wir das, was wir gestern besprochen haben, weitergeben".

Macron traf sich am Sonntag selbst mit Sarif. Mit Blick auf eine Annäherung schrieb der iranische Außenminister anschließend auf Twitter, es werde ein schwerer Weg. Merkel sagte, es komme jetzt darauf an, alle Interessen auszugleichen. Der Iran leide unter den Sanktionen. Das Interesse der anderen Seite sei eine Rückkehr zum Atomabkommen. "Das sind die beiden Ingredienzien, mit denen man hier arbeitet". Der Iran hat die Erlaubnis zum Export einer Mindestmenge an Öl zur Bedingung gemacht, um über eine Rettung des Atomabkommens zu reden. "Wir wollen 700 000 Fass Öl pro Tag ausführen und dafür in bar bezahlt werden", sagte ein ranghoher iranischer Regierungsvertreter am Sonntag der Nachrichtenagentur Reuters.

Macron hatte die übrigen Gipfelteilnehmer erst sehr kurzfristig über den Besucher aus Teheran unterrichtet. Aus dem Weißen Haus verlautete, Trump sei nicht informiert gewesen.

Die Nachrichtenagentur AFP berichtete unter Berufung auf den Élysée-Palast, die USA seien aber mit dem Besuch einverstanden gewesen.

Auch in den Konflikt zwischen Russland und der Ukraine ist überraschend Bewegungen gekommen. Merkel sagte, es werde "sehr schnell" einen Gipfel mit den Präsidenten beider Länder in Paris geben.

G-7-Gipfel Eine volle Agenda und viele diplomatische Verwicklungen

G-7-Gipfel in Frankreich

Eine volle Agenda und viele diplomatische Verwicklungen

Zollstreit, Klimakrise und Frankreichs Digitalsteuer: Angesichts vieler Probleme befürchtet Kanzlerin Merkel, dass beim Treffen der Staats- und Regierungschefs in Biarritz die Zeit knapp werden könnte.   Von Cerstin Gammelin, Biarritz