Koalition gegen den "Islamischen Staat":Hollande, der Kriegspräsident

Koalition gegen den "Islamischen Staat": Auftritt des Kriegspräsidenten: François Hollande vergangene Woche im Schloss Versailles

Auftritt des Kriegspräsidenten: François Hollande vergangene Woche im Schloss Versailles

(Foto: AFP)

Frankreichs Staatschef will eine feste Koalition gegen den IS schmieden. Alles hängt davon ab, ob er Putin und Obama zusammenbringt.

Von Julian Hans, Nicolas Richter, Christian Wernicke und Kai Strittmatter

Eine Woche ist es her, dass die Franzosen ihr neues Staatsoberhaupt entdeckten. Mit todernster Miene marschierte da der erste Mann im Staat vorbei am Spalier der säbelbewehrten Republikanischen Garde in den halbdunklen Saal im Schloss von Versailles. Seine Landsleute erkannten die Gestalt kaum wieder, die da finster hinabblickte auf die mehr als 900 versammelten Parlamentarier aus Senat und Nationalversammlung. Auftritt des Kriegspräsidenten François Hollande.

Mit dem 13. November, dem Tag der Pariser Attentate, hat für François Hollande ein neues Kapitel seiner Präsidentschaft begonnen. Das sollten drei Tage später, bei der Krisensitzung des Kongresses, alle Franzosen merken. "Frankreich ist im Krieg", verkündete der Sozialist, und dass Frankreich alles tun werde, um "eine große und einzigartige Koalition" aus möglichst vielen Staaten zu bilden gegen den gemeinsamen Feind - den sogenannten Islamischen Staat. "Diese Organisation", so sprach der Franzose, "gilt es nicht einzudämmen, sondern zu zerstören!"

Exakt eine Woche später soll die Welt nun erleben, wie ernst Frankreichs Kriegspräsident seine Mission meint. Zusammen mit David Cameron, dem Premierminister von Frankreichs engstem Waffenbruder Großbritannien, gedenkt der Sozialist vor dem Konzertsaal Bataclan der Terroropfer. Später sagt Cameron im Élyséepalast, er wolle mitbomben gegen den IS - nicht nur im Irak wie bisher, auch in Syrien.

Im Weißen Haus sucht Hollande den Schulterschluss mit Barack Obama

An diesem Dienstag reist Hollande zu seinem nächsten und wichtigsten Kriegskoalitionär. Im Oval Office des Weißen Hauses sucht Hollande den Schulterschluss mit Barack Obama, dem eigentlichen Anführer der internationalen Anti-IS-Koalition. Der US-Präsident hat bereits im Sommer 2014 ein loses Bündnis gegen den IS geschmiedet; seit den Anschlägen von Paris jedoch steht er mehr noch als zuvor innenpolitisch in der Kritik, weil er Schlagkraft und Beharrungsvermögen des IS zu lange unterschätzt habe.

Obama hat seinen Ton deshalb leicht verschärft: Am Wochenende kündigte auch er an, er wolle den IS "zerstören". Bisher hatte Obama die Formel verwendet, den IS "schwächen und letztlich zerstören" zu wollen.

Obama scheint dem Anti-Terror-Kampf also eine größere Dringlichkeit einzuräumen. An seiner bisherigen Strategie jedoch hält er fest: Der Demokrat lässt den IS im Irak und in Syrien aus der Luft bombardieren - die Kämpfe am Boden überlässt er örtlichen Verbündeten wie dem irakischen Militär und den kurdischen Peschmerga. Seit dem Sommer 2014 hat Obamas Koalition etwa 30 000 Bomben auf IS-Ziele abgeworfen, im Schnitt knapp 70 pro Tag. Etwa 80 Prozent der Einsätze werden von der US-Luftwaffe geflogen, die übrigen von Frankreich, Großbritannien, Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Die USA haben 3500 Soldaten in die Region geschickt, allerdings als Ausbilder und Berater, nicht als Kämpfer an der Front.

Hollande größte Herausforderung als Koalitionsschmieder dürfte es sein, Obama und den russischen Präsidenten Wladimir Putin auf einen gemeinsamen Kampf gegen den IS einzuschwören. Daheim in Paris hat Jean-Christophe Cambadélis, der Chef von Hollandes sozialistischer Partei, dies auf die Formel gebracht, Frankreich wolle - wie einst die Alliierten im Zweiten Weltkrieg gegen die Nazis - ein "Jalta gegen den Islamischen Staat" schaffen.

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