AfD-Kandidaten für Europawahl:Ganz weit außen

AfD-Kandidaten für Europawahl: Die Nummer eins unter den AfD-Anwärtern fürs Europaparlament: Jurist Maximilian Krah.

Die Nummer eins unter den AfD-Anwärtern fürs Europaparlament: Jurist Maximilian Krah.

(Foto: Sven Simon/Imago)

Auch die frisch gekürten Spitzenkandidaten für die Europawahl zeigen, wie weit rechts die AfD jetzt steht. Laut Verfassungsschutzchef Haldenwang haben gemäßigte Köpfe kaum eine Rolle gespielt.

Von Johann Osel und Roland Preuß, Berlin

Wer seiner Ansicht nach verantwortlich ist für die Probleme im Land, das machte Maximilian Krah schon in seiner Bewerbungsrede deutlich. Mittlerweile hätten die Schüler auch in Sachsen an Sonder- und Hauptschulen mehr als 50 Prozent Migrationshintergrund, sagte er. "Es wird nicht mehr unterrichtet, und die Kinder haben Angst vor den Pausen." Krah ließ keinen Zweifel daran, dass er Zuwanderer für ein großes Übel hält. Wenig später wurde der 46-jährige Jurist am Wochenende in Magdeburg mit fast zwei Dritteln der Delegiertenstimmen zum AfD-Spitzenkandidaten für die Europawahl im Juni kommenden Jahres gewählt.

Krah steht weit rechts und hat damit die Unterstützung der Parteiführung um Alice Weidel und Tino Chrupalla sowie des einflussreichen Thüringer AfD-Vorsitzenden Björn Höcke, der vom Verfassungsschutz des Landes als Rechtsextremist eingestuft wird.

Doch auch bei den anderen AfD-Kandidaten ist erkennbar, wie weit rechts die Partei angekommen ist - und welche Reden man vom kommenden Sommer an in Straßburg und Brüssel von ihnen zu erwarten hat. In den Umfragen steht die AfD derzeit bei etwa 20 Prozent, für jedes Prozent kann sie ungefähr mit einem der 96 deutschen Sitze im EU-Parlament rechnen. Auf ihrer Versammlung in Magdeburg bestimmte die Partei 15 Kandidaten für die vorderen Listenplätze, weitere sollen kommendes Wochenende gekürt werden.

Nummer zwei hinter dem Sachsen Maximilian Krah: Petr Bystron aus Bayern

Hinter Krah tritt auf Platz zwei der bayerische Bundestagsabgeordnete Petr Bystron an. In seiner Bewerbungsrede wetterte er gegen "Globalisten", welche die Bürger "zwangsimpfen" wollten, und eine angeblich drohende Abschaffung des Bargelds. "Das Schlimmste, die Migrantenquoten, die zwangsweise Zuweisung von Migranten, das ist ein Angriff auf alles, was uns lieb ist, unsere Kultur, unsere Religion, ja, unsere Heimat." In seinem Landesverband in Bayern genießt der eloquente Bystron nahezu Starstatus. Er war Landesvorsitzender von 2015 bis 2017 und trimmte die auch im Freistaat anfangs von Euro-Kritikern getragene Partei auf rechts, Migration und Islam wurden zu Hauptthemen gemacht.

Dabei hat Bystron selbst eine Zuwanderergeschichte. Er war Ende der Achtziger als Kind mit den Eltern aus der Tschechoslowakei nach Deutschland geflohen. In der Zeit als Landeschef wurde er vom bayerischen Verfassungsschutz beobachtet, nachdem er seine AfD als parlamentarischen "Schutzschild" für die islamfeindliche Pegida auf der Straße und für die als rechtsextrem eingestufte "Identitäre Bewegung" (IB) definiert hatte. Bystron hatte die IB mehrmals öffentlich gelobt, zum Beispiel als "tolle Organisation". Mit seinem ersten Einzug in den Bundestag 2017 entfiel die Beobachtung, wegen der besonderen Hürden, die das Bundesverfassungsgericht bei Mandatsträgern definiert hat.

Der dritte Kandidat ist Rene Aust aus Thüringen

Auf Platz drei tritt Rene Aust an, Björn Höcke hatte den Thüringer Landtagsabgeordneten und AfD-Vizechef vorgeschlagen. Er gilt als sein Vertrauter, die Thüringer Allgemeine bezeichnet ihn als "Höcke-Gehilfen". Aust stammt aus Nordrhein-Westfalen und war einst in der Essener SPD, in Magdeburg präsentierte auch er sich als glühender Migrationsgegner. "Unsere europäische Zivilisation ist in Gefahr durch Masseneinwanderung", rief er. Europa in eine Festung gegen Zuwanderer zu verwandeln, sei "unverhandelbar". Als Beispiel für gutes Regieren nannte er Ungarns Regierungschef Viktor Orban, der sein Land autoritär führt und wegen Einschränkung der Medienfreiheit seit Jahren in der Kritik steht.

Platz vier: die EU-Abgeordnete Christina Anderson

Mit noch mehr rhetorischer Schärfe kam die EU-Abgeordnete Christine Anderson auf Platz vier. Sie bediente Verschwörungsmythen, so solle Europa mithilfe der EU "in ein unter totalitärer Herrschaft stehendes Kollektiv überführt werden". Man müsse sofort aus der EU austreten.

Vertreter des gemäßigteren Lagers hätten bei der Aufstellung der Kandidaten so gut wie keine Rolle mehr gespielt, sagte der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Thomas Haldenwang, der Deutschen Presse-Agentur. Bereits jetzt zeige sich, "dass Personen, die in der Vergangenheit mit Positionen aufgefallen sind, die nicht mit unserer freiheitlichen demokratischen Grundordnung vereinbar sind, der AfD-Delegation im kommenden Europäischen Parlament angehören werden".

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