bedeckt München 27°

Europäische Union:Die EU hat uns die gute, alte Glühbirne weggenommen

Eigentlich wäre die Rechnung ganz einfach: Die Glühbirne wandelt nur fünf Prozent der verbrauchten Energie in Licht um, der Rest geht über Abwärme verloren. Energiesparlampen verbrauchen etwa drei Viertel weniger Energie. Dass die Rechnung trotzdem nicht aufgeht, hat verschiedene, vor allem emotionale Gründe. Und das hat nicht nur mit der Birne, sondern auch mit Brüssel zu tun. Bei der Empörung gibt es zwei Ventile, an der ihr die Luft entweichen dürfte.

Die EU: Das Glühbirnenverbot stammt nicht, wie immer gern behauptet wird (zumal von EU-Gegnern, die sich dieses emotional besetzte Thema nur ungern entgehen lassen), aus Brüssel. Sondern vom Schreibtisch des damaligen Umweltministers Sigmar Gabriel aus dem Jahr 2007. Die Idee hatte die deutsche Regierung. Der SPD-Mann nahm sie mit nach Brüssel, auch weil sich die Bundesregierung unter Kanzlerin Merkel gerne als buchstäblich leuchtendes Vorbild in Sachen Klimaschutz präsentieren wollte. Der EU-Gipfel der Staats- und Regierungschefs nickte das Verbot ab, das Parlament mit nationalen Volksvertretern winkte es durch. Die Kommission war vor allem ausführendes Organ, kein Mitgliedsstaat erhob Einspruch.

Die "gute, alte" Glühbirne: Noch wichtiger ist aber, dass die Ökodesign-Richtlinie, auf deren Basis auch das Glühbirnenverbot entstand, nicht Folge eines bürokratischen Vereinheitlichungswahns ist. Mit ihr sollen die EU-Klimaschutzziele erreicht werden und sie ist durchaus nützlich für alle EU-Bürger - und da sind wir wieder bei der eigentlich so einfachen Rechnung. Denn mit Blick auf den Klimawandel lässt sich allen Bedenken mühelos der Saft abdrehen.

  • Quecksilber in Energiesparlampen? Dieses Gift verursachen die Kohlekraftwerke auch. Ohne Energiesparlampen müssten sie noch mehr Strom produzieren, sodass die indirekte Umweltbelastung durch Quecksilber über die klassische Birne fast doppelt so hoch wäre. Außerdem ist der Giftstoff mittlerweile auf höchstens 2,5 Milligramm reduziert und zudem bruchsicher verpackt.
  • Gefahr für die Psyche? Richtig kalt ist nur noch das Licht vor der offenen Kühlschranktür. Neue Energiesparlampen oder LEDs haben längst nicht mehr das bläuliche Licht, dem alle möglichen Schadwirkungen nachgesagt wurden. Es gibt auch keinen wissenschaftlichen Beleg dafür, dass die Lichtfarbe tatsächlich negative Auswirkungen auf die Psyche hat. Und kaum jemand wird hinter einem Lampenschirm das Licht einer Glühbirne von dem einer Energiesparlampe unterscheiden können.
  • Dafür spart jeder Haushalt im Schnitt 25 Euro Stromkosten pro Jahr ein und Gesamteuropa bis 2020 genügend Energie, um elf Millionen Haushalte jährlich zu versorgen.

Wie selbstverständlich die Umstellung eigentlich ist, zeigt auch das Beispiel anderer Länder. Nirgendwo sonst kochte der Volkszorn so hoch wie in Deutschland; und nicht nur die EU verzichtet auf die Birnen, sondern auch die USA, Kanada, Australien und einige weitere Länder.

Hierzulande aber wird, dem Objekt der Empörung entsprechend, sinnlos Energie verschwendet: in Medien, wo von "Leichenhallenlicht" der Energiesparlampen oder Eingriffen in Privatsphäre und Freiheitsrechte die Rede ist. Oder bei Bürgern, die Reste hamstern. Und bei Aktivisten/Geschäftemachern, die allen Ernstes eine "Elektrische Widerstandsgenossenschaft" gründeten und Glühbirnen als "Heatballs" verkaufen wollten. Mit ihrem Ansinnen scheiterten sie zwar vor dem Verwaltungsgericht, aber schon allein wegen des Verkaufsarguments gebührt der Öko-Richtlinie Applaus.

Sabrina Ebitsch

Linktipps: