Zu teuer, zu giftig, zu blaustichig: Viele Verbraucher sträuben sich gegen Energiesparlampen. Doch sind die Vorbehalte gegen die Technik tatsächlich begründet?
Vor dem Fortschritt haben die Deutschen offenbar Angst: Kunden in Baumärkten und Lampengeschäften hamstern Glühbirnen, weil einige Sorten seit dem 1. September aus den Regalen verschwinden: Eine EU-Richtlinie zum Energieverbrauch hat alle matten sowie klaren Glühbirnen mit 100 Watt Leistung mit Produktionsverbot belegt.
Spart sie denn überhaupt Energie, die Energiesparlampe - so manche Verbraucher haben da ihre Zweifel. (© Foto: AP)
Anzeige
Was der Handel stattdessen anbieten darf, Energiesparlampen, Halogenbirnen und LED-Leuchten, die alle deutlich weniger Strom verbrauchen, erscheinen den Kunden offenbar nicht akzeptabel.
Selten wohl hat eine Verordnung aus Brüssel intimere Gewohnheiten berührt. Die Deutschen lieben es zu Hause eher höhlenmäßig, was das Licht angeht. Das Licht der klassischen Glühbirne erinnert sie an wärmendes Kerzenlicht. Das angeblich "kalte" Licht der neuen Leuchten, das mehr Grün und Blau enthalten kann, bleibt daher in Ungnade.
Die Vorliebe für warme Lichtfarben ist eine kulturelle Besonderheit vor allem der Nordeuropäer. Im Süden suchen die Menschen im Haus eher Zuflucht vor der Hitze des Tages und mögen kühles Licht mit einem höheren Blauanteil.
Interessant ist auch, dass die durchaus als wärmend empfundene Strahlung der Sonne ein ganz anderes Spektrum als Glühbirnen besitzt. Sonnenlicht enthält viel mehr Grün und Blau. Im Freien gefällt das den meisten Menschen. Eine Energiesparlampe im Wohnbereich, die ähnliches Licht abstrahlt, empfinden Nordeuropäer als ungemütlich.
Wo die Technik der Lebenskultur derart nahekommt, haben irrationale Argumente Konjunktur. Die meisten Einwände gegen die von der EU sanktionierte neue Leuchtmitteltechnik sind aber unbegründet. Hier die Antworten auf zehn Mythen:
Energiesparlampen sparen keine Energie, weil ihre Herstellung viel aufwendiger ist als die von Glühbirnen.
Tatsächlich wird bei der Produktion einer Energiesparlampe etwa zwölfmal so viel Energie aufgewendet wie bei einer Glühbirne, wie eine Studie der EU-Kommission vom Oktober 2008 zeigt: 12 Megajoule Primärenergie statt einem Megajoule (gut drei Kilowattstunden statt einer Viertelkilowattstunde).
Bei beiden wird ein Vielfaches schon für den Vertrieb aufgewandt: 52 Megajoule. Doch weil der Energieverbrauch im Betrieb bei beiden Produkten den der Herstellung bei weitem übertrifft, hat die Sparlampe den Überschuss schnell aufgeholt. Sie steht, wenn man den gesamten Energieverbrauch während der Lebensdauer zusammenrechnet, viel besser da als eine konventionelle Glühbirne.
Der Vergleich lief zwischen einer matten Glühdrahtlampe mit effektiv 54 Watt und einer Energiesparlampe von 13 Watt; beide erzeugen etwa gleich viel Licht: 572 gegenüber 559 Lumen. Pro Lichteinheit und Stunde verbraucht die Glühbirne 1085 Joule, bei der Energiesparlampe sind es alles in allem 276 Joule. Sie spart also drei Viertel der Energie.
Energiesparlampen sparen wegen ihres hohen Anschaffungspreises kein Geld.
Die EU-Studie hat auch die Kosten berechnet, die über die gesamte Lebensdauer pro Betriebsstunde entstehen. Sie betragen bei der Glühbirne 0,86 Cent und bei der Energiesparlampe 0,27 Cent. Die Ersparnis liegt also bei etwa zwei Dritteln. Im wirklichen Leben allerdings dürfte der Vorteil etwas geringer ausfallen, so die EU-Forscher.
Die Energiesparlampe schafft zwar 6000 Stunden Leuchtdauer, für die Wissenschaftler übersetzt sich das in 7,5 Jahre. Für die Glühbirne rechnen sie aber anders und setzen 1000 Stunden und 2,5 Jahre an. Offenbar nehmen die Forscher an, dass Kunden eine Energiesparlampe öfter angeschaltet lassen als eine Glühbirne, weil sie weniger Strom verbraucht. In den 2,5 Jahren Lebenszeit kosten Anschaffung der Glühbirne und der verbrauchte Strom 8,60 Euro.
Etwa genauso viel Geld fällt für die Energiesparlampe in denselben 30 Monaten an, aber dann leuchtet sie noch fünf Jahre weiter zu deutlich geringeren Stromkosten. Über die 7,5 Jahre gerechnet, kostet sie 16,23 Euro, während drei Glühbirnen 25,80 Euro kosten. Die Ersparnis liegt unter realistischen Bedingungen also bei etwa einem Drittel.
Allerdings sind dabei die Preisannahmen der Forscher wichtig. In der Modellrechnung kostet die Energiesparlampe vier Euro mehr als die Glühbirne. Auch bei einer doppelt so hohen Differenz würde sich die teuere Birne rechnen, aber erst nach etwas mehr als fünf Jahren.
Umgekehrt wirkt sich eine weitere Annahme der Forscher aus. Sie setzen einen Strompreis von gut 15 Cent pro Kilowattstunden an. Wer eher 20 Cent pro Kilowattstunde zahlt, wie in Deutschland üblich, macht früher und mehr Plus beim Umstieg.
Daraus kann man auch Grenzen der Wirtschaftlichkeit berechnen. Der Studie der EU-Kommission zufolge lohnt sich eine Energiesparlampe erst dort, wo sie im Lauf der Jahre 2500 Stunden brennen muss. Mit veränderten Preisannahmen kommen andere Experten auf Schätzungen um die 1500 Stunden Licht. Im Abstellraum, wo die Birne pro Woche auf eine Stunde kommt, erreicht sie ihren Break-even-Point vielleicht nach 30 Jahren -, falls sie dann noch funktioniert.
Sie sind jetzt auf Seite 1 von 3 nächste Seite
- Thema
- Energiesparlampe RSS
- Montagsfrage "Was bringt das Glühbirnenverbot?" 31.08.2009
- Abschied von der Glühbirne Langsam gehen die Lichter aus 27.08.2009
- Osram-Chef Goetzeler Der Mann fürs Leuchten 31.08.2009
- Kostspielige Energie Erzwungene Erleuchtung 28.08.2009
- Glühbirne adé Lumen und Kelvin sind da 24.11.2009
- LED-Lampen im Test Leuchtkraft für Jahrzehnte 19.11.2009
- Studie zu Energiesparlampen Krank durch die Birne? 17.09.2009
Harte Kritik des Bayern-Präsidenten
Der Autor hat sich ja nun einen unideologischen, faktenreichen Artikel verfasst, aus dem hervorgeht, dass unter Energieverbrauchs-Gesichtspunkten, eine Energiesparlampe im Dauer- bzw. Langzeitbetrieb ein nennenswertes Einsparpotential erreicht.
Ich habe nun folgende Frage: Wie fällt denn die Bilanz bei überwiegendem Kurzzeitbetrieb aus? Folgendes Fallbeispiel sie dazu angeführt:
Damit der Zeitungsbote in der Dunkelheit nicht stolpert, haben wir die Außenbeleuchtung in unserer Grundstückseinfahrt mit einem Bewegungsmelder versehen. Die Zeitschaltung ist dabei relativ kurz eingestellt, ca. 15 sec, eben um Energie einzusparen. Wir wollen jetz die Glühbirnen durch Energiesparlampen mit vergleichbarer Leuchtstärke ersetzen.
Ich habe im Hinterkopf, dass das Zündgerät bei einer Leuchtstofflampe zur Zündung relativ viel Energie benötigt und zusätzlich jeder Einschaltvorgang die Lebensdauer der Lampe verkürzt. Ist das tatsächlich so?
Ist es unter diesen Umständen sinnvoll eine Leuchtstofflampe einzusetzen, oder sollte besser ein anderer Lampentyp verwendet werden?
Bei welcher Brenndauer ist eigentlich der Break-Even zwischen Glühlampe und Energiesparlampe erreicht?
Es ist sicherlich nicht nur für mich interessant eine qualifzierte Aussage zu bekommen - schließlich hat jedes Haus eine Grundstückseinfahrt.
Neugierige Grüße,
JFH1962
Ja und wie weiter. Die EU macht sich nach der Gurkenkrümmung weiter lächerlich und provoziert bei vielen Bürgern den Gedanken, das die EU überflüssig ist. Dabei gibt es auch viel Gutes, aber die Kleinkarierten und vor allem viel zu viel Parlamentarier machen mehr als falsch als richtig. Bürokratie in Hochform. Worüber sich ein EU Parlament zu kümmern hat und verbindliche Festlegungen für alle Länder zu treffen hat ist mehr als überfällig. Sie führen sich auf wie Halbgötter und Seher. Bei wichtigen Dingen, wie der Finanzkrise verharrten sie im Tiefschlaf. Man kann das nicht akzeptieren, auch wenn es nur die politisch zweite Reihe ist.
Niemand hat Bedarf an den Schildbürgerambitionen der Politik. Diese führen eher zu Vorurteilen gegen die Sparlampen. Ich möchte selbst entscheiden, wo ich Sparlampen einsetze oder Glühlampen, z.B. im Keller oder auf dem WC.
"Ansonsten sollte der Käufer innerhalb des Sortiments eines Herstellers die Produkte mit kürzerer Lebensdauer wählen, wenn das Licht schnell angehen soll.
Das ist ja ein super Umwelttip."
Der Tip hört sich zwar merkwürdig an, hat aber schon eine technische Begründung: Die lange Lebensdauer wird durch ein langsames Vorheizen der Elektroden erreicht, die dadurch weniger verschleißen, aber es dauert eben auch länger bis der volle Lichtstrom erreicht ist. Deshalb gibt es von den meisten Herstellern verschiedene Typen, die dann entweder auf kurze Einschaltzeit oder lange Lebensdauer ( und/oder andere Kriterien) optimiert werden.
Allerdings glaube ich nicht, dass diese Methode immer zum erfolg führt, weil es sicher auch Lampen gibt, die sowohl in der Lebensdauer als auch in der Einschaltzeit einfach schlechter als andere sind (und dann hoffentlich wenigstens billiger).
Ist doch ganz einfach:
Wo wir uns in Kürze sowieso schon keine Wurst mehr auf dem Brot leisen können, und Energie ja praktisch täglich teurer wird, würde ich sagen, der Markt regelt das von selbst.
Denn wer Licht braucht und aufs Geld schauen muss, der wird sich ganz bestimmt die ewig haltbaren und unmenschlich hellen Röhren kaufen. Ist ja klar oder, wer will schon sein Geld zum Fenster rauswerfen? Tja, und wer sich's leisten kann oder immer nur 2xtäglich 3 Minuten das Licht anknipst, der wird auch weiterhin Glühlampen verwenden.
Wozu man hier ein Gesetz braucht, ist mir vollkommen schleierhaft.
DW
Paging