Erdbeben in Nepal Pakistan will den Großen nicht das Feld überlassen

Das Interesse an dem lange ignorierten kleinen Nachbarn erwachte mit der wachsenden Wirtschaftsmacht und auch geopolitischen Interessen. Die Politiker in Peking wissen, dass schnelle Hilfe in Nepal und das Versprechen größeren Engagements in der Zukunft kurzfristig dem Image ihres Landes dienen und ihm mittelfristig sicherheitspolitisch nützen können. Analysten beobachten nun also einen zunehmenden Wettlauf um Einfluss in Nepal, mit im Rennen sind dabei nicht nur Indien und China, sondern auch die dritte Atommacht der Region, Pakistan.

Den Riesen das Feld als Wohltäter zu überlassen, das kommt für die Regierung in Islamabad nicht infrage. Es ist eine Frage des Stolzes. Und wo Indien Flagge zeigt, da will Pakistan ohnehin nicht fehlen. Zugleich sind vor allem chinesische Diplomaten bemüht, die Konkurrenz der Mächte herunterzuspielen. Im Gespräch mit der indischen Zeitung Hindustan Times bezeichnete der chinesische Botschafter in Nepal alle drei Länder - Indien, China und Pakistan - als Brüder. "Es gibt keinen Platz für Differenzen." Der Diplomat versuchte damit auch Gerüchte zu zerstreuen, nach denen China angeblich Nepal gebeten habe, indische Rettungsteams aus Gebieten nahe ihrer Grenze fernzuhalten. Solche Meldungen sorgten in Delhi für Unruhe, der Argwohn gegenüber China ist groß, der Streit um den Verlauf bestimmter Grenzabschnitte im Himalaja ist noch immer nicht beigelegt. 1962 führten die beiden Länder deswegen Krieg, er ist noch nicht vergessen.

Nepal wiederum, das zwischen den beiden Riesen liegt, mag klein erscheinen. Aber es verfügt über große Wasserreserven und nährt viele Flüsse der Region. Sowohl Peking als auch Delhi treiben Pläne voran, den Gebirgsstaat Nepal durch neue Eisenbahnverbindungen und Straßen besser anzubinden und somit den Handel auszubauen. Das eröffnet dem kleinen Land viele Chancen, aber auch einige Risiken. Denn es kann auch schnell in die Rivalitäten zwischen Indien und China hineingezogen werden.

China baut Straßen, Nudelfabriken in Nepal - und bald auch Dämme

In den Beziehungen Pekings zu Nepal spielt zunehmend eine Rolle, dass die chinesische Mittelschicht im vergangenen Jahrzehnt das Reisen entdeckt hat. Als die Erde in Nepal bebte, waren dort 4000 chinesische Touristen unterwegs. Außerdem ist in Peking das Jahr 2008 nicht vergessen: Damals erschütterten große anti-chinesische Proteste der 20 000 in Nepal lebenden Tibeter das Land. Die Führung in Peking möchte gerne mehr Einfluss auf die Regierung in Kathmandu gewinnen, um mit deren Hilfe die Aktivitäten der Exiltibeter in Zaum zu halten.

Aus chinesischer Sicht ist das Engagement in Nepal bislang ein voller Erfolg. 2014 überholte China erstmals Indien als größter Investor im Land. Pekings Ingenieure bauen nicht nur Straßen und Nudelfabriken, sie planen große Dämme für die bislang weitgehend unerschlossenen Flusstäler Nepals, im April erst bekam Chinas "Drei-Schluchten"-Konzern den Auftrag für ein Projekt mit einem Gesamtvolumen von 1,6 Milliarden US-Dollar. Nepals Elite liebt chinesische Konsumgüter wie Handys und Kühlschränke. Dennoch ist Pekings Engagement nicht riesig. "Wenn man bedenkt, dass Nepal an einer von Chinas heikelsten Grenzen liegt", schrieb der nepalesische Politikwissenschaftler Ashok Gurung im Portal Chinafile, "überrascht es mich, dass Chinas Engagement dort eigentlich ziemlich klein ist verglichen mit Ländern ähnlicher Größe in Afrika."

Das kann sich nun ändern, da ein Wiederaufbau gewaltigen Ausmaßes ansteht: Mit seinem Heer von Ingenieuren und Bauarbeitern und fast unermesslichen Devisenreserven startet China von der besten Position aus.