Als der ideale Bundespräsident gilt vielen bis heute Richard von Weizsäcker (1984-1994). Das liegt nicht nur an seiner berühmten Rede zum 8. Mai 1985, dem Jahrestag des Kriegsendes, mit der Weizsäcker sich ohne Hintertürchen zur historischen Schuld der Deutschen bekannte. Weizsäcker verband intellektuelle Brillanz mit Eloquenz, eine Kombination, die wie geschaffen für das Präsidentenamt war. Denn viel zu sagen hat ein Bundespräsident nicht, er muss darauf hoffen, mit seinen Reden etwas zu bewirken. Weizsäcker war ein politischer Präsident, der mit unbequemen Ansichten keineswegs hinter dem Berg hielt, sehr zum Ärger seines Widersachers im Kanzleramt, Helmut Kohl. Etwa, als er die "Machtvergessenheit und Machtversessenheit" der politischen Klasse in Deutschland geißelte. Gäbe es eine Direktwahl des Bundespräsidenten, hätte Richard von Weizsäcker nie um eine Mehrheit fürchten müssen. Am 31. Januar 2015 verstarb er im Alter von 94 Jahren.

Bild: dpa 8. Februar 2017, 09:342017-02-08 09:34:59 © SZ/mb/segi/jobr/odg/liv