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Bundespräsident äußert sich zu umstrittenem Privatkredit:Wulff gesteht Fehler ein

"Ich erkenne an, dass hier ein falscher Eindruck entstehen konnte": Der Bundespräsident bricht sein Schweigen in der Kredit-Affäre. Es sei ein Fehler gewesen, dem niedersächsischen Landtag einen Privatkredit in Höhe von 500.000 Euro zu verschweigen, räumt Wulff ein. Jetzt will er sämtliche Unterlagen offenlegen.

Bundespräsident Christian Wulff hat sein bisheriges Schweigen zu dem umstrittenen Privatkredit von 500.000 Euro bedauert: "Ich erkenne an, dass hier ein falscher Eindruck entstehen konnte. Ich bedauere das", erklärte Wulff in Berlin.

"Es wäre besser gewesen, wenn ich auf die Anfrage der niedersächsischen Abgeordneten im Landtag über die konkreten Fragen hinaus auch diesen privaten Vertrag mit Frau Geerkens erwähnt hätte, denn in der Sache hatte und habe ich nichts zu verbergen."

Weiter erklärte Wulff in einer Mitteilung: "Ich verstehe das Interesse der Öffentlichkeit und der Medien. Auch im Interesse der Trennung von Amt und Person werde ich die Vertragsunterlagen und weitere Papiere bei einem Anwaltsbüro hinterlegen, damit interessierte Medien sie einsehen können."

Wulff war wegen eines Kredits der Unternehmergattin Edith Geerkens aus dem Jahr 2008 in die Kritik geraten. Zu dieser Zeit war er noch Ministerpräsident in Niedersachsen. Den Kredit hat Wulff nach eigenen Angaben für den Kauf seines Privathauses verwendet und später durch ein reguläres Bankdarlehen abgelöst.

Im Landtag war er im Jahre 2010 nach etwaigen geschäftlichen Verbindungen zu dem Unternehmer Egon Geerkens befragt worden, der in Niedersachsen ein weites Geflecht an Beziehungen zu Politikern aus allen wichtigen Parteien unterhielt. Wulff hatte eine Geschäftsbeziehung zu Geerkens verneint, dabei aber den Darlehensvertrag mit dessen Frau unerwähnt gelassen.

SPD-Fraktionsgeschäftsführer Oppermann zollt Wulff Respekt

Der Kredit ist aber nicht das einzige Thema, bei dem sich der Präsident rechtfertigen muss: Die SPD-Fraktion in Hannover will jetzt auch die Urlaube Wulffs prüfen und drängt mit einer kleinen Anfrage auf die Auflistung sämtlicher Privatreisen des damaligen Ministerpräsidenten zwischen 2003 und 2010. Die Sozialdemokraten wollen herausfinden, ob Wulff dabei private Unterkünfte genutzt hat.

Wulff hatte unter anderem seinen Weihnachtsurlaub 2009 in der Villa des Unternehmers Egon Geerkens in Florida verbracht, im Sommer 2010, schon als Bundespräsident, machte er auf Mallorca Ferien in einem Haus des Unternehmers Carsten Maschmeyer. Die Grünen im Landtag wollen zudem wissen, ob Wulff in seiner Zeit als Ministerpräsident mit der Annahme des Kredits gegen das Ministergesetz des Landes verstoßen hat.

Die Bundes-SPD zollt Wulff unterdessen Respekt für sein Eingeständnis, in der Kredit-Affäre Fehler gemacht zu haben. Der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, Thomas Oppermann, begrüßte die Erklärung des Bundespräsidenten: "Jeder Mensch kann Fehler machen". Offenbar wolle Wulff nun zur Aufklärung beitragen. Das sei in seinem ureigenen Interesse.

Der Parlamentarische Geschäftsführer der CDU/CSU-Fraktion, Peter Altmaier, fordert jetzt ein Ende der Debatte über den Bundespräsidenten. Wulff habe sich schnell, umfassend und angemessen geäußert, sagte Altmaier der Saarbrücker Zeitung. Die Erklärung verdiene Anerkennung und Respekt, betonte der CDU-Politiker.

Die Erklärung des Bundespräsidenten können Sie hier im Wortlaut nachlesen.

© sueddeutsche.de/dpa/olkl
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