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Filminvestor David Groenewold:Der Freund, der Wulff das Amt kostete

Der Bundespräsident verliert sein Amt wegen undurchsichtigen Verbindungen zu seinem reichen Freund und Wohltäter David Groenewold. Dieser präsentiert sich als smarter Selfmademan. Von einer anderen Seite lernten den Filmfinanzier diejenigen kennen, die in seine Fonds investiert haben: Sie beschreiben ihn als "charismatisch" - und als "Betonwand".

Oliver Das Gupta

Sperrvermerk über Sperrvermerk: Wer über David Groenewold in Medienarchiven stöbert, findet eine ungewöhnliche Anzahl von Artikeln, aus denen nicht zitiert werden darf. Es ist ein Indiz dafür, wie aktiv der Filmfinanzier gegen Berichterstattung vorgeht, die er für unliebsam hält. Oder gegen Berichterstattung, die er für ungerecht hält.

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Galt bislang als Größe in der Filmbranche: Moderatorin Sabine Christiansen und Produzent David Groenewold im Jahre 2006.

(Foto: dapd)

Das resolute Vorgehen von Groenewolds Anwälten konnte allerdings nicht verhindern, dass sich Journalisten im Zuge der Affären um Christian Wulff immer weiter in sein undurchsichtiges Konglomerat aus Firmen, Fonds und Freundschaften wühlten. Zutage kamen eine Bürgschaft, die er vom Land Niedersachsen erhielt, als Wulff dort Ministerpräsident war. Und ein Hotelaufenthalt von Wulff und Frau Bettina 2007 auf Sylt. Es ist eine Wühlarbeit, die schließlich zum Rücktritt seines Freundes als Bundespräsident führte und die nach wie vor weitergeht: Wenige Stunden, nachdem Wulff seinen Posten geräumt hatte, wurden ominöse Besuche Groenewolds in der niedersächsischen Staatskanzlei bekannt.

Den Umgang mit Geld scheint der 1973 in Berlin zur Welt gekommene Film-Unternehmer gelernt zu haben. Sein Vater ist Steueranwalt und hatte auch mit dem Film-Business zu tun. Groenewold Junior ist ein Sohn aus gutem Hause, schrieb einmal die FAZ, und so lesen sich auch seine Ausbildungsstationen: Abitur im Eliteinternat Salem, danach Studium an der London School of Economics. Die Fächer lauten Volkswirtschaftslehre und Politik - eine Kombination, die wie ein Fanal wirkt. Der Start ins Berufsleben war angeblich nicht leicht, zumindest erzählte er vor ein paar Jahren der Bild-Zeitung: "Ich habe wie ein Berserker meine Visitenkarten verteilt und auf einen Rückruf gehofft."

Aus dem Kanzleramt zu Groenewold in den Club

Schließlich gründete er den Medienfonds German Filmproductions, kurz GFP, später folgten zwei weitere Fonds, genannt GFP II und GFP III. Man konzentrierte sich darauf, deutsche Produktionen zu finanzieren - ein Konzept, das mehr als 2800 Investoren überzeugte: "Das klang doch prima", sagt ein Anleger aus Nordbayern zu Süddeutsche.de. "Die heimische Filmwirtschaft ist doch solide", fasst ein anderer Geldgeber aus Norddeutschland zusammen. Er steckte eine fünfstellige Summe in den Fonds. Insgesamt kamen gut 100 Millionen Euro zusammen.

Die Ergebnisse waren durchaus vorzeigbar: Der 2003 ausgestrahlte Fernsehzweiteiler "Das Wunder von Lengede" war einer von Groenewolds frühen größeren Erfolgen - bei den Dreharbeiten soll er Christian Wulff kennengelernt haben.

Die beiden machten aus ihrer Nähe kaum einen Hehl, wie schon der Spiegel in einem Artikel kurz vor Wulffs Wahl zum Staatsoberhaupt beschrieb: Demnach traf am Abend des Tages, als Kanzlerin Angela Merkel mit Wulff über eine mögliche Kandidatur sprach, der Ministerpräsident abends "im noblen Berliner Privatclub 'Soho House' auf seinen Freund Groenewold".

Dass Groenewold nicht unbedingt Privates von Beruflichem trennt, deutete er durchaus an: "Ich würde nie einen Film machen mit Leuten, mit denen ich nicht auch abends ein paar Gläser Wein trinken möchte", sagte er vor ein paar Jahren. Der Produzent Oliver Berben, die Schauspielerin Alexandra Neldel, der Kult-Regisseur Helmut Dietl - mit ihnen und anderen Prominenten umgab sich Groenewold. Mit seiner Firma Odeon Film, an der er immer noch beteiligt ist, produzierte er Kinoerfolge wie "Der Wixxer" oder "Vom Suchen und Finden der Liebe".

Produzent bei "Zettl - unschlagbar charakterlos"

Der Film von Helmut Dietl, "Zettl - unschlagbar charakterlos", wurde ebenfalls von Groenewold produziert. Er galt als großzügig und glamourös, er lud ins Adlon ein und schmiss Berlinale-Partys im Hochhaus des Axel Springer Verlages - finanziert "aus dem bestehenden Marketingetats der Fonds", wie Groenewolds Anwalt Christian-Oliver Moser nun auf SZ-Anfrage erklärt. Die Sausen fanden Gefallen: Die Prominenz (und auch Journalisten) kamen gerne, warum auch nicht: Groenewold galt als feste Größe im Filmbusiness.

Doch seit einiger Zeit gibt es Probleme: Groenewold kämpft gerade wegen der Causa Wulff. Es gibt noch eine andere Front: Da geht es um enttäuschte Investoren. 2010 wurde er schon zu 250.000 Euro Schadensersatz verdonnert, die er Kunden einer Firma zahlen musste, an der er 50 Prozent der Anteile hielt.

Und inzwischen machen auch Kommanditisten seiner GFP-Medienfonds Stunk, denn es lief nicht so rund, wie der Mann, den eine Finanzberaterin einst als "äußerst vertrauenserweckend" erlebte, früher in Aussicht gestellt hatte.

Das lag auch an der Politik: Die Bundesregierung stoppte die steuerliche Förderung solcher Fonds im Jahr 2005. Das Steuer-Aus war bitter für die Großen der Branche, aber auch für die Kleineren wie Groenewold, der seine Projekte in die Medienfonds GFP I bis III packte. Die Investoren haben viel Geld in seine Fonds gesteckt, zu Ausschüttungen kam es kaum - und das, obwohl GFP-Geld doch in der Odeon Film AG steckte.

"Groenewold ist eisenhart"

Einige der enttäuschten Anleger ziehen vor Gericht, andere haben aufgegeben; manche sagen, sie hätten Angst.

Die SZ hat mit fast einem Dutzend Anlegern gesprochen, deren Schilderungen weitgehend übereinstimmen. Sie attestieren Groenewold einerseits "Charisma" und andererseits ein drastisch-resolutes Auftreten, als es nicht mehr so gut lief: "Er ist eisenhart", sagt ein Anleger, der ihn zweimal in München erlebt hat: "Der wirkte wie eine Betonwand."

Nun, da der Bundespräsident kapituliert hat, könnte die Wand Risse bekommen. Denn die Staatsanwaltschaft will nicht nur gegen Wulff ermitteln, sondern auch gegen Groenewold.

© Süddeutsche.de/odg/rus
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