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Die Bundespräsidenten:Joachim Gauck und seine Vorgänger

Richard, der Überragende, Heinrich, der Vielbelachte und Horst, der sich von dannen machte. Eine kleine Geschichte der Bundespräsidenten von Heuss bis Gauck in Bildern.

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Quelle: AP

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Vor Bundespräsident Joachim Gauck amtierten zehn Männer als Staatsoberhäupter der Bundesrepublik: etwa Richard, der Überragende, Heinrich, der Vielbelachte und Horst, der sich einfach von dannen machte: Das höchste politische Amt in Deutschland wurde von unterschiedlichsten Charakteren ausgeübt. Nicht immer würdevoll. Eine kleine Geschichte der Bundespräsidenten.

Zu den prägenden Gestalten gehörte zweifellos Theodor Heuss (1949-1959) - auch weil er der erste Präsident war und damit für lange Zeit den Charakter des Amtes prägen konnte. Heuss war mit seiner bildungsbürgerlichen Ausstrahlung, seinem sonoren Schwäbisch und seinem großväterlichen Gestus geradezu eine ideale Figur, um das friedliche, demokratische Deutschland nach zwölf Jahren Nazi-Diktatur zu repräsentieren. "Papa Heuss" war zwar neben dem machtbewussten Kanzler Konrad Adenauer kein politisch starker Präsident, aber er war für viele Deutsche eine vertrauenserweckende Bezugsperson.

Bundespräsident Richard von Weizsäcker: Rede zum Kriegsende

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Als der ideale Bundespräsident gilt vielen bis heute Richard von Weizsäcker (1984-1994). Das liegt nicht nur an seiner berühmten Rede zum 8. Mai 1985, dem Jahrestag des Kriegsendes, mit der Weizsäcker sich ohne Hintertürchen zur historischen Schuld der Deutschen bekannte. Weizsäcker verband intellektuelle Brillanz mit Eloquenz, eine Kombination, die wie geschaffen für das Präsidentenamt war. Denn viel zu sagen hat ein Bundespräsident nicht, er muss darauf hoffen, mit seinen Reden etwas zu bewirken. Weizsäcker war ein politischer Präsident, der mit unbequemen Ansichten keineswegs hinter dem Berg hielt, sehr zum Ärger seines Widersachers im Kanzleramt, Helmut Kohl. Etwa, als er die "Machtvergessenheit und Machtversessenheit" der politischen Klasse in Deutschland geißelte. Gäbe es eine Direktwahl des Bundespräsidenten, hätte Richard von Weizsäcker nie um eine Mehrheit fürchten müssen. Am 31. Januar 2015 verstarb er im Alter von 94 Jahren.

Gustav Heinemann während seiner Vereidigung zum Bundespräsidenten, Bonn 1969

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Weitaus weniger glanzvoll, aber auf seine Art auch prägend war Gustav Heinemann (1969-1974). Heinemann war der erste Sozialdemokrat im Präsidentenamt und scheute sich nicht, seine Wahl im Frühjahr 1969 als "ein Stück Machtwechsel" zu bezeichnen. Tatsächlich kam es wenige Monate später zur sozial-liberalen Koalition in Bonn. Heinemann war ein eher spröder Präsident, dem alles Pathetische fremd war, der aber eine große moralische Integrität ausstrahlte. In Erinnerung geblieben ist vor allem sein Satz, er liebe nicht sein Land, sondern seine Frau.

Walter Scheel in der Debatte der Ostverträge, 1972

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Zu den unauffälligen Präsidenten, aus deren Amtszeit eher das Folkloristische überliefert ist, gehörten Walter Scheel und Karl Carstens. Scheels politische Verdienste liegen vor seiner Zeit als Präsident (1974-1979). Er nahm als FDP-Chef das Wagnis auf sich, seine Partei in eine sozial-liberale Koalition zu führen, und in seine Amtszeit als Außenminister fiel die politisch heftig umkämpfte neue Ostpolitik. Sein Amt als Präsident versah der fast immer gut gelaunte Scheel mit heiterer Würde. Zu seinem Ruf als Frohnatur trug vor allem sein Ausflug in die Volksmusik bei, den Scheel "Hoch auf dem gelben Wagen" bestritt. Scheel starb hochbetagt im Jahre 2016.

KOHL UND CARSTENS

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Auch Karl Carstens (1979-1984) hat kaum bleibende Spuren hinterlassen. Der Christdemokrat - in seiner parteipolitisch aktiven Zeit eher als konservativer Scharfmacher in Erscheinung getreten - ist ebenfalls mit einer volkstümlichen Komponente im Gedächtnis haften geblieben: Er war ein begeisterter Wanderfreund und legte in seiner Amtszeit mehr als 1500 Kilometer zurück, stets begleitet von einem großen Tross nicht minder wanderlustiger Bürger. Diese Aufnahme zeigt Carstens im Oktober 1982 mit Helmut Kohl an dem Tag, als er diesen zum Kanzler ernannte.

Roman Herzog, 1998

Quelle: ag.ap

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Roman Herzog (1994-1999) hätte als ehemaliger Präsident des Bundesverfassungsgerichtes eigentlich das Zeug gehabt, ein wirklich großer Präsident zu werden. Aber Herzog, hochgebildet und mit einer mitunter beißenden Spottlust gesegnet, hat mehr Erwartungen aus- als eingelöst. Im April 1997 forderte Herzog in seiner "Berliner Rede", durch Deutschland müsse "ein Ruck" gehen - doch der Ruck ist dann ausgeblieben.

JOHANNES RAU

Quelle: ag.ap

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Eher umgekehrt verhielt es sich bei Johannes Rau (1999-2004), dem zweiten SPD-Politiker im Amt des Bundespräsidenten. Für Rau war es die Erfüllung eines politischen Lebenstraumes, doch es gelang ihm nicht, die Wirkung zu entfalten, die er sich erhofft hatte. Seine Reden hatten Substanz, fanden jedoch kaum Resonanz, worunter Rau erkennbar litt.

HEINRICH LUEBKE

Quelle: ag.ap

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Er galt lange als unglücklichste Figur unter den Bundespräsidenten:Heinrich Lübke (1959-1969). Mit seiner unbeholfenen Art und ständigen Versprechern lieferte er die Vorlage für unzählige Präsidentenwitze. "Meine Damen und Herren, liebe Neger", ist einer dieser Lübke-Klassiker, die bis heute für Lacher sorgen.

Horst Koehler

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In gewisser Weise stolperte auch er über einen Versprecher. So zumindest betrachtete Horst Köhler (2004-2010) jenes unglückliche Zitat, das seinen Rücktritt als Bundespräsident einleitete.

Nach einem Truppenbesuch in Afghanistan sagte der CDU-Politiker in einem Rundfunkinterview: "Meine Einschätzung ist (...), dass (...) wir auf dem Wege sind, doch auch in der Breite der Gesellschaft zu verstehen, dass ein Land unserer Größe mit dieser Außenhandelsorientierung und damit auch Außenhandelsabhängigkeit auch wissen muss, dass im Zweifel, im Notfall auch militärischer Einsatz notwendig ist, um unsere Interessen zu wahren, zum Beispiel freie Handelswege (...)." Nicht wenige lasen aus diesen Worten des Bundespräsidenten das Bekenntnis zu einem Militäreinsatz aus wirtschaftlichen Interessen - was dieser aber nie so gemeint haben wollte.

Weil er nicht die politische Rückendeckung bekam, die er sich gewünscht hätte, nahm Köhler am 31. Mai 2010 - wie mancher Beobachter konstatierte: beleidigt - seinen Hut. So hat er dann doch noch einen bleibenden Eindruck hinterlassen: Nicht als politische Führungsgestalt, sondern als erster Bundespräsident, der das Amt freiwillig niederlegte. (Lübke hatte aus Krankheitsgründen wenige Wochen vor seinem offiziellen Amtsende auf eine weitere Pflichtausübung verzichtet.) Bei seiner feierlichen Verabschiedung mit militärischen Ehren, dem Zapfenstreich, wurde auf Wunsch des Ex-Präsidenten der St. Louis Blues March gespielt, mit der vielsagenden Liedzeile: "Ich packe meinen Koffer und mache mich aus dem Staub."

Neujahrsempfang des Bundespräsidenten

Quelle: dpa

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Sein Vorgänger war regelrecht aus Schloss Bellevue geflüchtet und hatte damit das Amt des Bundespräsidenten beschädigt, wie mancher Kommentator kritisierte. Man könnte also sagen, Christian Wulff (2010 - 2012), der Köhler als erster Mann im Staat nachfolgte, stand von Beginn an unter einem großen Erwartungsdruck. Man könnte aber auch sagen, der niedersächsische Ministerpräsident hatte es besonders leicht: Sehr viel schlechter als sein Vorgänger konnte es Wulff schließlich nicht machen. Dachte man.

Doch nach einem frühen Höhepünktchen - Wulffs polarisierende Rede zum Islam in Deutschland am 3. Oktober 2010 - und vielen Wochen und Monaten des Schweigens folgte Ende 2011 ein Tiefpunkt auf den nächsten. Mitte Dezember wurde bekannt, dass Wulff noch in seiner Zeit als niedersächsischer Ministerpräsident einen Privatkredit von dem befreundeten Unternehmerpaar Geerkens angenommen und dies dem niedersächsischen Parlament verschwiegen hatte. Wulff äußerte sich erst spät - nach Meinung seiner Kritiker: zu spät - zu der Kredit-Affäre und räumte Fehler bei der öffentlichen Kommunikation des Darlehens ein.

Kurz darauf wurde bekannt, dass Wulff versucht hatte, eine entsprechende Veröffentlichung der Bild-Zeitung zu verhindern. Bestätigt sind eine Nachricht auf der Mailbox des Chefredakteurs Kai Diekmann sowie ein Telefonat mit Mathias Döpfner, dem Chef des Springer Verlags. Selbst bei Friede Springer persönlich soll Wulff interveniert haben.

Nach einem bis dahin nicht dagewesenen Fernsehinterview Wulffs, das von der Presse heftig kritisiert wurde, schien der Präsident die Affären im Amt aussitzen zu wollen - doch dann wurden die tatsächlichen und mutmaßlichen Zuwendungen des Filmfinanziers David Groenewold an Wulff publik. Als die Staatsanwaltschaft Ermittlungen aufnahm wegen des Verdachts der Vorteilnahme, trat Wulff am 17. Februar zurück - nach nicht einmal 600 Tagen im Amt. Im Februar 2014 wurde Wulff vom Vorwurf der Vorteilsnahme freigesprochen.

Bundespräsidentenwahl

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Die Suche nach einem parteiübergreifenden Nachfolger endete mit einer Niederlage für die Kanzlerin: Gegen ihren Willen drückte der kleine Koalitionspartner FDP den ehemaligen DDR-Bürgerrechtler Joachim Gauck als Kandidaten von Liberalen, Union, Grünen und SPD durch.

Diese Volte war der Harmonie in der schwarz-gelben Koalition zwar nicht sonderlich zuträglich, garantierte aber eine glatte Wahl in der Bundesversammlung: Am 18. März wählte sie den damals 72 Jahre alten Bürgerrechtler im ersten Wahlgang mit 991 Stimmen zum elften Präsidenten der Bundesrepublik Deutschland. Fünf Tage später legte der ehemalige Pfarrer seinen Amtseid ab und hielt seine erste Grundsatzrede. Auf eine Wiederwahl verzichtet er aus Altersgründen. Aussichtsreichster Kandidat für seine Nachfolge ist der Sozialdemokrat Frank-Walter Steinmeier.

© SZ/mb/segi/jobr/odg/liv
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