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Democracy Lab:Welche Folgen unsere Lebensweise für die Umwelt hat

Stuttgart am Neckartor Demo der Umweltaktivisten gegen Autoverkehr und fuer saubere Luft Demo am

Deutschland bekommt immer mehr die Kehrseiten seines wichtigsten Industriezweiges zu spüren. Ein Demonstrant gegen Feinstaub am Stuttgarter Neckartor, wo die Luft so schlecht, wie nirgendwo sonst im Land ist.

(Foto: imago/Lichtgut)
  • Zu den fünf wichtigsten Themen, welche die Teilnehmer des SZ-Projekts "Democracy Lab" ausgewählt haben, gehört der Komplex "Umweltschutz: Was tun gegen Klimawandel und für die Natur?"
  • Am 7. September können Sie im Stuttgarter Kulturzentrum Merlin darüber diskutieren, wie sich die Bürger hier engagieren und zu Lösungen beitragen können.
  • Weitere Informationen zum "Democracy Lab" und den anderen Diskussionsveranstaltungen in Leipzig, Köln und München finden Sie hier.

Die Luft in vielen deutschen Städten ist so schlecht, dass bald drastische Mittel nötig werden könnten. Ende Juli hat das Verwaltungsgericht Stuttgart Fahrverbote für Dieselautos bewilligt, damit die Belastung durch Stickoxide reduziert wird. Ende August teilte das Umweltbundesamt mit, dass die millionenfache Software-Nachrüstung von Dieselautos nicht ausreichen wird, um Fahrverbote in deutschen Städten zu verhindern. Genau darauf hoffen jedoch die Hersteller.

In ganz Deutschland fragen sich viele Bürger plötzlich: Setzen die Politiker die richtigen Prioritäten und sind die Auflagen für Firmen und Autohersteller streng genug? Der Komplex "Umweltschutz: Was tun gegen Klimawandel und für die Natur?" gehört auch zu den fünf wichtigsten Themen, welche die Teilnehmer des SZ-Projekts "Democracy Lab" ausgewählt haben.

Democracy Lab Reden Sie mit: Was können wir Bürger für die Umwelt tun?
Democracy Lab in Stuttgart

Reden Sie mit: Was können wir Bürger für die Umwelt tun?

Am 7. September wollen wir mit Ihnen in Stuttgart über dieses Thema sprechen und Ihre Ideen hören. Wir laden Sie ein - ins SZ Democracy Lab.

Seit US-Präsident Trump den Pariser Klima-Deal aufgekündigt und die Erderwärmung als "Quatsch" bezeichnet hat, ist auch beim Klimaschutz die Aufregung groß. Beim Hamburger G-20-Gipfel hat Kanzlerin Merkel ihren Unmut nicht verborgen - sie will international weiter für Klimaschutz werben.

Es stellt sich die unangenehme Frage: Tun wir genug für die Umwelt - als Gesellschaft und als Einzelne? Wie ist zu erklären, dass das Umweltbewusstsein hierzulande steigt - und jedes dritte neu in Deutschland zugelassene Auto ein hochmotorisierter Geländewagen ist? Reicht es aus, Müll zu trennen? Wie schädlich ist es, mehrmals im Jahr zu fliegen?

Democracy Lab - Themendossiers

Was bewegt das Land? Das haben wir in der ersten Phase des Democracy Labs die Menschen in Deuschland gefragt. Fünf Themenkomplexe wurden am häufigsten genannt: Soziale Ungleichheit, Umweltschutz, Bildungspolitik, Flüchtlingspolitik und die Frage nach Werten in Politik und Gesellschaft. Darüber diskutieren wir jetzt online und bei Veranstaltungen in Berlin, Leipzig, Stuttgart, Köln und München. Als Basis für die Diskussion haben wir zu jedem Bereich ein Kompaktdossier zusammengestellt.

Wie groß ist der ökologische Fußabdruck der Deutschen?

Der ökologische Fußabdruck eines Landes misst den Ressourcenbedarf der Bevölkerung. Er beschreibt die gesamte natürliche Fläche, die benötigt wird um Nahrung zu produzieren, Abfall aufzunehmen und für Infrastruktur. Hinzu kommt die Fläche für die Herstellung natürlicher Produkte wie Holz.

Weil die Menschen Produkte von überall auf der Welt konsumieren, wird der ökologische Fußabdruck in globalen Hektar (gHa) angegeben. Er ist die Summe aller Flächen, die für die konsumierten Güter nötig ist. Jedem Erdenbürger steht laut der Organisation Global Footprint Network eine Fläche von 1,7 gHa zur Verfügung, um die Erde nicht zu überlasten.

Mit 5,4 gHa ist der ökologische Fußabdruck des Durchschnittsdeutschen aber mehr als drei Mal größer - die Deutschen leben also über ihre Verhältnisse und zulasten anderer Menschen. Die Erde kann die Ressourcen nicht schnell genug regenerieren. Deutschland übernutzt die Natur.

Was kann man tun, um den eigenen ökologischen Fußabdruck zu verringern? Am zielführendsten sind Einsparungen von Treibhausgasen wie CO2. Weil bei der Herstellung von Produkten häufig auch andere Treibhausgase wie Methan (CH4) oder Lachgas (N2O) frei werden, rechnet man die Klimawirkung dieser Gase in CO2-Equivalente (CO₂-eq) um: 11,6 Tonnen CO₂-eq stößt jeder Bundesbürger im Schnitt pro Jahr aus.

Wer sich größtenteils vegetarisch ernährt, kann 1,6 Tonnen CO2-eq sparen. Rindfleisch ist ein Klima-Killer: Jedes Kilo sorgt bei der Produktion für den Ausstoß von 28 Kilogramm CO₂-eq. Zum Vergleich: Bei Obst und Gemüse sind es nur wenige hundert Gramm. Wie ist es beim Wohnen? Etwa 70 Prozent des Energiebedarfes eines Hauses entfallen auf die Heizung. Wer im Winter die Raumtemperatur um ein Grad senkt, spart etwa sechs Prozent der für Heizung aufgewendeten Energie."

Solche klassischen Klimaschutz-Methoden tragen positiv zur persönlichen CO2-Bilanz bei, sind aber bei Weitem nicht so effektiv wie die teils radikalen Vorschläge der Umweltwissenschaftler Seth Wynes und Kimberly A Nicholas. In ihrer Studie haben sie Möglichkeiten zur CO₂-Einsparung berechnet. Am effektivsten wäre es "ein Kind weniger zu haben". Weit praktikabler erscheint da der Verzicht auf das eigene Auto. Wer gänzlich autofrei lebt, spart etwa 2,4 Tonnen CO2-eq im Jahr. Diese Ersparnis verpufft jedoch schnell, wenn man in ein Flugzeug steigt: Eine All-Inclusive-Reise nach Mexiko schlägt mit sieben Tonnen CO₂-eq zu Buche. Urlaub im eigenen Land ist wesentlich klimafreundlicher als Fernreisen. Jonathan Ponstingl

Linktipp: Für die Berechnung des eigenen ökologischen Fußabdruckes gibt es verschiedene Rechner im Internet, beispielsweise beim Umweltbundesamt.