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Coronavirus weltweit:Zweiter Lockdown in Israel

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Ab kommenden Freitag werden Schulen, Restaurants, Einkaufszentren und Hotels wieder geschlossen, dies kündigte Ministerpräsident Netanjahu am Sonntag an.

Wegen anhaltend hoher Corona-Infektionszahlen steht Israel ein neuer landesweiter Lockdown bevor. Ab kommenden Freitag würden Schulen, Restaurants, Einkaufszentren und Hotels wieder geschlossen, kündigte Ministerpräsident Benjamin Netanjahu am Sonntag in einer Fernsehansprache an.

Auch Ausgangsbeschränkungen werde es geben. Gelten sollen die Regeln für mindesten drei Wochen. In den vergangenen Wochen war es nicht gelungen, die Infektionszahlen mit moderaten Maßnahmen nach unten zu drücken. Gemessen an der Bevölkerungszahl ist Israel mittlerweile eines der Länder mit der weltweit höchsten Zahl an Corona-Fällen. Netanjahu räumte ein, dass der neue Lockdown den Israelis einiges abverlangen werde. Oberstes Ziel müsse aber sein, den Anstieg der Infektionen einzubremsen.

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Israel - Die Kurve geht steil nach oben

Rekord bei weltweiten Infektionen

Laut Weltgesundheitsorganisation WHO haben sich binnen 24 Stunden knapp 308 000 Menschen neu mit dem Virus infiziert - so viele wie nie zuvor an einem Tag. Die größten Anstiege habe es dabei in Indien, den USA und Brasilien gegeben. Die Zahl der Toten steigt um 5537 auf 917.417.

Strengreligöser Minister in Israel zurückgetreten

Angesichts eines geplanten Corona-Lockdowns während der jüdischen Feiertage ist ein strengreligiöser israelischer Minister am Sonntag zurückgetreten. Wohnungsminister Jakov Litzman von der Partei Vereinigtes Tora-Judentum erklärte seinen Rücktritt kurz vor einer Regierungssitzung. Dort sollte über neue Sperrmaßnahmen entschieden werden. Der ehemalige Gesundheitsminister Litzman ist ein wichtiger Koalitionspartner des rechtskonservativen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu.

Die Anzahl der Neuinfektionen in Israel ist zuletzt dramatisch gestiegen. An vier Tagen in Folge wurden in der abgelaufenen Woche jeweils Rekordwerte verzeichnet. Das Gesundheitsministerium teilte am Sonntag mit, am Vortag seien 2651 neue Fälle registriert worden. Dies ist eine vergleichsweise hohe Zahl für den jüdischen Ruhetag, an dem stets weniger getestet wird. Die Zahl der Fälle seit Beginn der Pandemie hat inzwischen 150 000 überschritten, 1103 Menschen sind nach einer Infektion gestorben.

Am Donnerstag hatte Israels Corona-Kabinett erneut striktere Ausgangsbeschränkungen beschlossen. Der Drei-Phasen-Plan muss noch von der Regierung gebilligt werden. Die Entscheidung des Corona-Kabinetts sieht zunächst zweiwöchige landesweite Ausgangsbeschränkungen vor. Die Menschen dürfen sich demnach etwa von Freitagmorgen an nicht weiter als 500 Meter von ihrem Zuhause entfernen.

Österreichs Kanzler spricht von "Beginn der zweiten Welle"

Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz erwartet einen weiteren starken Anstieg der Corona-Zahlen in Österreich und vor allem in Wien. "Was wir gerade erleben, ist der Beginn der zweiten Welle", erklärte der Regierungschef am Sonntag der österreichischen Nachrichtenagentur APA. "Waren es vor zwei Wochen noch rund 350 Ansteckungen pro Tag, lagen wir gestern bereits bei über 850." Bald werde man die Marke von 1000 neuen Fälle pro Tag erreichen. Als "besonders dramatisch" beschrieb Kurz die Lage in Wien, wo mehr als die Hälfte aller registrierten Neuinfektionen in Österreich verzeichnet werden. Am Sonntag schlug die täglich schwankende Zahl der Neuinfektionen mit 463 neu gemeldeten Fällen landesweit zunächst wieder nach unten aus.

Kurz warnte vor einem harten Herbst und Winter: "Daher sind wir jetzt alle aufgerufen und gefordert, mit gleicher Disziplin und Rücksicht wie im Frühjahr auch die Herausforderungen der kommenden Monate gemeinsam zu meistern." Er bat die Bevölkerung, die Maßnahmen einzuhalten, soziale Kontakte zu reduzieren, Mund-Nasen-Schutz zu tragen und Abstand zu halten.

Rund 6200 Menschen gelten aktuell in Österreich als an Covid-19 erkrankt, mehr als 3000 von ihnen in Wien. Mit 869 registrierten Neuinfektionen in 24 Stunden wurde am Samstag der höchste Anstieg seit Ende März gemessen, allerdings bei deutlich mehr Tests und weniger schweren Fällen. Die Anzahl der im Krankenhaus behandelten Covid-19-Patienten stieg jedoch binnen einer Woche bis Sonntag um ein Drittel auf 226; von ihnen waren 44 auf der Intensivstation.

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Frankreich meldet mehr als 10 000 Neuinfektionen innerhalb eines Tages

In Frankreich ist die Zahl der Neuinfektionen erstmals auf mehr als 10 000 gestiegen. Binnen 24 Stunden habe es 10 561 neue Fälle gegeben, teilten die Behörden mit. Die höchste Zahl bislang hatte es am Donnerstag mit 9843 gegeben. Die Zahl der Toten in Kliniken und Pflegeeinrichtungen stieg um 17 auf 30 910.

Angesichts steigender Corona-Zahlen hat Frankreichs Premier Jean Castex an das Verantwortungsbewusstsein seiner Landsleute appelliert. Die künftige Situation hänge "von Ihnen ab, von uns", warnte er am Freitagabend nach einer Sitzung des Verteidigungsrates. Viele Französinnen und Franzosen hatten die Verhängung strengerer Regeln erwartet. Doch davon hielt die Regierung vorerst Abstand.

Stattdessen kündigte der Premier an, dass die Dauer der Quarantäne von 14 auf 7 Tage verkürzt wird. "Es ist unerlässlich, dass sich alle strikt an diese Zeit der Isolation halten, die einer Kontrolle unterliegen wird", warnte er. In einigen Regionen könnten aber dennoch strengere Maßnahmen bevorstehen: Castex forderte drei besonders schwer getroffene Regionen auf, bis Montag neue Maßnahmen im Kampf gegen das Coronavirus vorzulegen. Das sind die Städte Marseille und Bordeaux sowie das Überseegebiet Guadeloupe. Die Lage dort sei "besorgniserregend", so Castex. Außerdem gelten nun insgesamt 42 Départements als Risikogebiete. Zuvor waren es knapp 30.

Astra Zeneca setzt Studie zu Corona-Impfstoff fort

Der Pharmakonzern Astra Zeneca setzt seine Studie zum Coronavirus-Impfstoff in Großbritannien fort. Die Gesundheitsbehörde MHRA habe bestätigt, dass eine Fortsetzung sicher sei, teilt der Konzern mit. Er hatte diese Woche die Studien mit dem Impfstoffkandidaten wegen einer ungeklärten Erkrankung bei einer Studienteilnehmerin zum zweiten Mal unterbrechen müssen.

Der Geschäftsführer des Unternehmens, Pascal Soriot, erklärte am Mittwoch gegenüber Investoren, dass es sich um eine Frau in Großbritannien handelte. Soriot bestätigte laut einem Bericht des Wissenschaftsportals Statnews, dass die Probandin an einer transversen Myelitis erkrankt war, einer Entzündung des Rückenmarks. Der Patientin gehe es aber wieder gut, sodass sie aus dem Krankenhaus entlassen werden könne. Die Frau hatte in der Studie den Impfstoff erhalten, nicht das zum Vergleich eingesetzte Placebo. Ob das Vakzin für die Erkrankung verantwortlich war, soll während der Studienpause nun untersucht werden.

Die an der Erprobung beteiligte Universität Oxford teilte mit, der Impfstoff sei weltweit etwa 18 000 Menschen verabreicht worden. Bei großen Studien wie dieser entspreche es den Erwartungen, dass manche Teilnehmerinnen und Teilnehmer sich nicht wohl fühlten, und jeder Fall müsse sorgsam untersucht werden, um eine vorsichtige Einschätzung der Sicherheit sicher zu stellen.

Derweil kündigten der US-Pharmakonzern Pfizer und das Mainzer Biotech-Unternehmen BionTech an, ihre Studie für einen Covid-19-Impfstoff ausweiten zu wollen. Der US-Arzneimittelaufsicht FDA sei zugesagt worden, die Phase-3-Studie mit 44.000 Teilnehmern durchzuführen, teilen beide Firmen mit. Bislang war von 30.000 Probanden die Rede gewesen, Diese Zahl sollte in der kommenden Woche erreicht werden. Pfizer und Biontech bekräftigten, bei erfolgreichen Ergebnissen solle bereits im Oktober die Zulassung des Impfstoffs beantragt werden.

Falsche Zahlen auf Mallorca

Wegen einer fehlerhaften Datenübertragung an das Gesundheitsministerium in Madrid sind die Infektionszahlen der Balearen einem Bericht zufolge tagelang zu niedrig ausgewiesen worden. So sei die Zahl der Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner für die vergangenen sieben Tage weit unter 50 angegeben worden, obwohl sie tatsächlich wesentlich höher lag, wie die Mallorca Zeitung unter Berufung auf Eugenia Carandell, Direktorin im balearischen Gesundheitsministerium, berichtet.

Nach den Daten der lokalen Gesundheitsbehörde ergebe sich in Wirklichkeit eine Zahl von 120 bis 170 Neuinfektionen je 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen. Statistische "Widersprüche" seien seit längerem auffällig gewesen, so die Mallorca Zeitung weiter. Für ganz Spanien wird der Wert derzeit mit etwa 113 angegeben. Die Grenze von 50 ist ein entscheidendes Kriterium für die Bundesregierung, eine Region oder ein Land als Risikogebiet einzustufen oder die Einschätzung auch wieder aufzuheben. Die Balearen mit der beliebten Urlauberinsel Mallorca sind seit Mitte August Risikogebiet und das Auswärtige Amt warnt vor Reisen dorthin wie auch in den Rest Spaniens.

Am 11. September kletterte die Zahl der täglichen Corona-Neuinfektionen in ganz Spanien auf einen neuen Rekordwert von 12 183. Dies sei der höchste Anstieg binnen eines Tages seit Beginn der Pandemie, schrieb die Zeitung El País. Das Gesundheitsministerium in Madrid teilte mit, es handele sich um 4708 positive Testergebnisse der vergangenen 24 Stunden sowie nachgemeldete Fälle. Es gelten zahlreiche Einschränkungen im öffentlichen wie im privaten Bereich. So ist das Nachtleben in ganz Spanien wieder stark eingeschränkt. Überall gilt Maskenpflicht - auch im Freien. Besonders betroffene Gebiete wurden abgeriegelt, so etwa das Wohnviertel Son Gotleu von Palma de Mallorca.

Studie: In Indien möglicherweise Millionen Fälle unentdeckt

In Indien könnten zu Jahresanfang nach einer Untersuchung Millionen von Coronavirus-Fällen nicht entdeckt worden sein. Der im Indian Journal of Medical Research veröffentlichten Studie zufolge gab es im Land im Mai schätzungsweise 6,5 Millionen Fälle. Nach offiziellen Zahlen des Gesundheitsministeriums waren es weniger als 200 000. Das Gesundheitsministerium meldete am Freitag einen weiteren Tagesrekord mit 96 551 bestätigten Neuinfektionen, womit sich die offizielle Gesamtzahl der Ansteckungen auf 4,5 Millionen erhöhte. In keinem anderen Land der Welt steigen die Infektionszahlen schneller als in Indien, das nach den USA die meisten Fälle aufweist. Die Zahl der Todesfälle in Indien ist zwar vergleichsweise niedrig, aber seit zehn Tagen wurden täglich immer mehr als tausend Tote gemeldet.

EZB-Chefin Lagarde warnt vor Selbstzufriedenheit im Umgang mit Corona-Krise

Die Erholung der Wirtschaft nach dem beispiellosen Absturz im zweiten Quartal infolge der Corona-Krise ist der EZB-Chefin Christine Lagarde zufolge nach wie vor uneinheitlich und unvollständig. Daher gebe es für die europäischen Regierungen und die Europäische Zentralbank (EZB) "keinen Spielraum, sich auszuruhen", sagte sie am Freitag nach einem Treffen mit den EU-Finanzministern. "Unsere konjunkturstützende Geldpolitik braucht die Unterstützung der Fiskalpolitik, und niemand von uns kann sich gegenwärtig Selbstzufriedenheit leisten", so die EZB-Chefin.

Die Hilfen müssten bis zum Ende der Krise beibehalten werden. "Nach unserer Projektion werden wir vor Ende 2022 in der Euro-Zone nicht zur Vor-Covid-Situation zurückkehren", sagte die EZB-Chefin. Die Euro-Notenbank hat wegen des Konjunktureinbruchs infolge der Coronavirus-Pandemie umfangreiche Stützungsmaßnahmen auf den Weg gebracht. Im Juni stockte sie ihr Notfall-Anleihenkaufprogramm um 600 Milliarden Euro auf 1,35 Billionen Euro auf. Über ihre großen Geldsalven sorgt sie zudem für reichlich Liquidität im Bankensystem. Die EU-Staaten hatten sich im Juli geeinigt, für einen EU-Wiederaufbaufonds nach der Pandemie insgesamt 750 Milliarden Euro bereitzustellen - 390 Milliarden Euro als direkte Zuschüsse und 360 Milliarden Euro als Kredite.

Israel steuert auf neuen Lockdown zu

Das israelische Kabinett hat am Donnerstag angesichts der steigenden Coronavirus-Infektionszahlen einen neuen Lockdown beschlossen. Der Plan sieht zunächst eine landesweite Ausgangsbeschränkung vor. Die Menschen dürfen sich nicht weiter als 200 Meter von ihrem Zuhause entfernen. Schulen und Kindergärten sollen geschlossen werden, Restaurants und Geschäfte ebenfalls. Gebete dürfen nur im Freien stattfinden. Der geplante Lockdown soll zwei Wochen lang dauern und noch vor dem jüdischen Neujahrsfest am kommenden Freitag beginnen. Die Regierung muss den Plänen am Sonntag noch zustimmen.

In einer zweiten Phase sollen Fahrten zwischen Wohnorten und Versammlungen eingeschränkt werden. Neben Restaurants und Geschäften sollen auch Einkaufszentren schließen. Schüler von der fünften Klasse aufwärts sollen ausschließlich Fernunterricht erhalten. Nur ein Teil der Angestellten darf zur Arbeit gehen. Die Menschen sind angewiesen, möglichst im Home-Office zu arbeiten. Diese Phase soll ebenfalls zwei Wochen dauern. Danach ist eine Rückkehr zu den bisher geltenden Beschränkungen geplant, falls die Infektionszahlen wie erhofft sinken.

Das israelische Gesundheitsministerium hatte am Freitag mitgeteilt, dass am Vortag 4038 Neuinfektionen gemeldet worden seien. Das ist der höchste Ein-Tages-Wert am vierten Tag in Folge und seit Beginn der Pandemie. Zunächst war die Pandemie in Israel glimpflich verlaufen, auch wegen eines strikten Kurses der Regierung. Nach raschen Lockerungen im Mai schnellten die Fallzahlen jedoch in die Höhe. Der Erreger Sars-CoV-2 ist seit Beginn der Pandemie bei 146 542 Menschen in Israel nachgewiesen worden. 1077 Menschen sind nach einer Corona-Infektion gestorben. Das Land hat rund neun Millionen Einwohner.

Das Finanzministerium soll ein Hilfspaket ausarbeiten, um wirtschaftliche Schäden für Unternehmen und Bürger abzufedern. Die Arbeitslosigkeit lag zuletzt bei 20 Prozent. Ein erneuter monatelanger Lockdown würde die israelische Wirtschaft bis zu 4,4 Milliarden Dollar kosten, schätzt der Chef-Ökonom des Finanzministeriums. Die israelische Zentralbank sagt einen Einbruch der Wirtschaft um sieben Prozent voraus, sollten die Infektionszahlen weiter ansteigen.

© SZ.de/dpa/Reuters/Bloomberg/odg/saul/aner/jsa/hij/ihe/kit/mpu/odg
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