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Alle Daten zur Pandemie:Aktuelle Zahlen zum Coronavirus

In welchen Grafiken lässt sich die Dynamik der Pandemie am besten abbilden? Der ständig aktualisierte Daten-Überblick der SZ wurde angepasst und enthält nun auch Werte zu Intensiv-Fällen und Gesamtsterblichkeit.

Von Christian Endt und Benedict Witzenberger

Neu seit 22. November 2020: Um die Fallzahlen zwischen verschiedenen Ländern und Regionen unterschiedlicher Größe besser vergleichbar zu machen, stellen wir nun das Infektionsgeschehen als Inzidenz dar, also die Neuinfektionen der vergangenen sieben Tage pro 100.000 Einwohner. Die zugrundelegenden Fallzahlen beziehen wir für Deutschland weiterhin vom Robert-Koch-Institut (RKI), für das Ausland von der Johns-Hopkins-Universität. Die Inzidenz errechnet die SZ aus diesen Fallzahlen selbst, sie kann daher von Angaben an anderer Stelle abweichen. Die Inzidenz-Berechnung des RKI steht in der Kritik, da sie systematisch zu niedrig ausfällt.

Wir haben den Daten-Überblick zur Corona-Pandemie überarbeitet. Neben den Infektionszahlen stellen wir nun auch dar, wie viele Menschen sich gerade in intensivmedizinischer Behandlung finden - ein guter Indikator für die Zahl der Infektionen mit schwerem Verlauf. Außerdem sind Grafiken zur Gesamtsterblichkeit dazugekommen. Das ist ein besonders objektiver und international vergleichbarer Indikator, da er unabhängig vom Testausmaß gilt. In einem separaten Artikel zeigen wir die gemeldeten Neuinfektionen aus zahlreichen Staaten weltweit. All diese Informationen finden Sie auch stets aktuell direkt auf unserer Homepage.

Vor allem drei Werte stehen bei uns im Fokus. Die Zahl der Neuinfektionen ist ein entscheidender Indikator. Geht dieser Wert zurück, ist das Virus unter Kontrolle. Sobald die Zahl wieder ansteigt, droht ein Rückfall in eine exponentielle Ausbreitung, die sehr schnell unkontrollierbar werden kann. Am besten vergleichbar werden die Neuinfektionen, wenn man sie in Form der Inzidenz ausdrückt: Also jeweils über die vergangenn sieben Tage addiert und ins Verhältnis zur Einwohnerzahl gesetzt.

Außerdem wichtig: die Reproduktionszahl. Sie gibt an, wie viele weitere Menschen ein Infizierter im Mittel ansteckt. Das Robert Koch-Institut berechnet sie über die Neuinfektionen. Liegt der R-Wert über 1, breitet sich das Virus exponentiell aus. Ein R unter 1 bedeutet, dass die Ausbreitung vorerst gestoppt werden konnte.

In Deutschland haben Bund und Länder beschlossen, das Management der Epidemie stärker in die Regionen zu verlagern. So soll nun die Zahl der Neuinfektionen für jeden Landkreis und jede kreisfreie Stadt einzeln beobachtet werden. Treten innerhalb einer Woche mehr als 50 Ansteckungen je 100.000 Einwohner auf, soll der betroffene Kreis reagieren.

Während sich im Frühjahr auch viele ältere Menschen infiziert haben - bei denen das Risiko für schwere Verläufe besonders hoch ist - waren im Sommer überwiegend junge Menschen unter den bestätigten Fällen.

Das ist eine mögliche Erklärung, warum es trotz steigender Fallzahlen vergleichsweise wenig Intensivpatienten und Todesfälle gab. Bei einer unkontrollierten Ausbreitung des Virus ist zu erwarten, dass auch die schweren Verläufe wieder zunehmen. Und das ist geschehen.

Die ersten Infektionen innerhalb Deutschlands gab es bei Mitarbeitern des bayerischen Automobilzulieferers Webasto, die sich bei einer chinesischen Kollegin angesteckt hatten. Inzwischen gibt es in allen Bundesländern zahlreiche Fälle. Schwerpunkte liegen in Nordrhein-Westfalen, Bayern, Baden-Württemberg und Hamburg.

Wie sieht die Corona-Situation weltweit aus?

Die Epidemie nahm Ende Dezember in China ihren Anfang und hat inzwischen nahezu die ganze Welt erreicht. Zu den besonders schwer betroffenen Regionen zählen Indien, die Vereinigten Staaten und Südamerika.

Diese Tabelle zeigt den aktuellen Stand in allen Staaten der Welt. Die Daten stammen von der Johns-Hopkins-Universität, die neben amtlichen Statistiken auch Medien als Quelle verwendet, die häufig schneller Daten liefern. Die Zahl der Neuinfektionen ist dabei immer ein gleitender Mittelwert über die vergangene Woche. So werden Schwankungen herausgerechnet, die daraus resultieren dass an Wochenenden weniger Fälle gemeldet werden - obwohl man annehmen kann, dass sich an ihnen genauso viele Menschen infizieren wie an Wochentagen.

Diese Daten sind nur ein Ausschnitt der Wirklichkeit. Es gibt eine große Zahl von Patienten, die nicht erfasst sind - und womöglich noch gar nicht wissen, dass sie das Virus bereits in sich tragen. Insbesondere in afrikanischen Staaten reichen die Testkapazitäten bei weitem nicht aus, dort dürfte die Dunkelziffer besonders hoch sein. Eine sinnvoller Metrik für die Testzahlen ist die Positivrate. Sie beschreibt das Verhältnis zwischen positiven Tests und der Gesamtzahl der Tests. Liegt sie unter etwa fünf Prozent gilt eine Pandemie in einem Land als kontrollierbar. Höhere Werte deuten daraufhin, dass nicht ausreichend getestet wird.

Da in verschiedenen Ländern in unterschiedlichem Ausmaß getestet wird, sind die absoluten Fallzahlen nur eingeschränkt vergleichbar. Auch kann man bei den Meldungen von autoritären Regimen mindestens skeptisch sein, inwieweit diese die Realität abbilden. Für den internationalen Vergleich bietet sich daher ein zusätzlicher Blick auf die Todesfälle an. Diese sind besser vergleichbar. Da jedoch auch manche Covid-Toten nicht als solche erfasst werden, blicken Statistiker außerdem auf die gesamte Übersterblichkeit in den Ländern.

Eine Übersterblichkeit liegt vor, wenn mehr Menschen sterben als statistisch zu erwarten wäre. Dazu wird Woche für Woche die Zahl der Verstorbenen im Jahr 2020 mit dem Mittelwert der Vorjahre verglichen. Dabei geht es um alle Sterbefälle unabhängig von der Todesursache. Da die Standes- und Statistikämter die Todesfälle mit Verzögerung erhalten, aufbereiten und veröffentlichen, lässt sich eine verlässliche Aussage erst mit einigen Wochen Abstand treffen.

Für das Auswärtige Amt gilt nach eigenen Angaben aktuell die Grenze von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen als Anhaltspunkt dafür, ob eine Reisewarnung ausgesprochen und ggf. wieder aufgehoben wird.

© SZ.de/beu/vwo/jsa
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