bedeckt München 17°
vgwortpixel

Coronavirus in Deutschland:Dänemark öffnet Grenzen für deutsche Touristen

Europaminister Claussen besucht deutsch-dänische Grenze

Die Flaggen von Europa, Schleswig-Holstein, Dänemark und Deutschland wehen am deutsch-dänischen Grenzübergang Kupfermühle/Krusa bei Flensburg.

(Foto: dpa)
  • Dänemark hatte als eines der ersten Länder Europas im Kampf gegen Corona am 14. März seine Grenzen dichtgemacht.
  • Tübinger Forscher müssen ihre Studie zu einem Medikament gegen Covid-19 unterbrechen.
  • In Berlin gibt es zahlreiche Lockerungen bei den Corona-Regeln.
  • Innenminister Seehofer rechnet damit, dass die Warn-App Mitte Juni bereit ist.
  • Bei Hannover haben sich mindestens 72 Mitarbeiter von UPS mit dem Virus infiziert.
  • Alle Infos rund um die Corona-Epidemie finden Sie auf unserer Themenseite.

Dänemark öffnet seine Grenzen ab dem 15. Juni wieder für Touristen aus Deutschland, Norwegen und Island. Das gab Ministerpräsidentin Mette Frederiksen am Freitag in Kopenhagen bekannt. Reisende müssten ein Hotel, einen Campingplatz oder eine andere Übernachtungsmöglichkeit außerhalb Kopenhagens für mindestens sechs Nächte buchen. Die Grenzen zu den anderen EU-Staaten, den übrigen Mitgliedern des Schengen-Raums und Großbritannien sollten erst nach dem Sommer geöffnet werden.

Dänemark hatte als eines der ersten Länder Europas im Kampf gegen Corona am 14. März seine Grenzen dichtgemacht. Touristen und andere Ausländer ohne konkreten Einreisegrund kommen seitdem nicht mehr ins Land. Frederiksen hatte bereits angekündigt, dass die Regierung spätestens am 29. Mai einen Plan "für eine kontrollierte und schrittweise Wiedereröffnung des Sommertourismus" präsentieren wolle. Wer als Deutscher ein Sommerhaus in Dänemark besitzt oder seinen Partner in dem Land besuchen will, darf bereits wieder einreisen.

Studie ausgesetzt

Das Tübinger Institut für Tropenmedizin unterbricht seine Studie mit dem Medikament Chloroquin im Kampf gegen Corona-Erkrankungen. Wie Institutsdirektor Peter Kremsner mitteilte, soll bis zu zwei Wochen ausgesetzt werden, weil es Berichte über schwere Nebenwirkungen des Malaria-Mittels gegeben hat. In dieser Zeit werde ein unabhängiges Sicherheitsgremium die ersten Ergebnisse zur Patientensicherheit anschauen. Davon hängt ab, ob die Studie fortgesetzt wird. Die Studie begann Ende März. Kremsner geht davon aus, dass die Sorgen um Nebenwirkungen übertrieben sind. Das Medikament sei seit Jahrzehnten bekannt und gut verträglich. Außer ein Patient leide unter bestimmten Vorerkrankungen.

Die Tübinger Tropenmediziner wollten früheren Angaben zufolge mit Chloroquin eine moderat an Covid-19 erkrankte Testgruppe behandeln und einer Kontrollgruppe Placebos verabreichen. Im Augenblick gebe es nur sehr wenige Corona-Patienten in Tübingen, mit denen er seine Studie hätte fortsetzen können, sagte der Wissenschaftler.

Demonstrationen in Berlin künftig ohne Teilnehmerbegrenzung

Für Demonstrationen gilt in Berlin künftig keine Begrenzung der Teilnehmerzahl mehr. Darauf hat sich der Senat bei seiner Sondersitzung am Donnerstag geeinigt. Unklar ist noch, ab wann die neue Regelung gelten soll. Derzeit sind öffentliche Versammlungen im Freien wegen der Corona-Pandemie auf 100 Teilnehmer begrenzt.

Ab kommender Woche sind zudem wieder Veranstaltungen unter freiem Himmel erlaubt. Demnach sind voraussichtlich ab 2. Juni Open-Air-Veranstaltungen wie Konzerte oder Filmvorführungen mit bis zu 150 Teilnehmern möglich, ab 30. Juni dann mit bis zu 300 Teilnehmern. Berliner Kinos dürfen ab 30. Juni wieder öffnen. Großveranstaltungen bleiben bis 31. August untersagt. Auch Fitnessstudios dürfen im Juni wieder öffnen.

Aktuelles zum Coronavirus - zweimal täglich per Mail oder Push-Nachricht

Alle Meldungen zur aktuellen Lage in Deutschland und weltweit sowie die wichtigsten Nachrichten des Tages - zweimal täglich mit SZ Espresso. Unser Newsletter bringt Sie morgens und abends auf den neuesten Stand. Kostenlose Anmeldung: sz.de/espresso. In unserer Nachrichten-App (hier herunterladen) können Sie den Espresso oder Eilmeldungen auch als Push-Nachricht abonnieren.

Seehofer rechnet mit Corona-Warn-App Mitte Juni

Bundesinnenminister Horst Seehofer geht davon aus, dass die deutsche Corona-Warn-App etwa Mitte Juni zur Verfügung stehen wird. Es habe dazu am Vorabend ein "sehr, sehr gutes Gespräch" mit den Projektträgern SAP und Deutsche Telekom gegeben, sagte der CSU-Politiker am Donnerstag in einer Sitzung der Deutsch-Französischen Parlamentarischen Versammlung. Er sei zuversichtlich, "dass wir um Mitte Juni (...) diese berühmte Warn-App bekommen".

Seehofer wies darauf hin, dass sich in Deutschland und Frankreich das Infektionsgeschehen sehr positiv entwickelt habe. Sollte es dabei bleiben, würden die Grenzkontrollen zu Frankreich am 15. Juni komplett aufgehoben. "Gleichzeitig zum 15. Juni will die deutsche Regierung auch ihre Reisewarnungen und Reisehinweise neu gestalten." Dies werde das Bundeskabinett am kommenden Mittwoch beschließen. Angestrebt werde auch, dann die weltweite strikte Reisewarnung "so nicht aufrechtzuerhalten, sondern unter Berücksichtigung des Infektionsgeschehens Lockerungen durchzuführen".

Seehofer betonte, die Mitte März eingeführten Grenzkontrollen hätten ihren Beitrag zur Eindämmung des Infektionsgeschehens geleistet. "Es geht immer darum, das Virus nicht zu importieren", sagte er. "Deshalb hat sich diese Anstrengung schon gelohnt." Mit Blick auf Lockerungen betonte Seehofer: "Der Schutz der Gesundheit und des Lebens muss bei diesen Fragen an oberster Stelle stehen. Das ist nicht verhandelbar."

72 UPS-Mitarbeiter nahe Hannover mit Coronavirus infiziert

Beim Paketdienstleister UPS in Langenhagen bei Hannover haben sich 72 Mitarbeiter des Verteilerzentrums mit dem Coronavirus infiziert. Das teilten das Sozialministerium und die Region Hannover am Donnerstag mit. 55 Mitarbeiter, deren Test zunächst negativ ausfiel, sollen erneut getestet werden. Auch Covid-19-Fälle in einer Kita und einer Schule in Hannover ständen im Zusammenhang mit dem Infektionsgeschehen bei UPS, teilte die Region mit.

Familien mit einem beruflichen Bezug zum Unternehmen wurden gebeten, wachsam auf eventuelle Krankheitssymptome zu achten. Nach derzeitigen Erkenntnissen sind Paketzusteller nicht betroffen. Postsendungen könnten daher risikolos in Empfang genommen werden.

Nachdem es nach der ersten Infektion Mitte Mai einen stetigen Anstieg der Fälle gab, habe das Gesundheitsamt am 18. Mai gemeinsam mit dem Unternehmen die betroffenen Abteilungen identifiziert, erklärte die Region. Vor Ort seien die Hygienemaßnahmen überprüft worden, um sicherzustellen, dass die Abstände im Arbeitsablauf eingehalten werden. Seit Mitte Mai besteht auf dem Firmengelände eine Maskenpflicht. Am Dienstag ließ das Gesundheitsamt vorsorglich weitere 80 Mitarbeiter testen - bei 55 war das Ergebnis negativ. Bei UPS war keine Stellungnahme zu erhalten.

Lohnersatz für Berufstätige wird verlängert

Berufstätige Eltern, die ihre Kinder wegen der Corona-Krise zu Hause betreuen müssen, sollen mehr Hilfen vom Staat bekommen. Der Lohnersatz wegen eingeschränkten Kita- und Schulbetriebs soll künftig nicht mehr nur sechs, sondern bis zu 20 Wochen lang gezahlt werden. Das beschloss der Bundestag am Donnerstag. Entschieden wurde auch, dass Zuschüsse des Arbeitgebers zum Kurzarbeitergeld größtenteils steuerfrei bleiben.

Im gleichen Gesetz wurde die Mehrwertsteuer auf Speisen in der Gastronomie vorübergehend von 19 auf sieben Prozent gesenkt. So sollen Restaurants unterstützt werden, die wegen der Pandemie große Umsatzeinbrüche haben. Der Mehrwertsteuersatz auf Getränke bleibt bestehen. Die Opposition kritisierte, dass Bars und Kneipen, die ausschließlich Getränke verkaufen, dabei unberücksichtigt bleiben. Das Gesetz bedarf noch der Zustimmung des Bundesrats.

© SZ.de/dpa/epd/bepe/cck/lalse/saul/bix/cku/mcs/kit/jsa/gal/aner/cwe/sebi/mcs/swi/odg/mpu/thba/ghe/mxm/mane/mxm/jsa/ihe/luch
Matthias Baumgärtel

SZ Plus
Coronavirus
:"Jeder Nichtinfizierte zählt"

Intensivmediziner Matthias Baumgärtel über Todesfälle unter jungen Patienten, die Risiken von offenen Kitas und Schulen und die Frage, warum er die Sportschau boykottieren wird.

Interview von Christoph Koopmann und Rainer Stadler

Welche China-Strategie sollte die EU verfolgen?:Zur Leserdiskussion

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite