Coronavirus:Europäische Arzneimittelbehörde genehmigt Impfstoff für Kinder

FILE PHOTO: CDC approves Pfizer vaccine for teenagers

Jetzt auch für Jüngere: Die EMA empfiehlt, den Impfstoff von Biontech für Kinder ab zwölf Jahren zuzulassen.

(Foto: Kathleen Flynn/Reuters)

Vakzin von Biontech soll ab zwölf Jahren zugelassen werden. Ärztevertreter befürchten Ansturm auf Praxen.

Von Angelika Slavik, Berlin

Auch Kinder ab zwölf Jahren können nun gegen das Coronavirus geimpft werden. Die Europäische Arzneimittelbehörde EMA empfahl am Freitagnachmittag das Vakzin von Biontech zur Zulassung auch für diese Altersgruppe. Es ist der erste Impfstoff gegen Covid-19 für Menschen unter 16 Jahren, der in Europa zugelassen wird.

Die Daten zeigten, dass der Impfstoff auch in dieser Altersgruppe sicher sei, die Wirksamkeit sei zudem "vergleichbar oder sogar besser" als bei Erwachsenen, sagte EMA-Impfstoffexperte Marco Cavaleri bei einer Pressekonferenz. Formal muss die EU-Kommission der EMA-Empfehlung noch zustimmen. Neben Biontech bemüht sich auch Moderna um eine Zulassung für Kinder und Jugendliche.

Die Zulassung des Impfstoffs für dieses Altersgruppe kommt damit nur einen Tag, nachdem Bund und Länder bei einem Impfgipfel über die weitere Impfstrategie für Kinder und Jugendliche beraten haben. Die Beschlüsse der Runde sehen vor, dass mit dem Aufheben der allgemeinen Priorisierung am 7. Juni auch Impfungen von Kindern ab zwölf ermöglicht werden. Es wird aber kein eigenes Impfstoffkontingent für diese Altersgruppe geben und auch keine eigene organisatorische Struktur. Stattdessen können Eltern vom übernächsten Montag an versuchen, für ihre Kinder Impftermine zu bekommen - dafür müssen sie sich aber genauso wie alle anderen in die Wartelisten bei niedergelassenen Ärzten oder im Impfzentrum einreihen.

Kritik an Spahns "Erwartungsmanagement"

Die Entscheidung war für viele Beobachter überraschend, schließlich kamen aus der Bundesregierung in den vergangenen Wochen deutliche Signale, man wolle Kinder ab zwölf Jahren im großen Stil durchimpfen und für sie auch eigene Impfstoffkontingente reservieren. Dazu kommt es nun nicht.

Ärztevertreter übten deshalb teils heftige Kritik an Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Was man gesehen habe, sei "alles andere als ein gutes Erwartungsmanagement", sagte Andreas Gassen, Vorstandschef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV). "Es werden Versprechen gemacht, die die niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen mal wieder ausbaden müssen." Bei der KBV hat man Sorge, dass der Massenansturm auf die Praxen mit dem Ende der Priorisierung nun noch schlimmer ausfallen könnte als ohnehin befürchtet. Denn mit der Erweiterung auf Kinder und Jugendliche steigt die Zahl der Impfberechtigten, es gibt aber keinen zusätzlichen Impfstoff.

Ob sie ihre Kinder gegen Corona impfen lassen sollten, wird für Millionen Eltern in Deutschland ohnehin eine komplizierte Entscheidung. Denn die Ständige Impfkommission (Stiko) ließ durchblicken, dass von ihr in nächster Zeit keine allgemeine Empfehlung für die Impfung von Kindern und Jugendlichen zu erwarten sei - die Datenlage, sowohl zu den Risiken einer Impfung als auch einer Erkrankung, ist dem Expertengremium in dieser Altersgruppe noch zu dünn.

Auch der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, sprach sich gegen flächendeckende Corona-Impfungen für Kinder und Jugendliche aus. Derzeit würde er Eltern von gesunden Kindern nicht dazu raten, sagte Reinhardt der Welt. Vieles spreche dafür, dass das Risiko von Kindern und Jugendlichen, schwer an Covid-19 zu erkranken, sehr gering sei. Flächendeckende Impfungen seien daher "zum jetzigen Zeitpunkt nicht gerechtfertigt".

Vom Deutschen Lehrerverband gab es Kritik: Die Beschlüsse des Impfgipfels hätten keine positiven Auswirkungen auf das nächste Schuljahr. Verbandschef Heinz-Peter Meidinger erwartet, dass die ausbleibende Empfehlung der Stiko zudem vermutlich die meisten Eltern abhalten wird, ihre Kinder impfen zu lassen. Ein Regierungssprecher sagte am Freitag, eine Imfpung der Kinder könne keinesfalls Bedingung für die Teilnahme am Regelunterricht sein. Die Impfung bleibe auf jeden Fall freiwillig.

© SZ/stad
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