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Merkel-Nachfolge:Verquere Gedankenspiele in der Union

Dass die glücklose Annegret Kramp-Karrenbauer noch Parteichefin ist, dürfte manchen Bürgern nicht präsent sein, weil sie nicht präsent ist. Sie hat versprochen, die Suche nach der neuen Führung von vorne zu gestalten, ist aber weder vorn, noch führt sie.

In so einer Situation entstehen verquere Gedankenspiele. So gibt es intern unter Christdemokraten die Idee, dass Laschet für Spahn verzichten könnte, der als Gesundheitsminister eine gute Figur macht. Er möge Parteichef werden, Söder Kanzlerkandidat, Laschet Bundespräsident. Diese Spielerei mit dem höchsten Amt im Staat als Manövriermasse ist nicht nur Ausdruck von geringer Demut, die Urheber übersehen beachtliche Hindernisse.

Da wäre das Bayern-Paradoxon: Hierzulande wird zwar - respektabel und öde zugleich - immer wieder Bayern München Fußballmeister, aber ein bayerischer CSU-Politiker bisher nicht Kanzler. Im Osten und im Norden reiben sich viele die Augen, dass der einstige Haudrauf nun als kanzlerfähig gelten soll.

So ein Image dreht sich langsamer, als der wandlungsfähige Söder hoffen mag. Gute Umfragewerte verzerren leicht den Blick, der aufmerksamer werden dürfte, sobald Söder offen Ambitionen zeigen sollte. Sein Gebaren wie zuletzt in Herrenchiemsee dürfte bald als allzu selbstverliebt aufgefasst werden.

Und es liegt weniger als zwei Jahre zurück, dass der Kandidat Spahn auf dem Parteitag in Hamburg im Wettkampf um die Nachfolge der CDU-Chefin Merkel abgeschlagen Dritter wurde, hinter Kramp-Karrenbauer und Merz - ein achtbares Resultat für ein Talent, aber keine Empfehlung für eine baldige Berufung. So haben die beiden beim Aufstieg nach ganz oben höchstens den halben Weg hinter sich.

Die Union muss zentrale Fragen lösen

Niemand in der Union sollte in so einem Personaltableau die Lösung für das grundsätzliche Dilemma sehen, das die derzeit führungslose CDU schwächt. Zentrale inhaltliche und strategische Fragen sind zu lösen: Wie konservativ will und muss man sein, um einstige Wähler zurückzugewinnen, auch um der Stärke der AfD vor allem im Osten zu begegnen? Wie gelingt der Ausgleich zwischen Tradition und Modernität besser?

Es mag ja sein, dass dem Kandidaten Merz inner- und außerhalb der CDU von vielen weder Parteiführung noch Kanzlerschaft zugetraut werden. Aber sein Ansehen etwa im Osten und, wie das Ergebnis beim Parteitag in Hamburg zeigte, in Teilen der Partei bezeugt, welche Sehnsüchte bestehen. Was wird getan, um Merz, seinen Anhängern und deren Anliegen gerecht zu werden?

So spiegelt die Ratlosigkeit die Uneinigkeit der Union wider. Die CDU scheint im Begriff zu sein, ihre Fehler zu wiederholen, indem sie diese Fragen ignoriert wie vor der Wahl von Kramp-Karrenbauer. Sie bräuchte eine Lösung ohne Tricks und ohne ein großes Lager der Verlierer. Ein Bemühen darum ist nicht zu erkennen.

© SZ vom 20.07.2020/gal
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Kommentar von Sebastian Beck

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